Recht

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Eine der wichtigsten Hürden für den elektronischen Handel ist mit dem Fernabsatzgesetz gefallen. Leider war es noch nicht die letzte E-Commerce-Barriere.

Die größten Hemmnisse für das Wachstum im Internet sind psychologisch bedingt.“ Davon ist Hartmut Meixner, einer der Preisträger des jüngst in Köln vergebenen „E-Com-Award“ des Landes Nordrhein-Westfalen, überzeugt. Der Geschäftsführer der Multimedia-Agentur „Keybits“ ist trotzdem optimistisch, was das Wachstum der virtuellen Märkte im Internet angeht.
Für Meixner steht fest: Die meisten Hürden für den elektronischen Handel bestehen noch immer. Nicht ohne Grund spezialisierte sich die Agentur Keybits, Mülheim/Ruhr, die den E- Commerce-Preis in dieser Woche in Köln für ihr Konzept „Print-on-Demand“ erhalten hat, neben Webdesign-Diensten auch auf Beratungen und Schulungen für Unternehmen. „Die meisten Firmen unterschätzen noch immer, wie wichtig ein guter Internet-Auftritt ist“, weiß Meixner. „Da dominiert noch die kurzfristige Denke und nicht die Einsicht, dass das Internet in fünf bis sechs Jahren ein Massenmedium geworden ist, in dem man nur noch mit dem richtigen Konzept erfolgreich ist.“ Dass die Agentur mit ihrem Konzept erfolgreich ist, beweist nicht nur der begehrte Preis. Über die Webseite der Agentur können Kunden Kunstdrucke nach eigenem Wunsch und Geschmack zusammenstellen. Selbst die ausgefallenste Bestellung wird erledigt, und sei es Jugendstildruck auf Japanpapier.
Würde Keybits nicht nach Kundenwunsch liefern, hätte die Agentur seit vergangener Woche ein Problem. Denn beim Online–Shopping hat der Kunde jetzt ein Widerrufsrecht. Das neue Fernabsatzgesetz schützt Verbraucher beim Einkauf im Internet und tritt am 1. Juni 2000 in Deutschland in Kraft – mit weit reichenden Folgen für das Internet-Shopping, das Tele-Shopping und den gesamten Versandhandel. Wer als Verbraucher im Internet oder auch per Tele-Shopping oder Katalog Waren bestellt, hat demnächst nach Erhalt der Waren 14 Tage Zeit, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Innerhalb dieser zwei Wochen kann der Verbraucher die Waren gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben, wobei die Rücksendungskosten der Händler trägt.
Rechtsexperten und Verbraucherschützer haben das Fernabsatzgesetz schon mit Ungeduld erwartet. „Nichts ist leichter als eine Warenbestellung per Mausklick“, mahnt der Berliner Rechtsanwalt Niko Härting. Das Internet verführe Online-Shopper leicht zu übereilten Entscheidungen. „Das neue Gesetz bewahrt den Verbraucher vor den schmerzlichen Folgen des eigenen Kaufrausches“, kommentiert der Medienrechtler. Internet-Anbieter müssten jetzt schnell handeln und ihre Internet-Auftritte dem neuen Gesetz anpassen.
„Web-Designern und Druckereien wird das neue Gesetz viele neue Aufträge bescheren“, interpretiert Rechtsexperte Härting den neuen Rechtsrahmen. Unzählige Websites und Kataloge müssten nun kurzfristig überarbeitet werden. Das Fernabsatzgesetz schreibe nämlich eine detaillierte Aufklärung des Verbrauchers über Produkteigenschaften für alle Websites und Kataloge vor. Käufer müssen danach vor der Bestellung genauestens über die Kauf- und Lieferbedingungen informiert werden. Dies gilt auch für Online-Auktionsplattformen. Selbst unentgeltliche Verträge, wie sie bei Anbietern kostenloser Dienste bestehen, unterliegen dieser Informationspflicht. Zudem ist vorgeschrieben, dass dem Verbraucher bei jeder Bestellung per Post, Telefax oder E-Mail eine Auftragsbestätigung mit den Eckdaten der Bestellung zu übersenden ist.
Das neue Fernabsatzgesetz beruht auf einer EU-Richtline. Die Regelung gilt europaweit und muss bis spätestens Anfang Juni in allen EU-Mitgliedsländern in nationales Recht umgesetzt werden.
Doch das Gesetz ist bisher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Die Leute haben zu Recht Sicherheitsbedenken bei Geldgeschäften im Internet“, sagt beispielsweise Hartmut Meixner. Das Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie das Medieninstitut der Universität Oxford haben auf einem Expertentreffen kürzlich weitere Faktoren zusammengetragen, die den Aufschwung des elektronischen Handels in Europa behindern. So verfügt noch immer ein geringer Anteil der europäischen Bevölkerung über den Zugang zu Informationsnetzen und -diensten. „In Deutschland sind derzeit erst 14 % der Gesamtbevölkerung online“, kritisierte Prof. Bernd Holznagel vom ITM auf dem Kongress in Münster. Dementsprechend wenige Menschen erhalten demnach auch die nötige Ausbildung, um die neuen Techniken bedienen zu können. Eine Bildungs-Schere droht. Diejenigen, die bereits über einen Internet-Zugang verfügen, müssen jedoch noch zu viel Geld für die Dienste bezahlen, bemängelten Wissenschaftler und Medienschaffende. Die hohen Kosten würden den Massenkonsum noch immer behindern, warnte Holznagel. G. KRAUSE/ S. ZELL
Geprüfte Sicherheit, z. B. durch das Qualitätssiegel des Europäischen Handelsinstituts (EHI), ist bisher im Internet für Kunden noch selten zu finden.
Den virtuellen Handschlag bei einem Kauf im Internet macht das neue Fernabsatzgesetz für Verbraucher nun deutlich sicherer.

Von G. Krause/S. Zell

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