Stiftungen

Unternehmensstiftung: Nachfolgeregelung nach Maß möglich  

Unternehmen über Generationen in Familienbesitz zu halten, gelingt nur selten. Für Gründer, die ihr Lebenswerk sichern möchten, bieten sich Stiftungen als Alternative an. Doch solche Lösungen gelten als starr. Zu Unrecht. Christian Opelt, Wealth Manager bei Reuschel & Co. Privatbankiers, räumt im Folgenden mit einigen Vorurteilen auf. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 1. 10, ps

Als Instrument der Unternehmensnachfolge werden Stiftungen in Deutschland bislang nur selten genutzt – und das, obwohl Schätzungen zufolge hierzulande jährlich 6000 Familienunternehmen mangels Nachfolger schließen müssen. Auch wenn die Zahl der Unternehmensstiftungen in den vergangenen Jahren auf über tausend gestiegen ist, halten sich hartnäckig viele Vorurteile:

Vorurteil 1: Es gibt nur „die“ Stiftung.

Falsch! Eine Verbindung von Unternehmen und Stiftung kann sehr unterschiedlich gestaltet werden. Nicht durchgesetzt hat sich die Unternehmensträgerstiftung, bei der Stiftung und Familienunternehmen eine Einheit bilden.

Erfolgreicher ist die Beteiligungsstiftung: Sie hält als Allein-, Mehrheits- oder Minderheitsgesellschafterin Unternehmensanteile und ist Gesellschafterin einer Personen- oder Kapitalgesellschaft. Dabei lassen sich Stiftungen mit allen anderen Rechtsformen kombinieren. So ist beispielsweise auch eine „Stiftung & Co. KG“ möglich.

Alternativ können Anteile an einem Unternehmen auch auf eine Doppelstiftung übertragen werden, die sich aus einer (gemeinnützigen) Stiftung sowie einer (nicht gemeinnützigen) Familienstiftung zusammensetzt. Wie viele Anteile dabei auf die Familienstiftung übergehen, bemisst sich danach, in welchem Umfang Familienmitglieder unterstützt werden sollen. In der Regel wird eine Lösung gewählt, bei der die Familienstiftung über die Stimmrechte verfügt, jedoch nur über einen vergleichsweise geringen Kapitalanteil.

Vorurteil 2: Stiftungen sind unflexibel.

Keineswegs. Bei der Satzung einer Stiftung gibt es weiten Gestaltungsspielraum. Wer diesen sinnvoll nutzt, kann sich mit einer Stiftung – allein oder in Kombination mit anderen Rechtsformen – eine absolut individuelle gesellschaftsrechtliche Lösung schneidern lassen, eine Nachfolgeregelung nach Maß. Wenn das Stiftungskapital erbracht ist, Satzung und Stiftungszweck festgelegt sind, können Änderungen der Zwecksetzung oder der Vermögensbindung allerdings nur noch sehr begrenzt vorgenommen werden.

Um das Anpassen der Unternehmensstiftung an neue Marktanforderungen nicht zu erschweren oder gar unmöglich zu machen, sollte man den Stiftungszweck deshalb nicht allzu eng fassen. Zudem ist es ratsam, eine Änderung des Unternehmensgegenstandes oder einen Formwechsel zur Kapitalbeschaffung in der Satzung nicht grundsätzlich auszuschließen.

Ebenso wie beim Übertragen eines Unternehmens innerhalb der Familie empfiehlt es sich, auch eine Stiftung bereits zu Lebzeiten zu errichten. Nur so sind Stifter in der Lage, die laufende und künftige Stiftungsarbeit durch ihre persönlichen Ziele und ihr Vorbild zu prägen.

Vorurteil 3: Stiftungen behindern die Unternehmensentwicklung.

Nein, bei einer Unternehmensstiftung lassen sich die Interessen von Stiftung und Firma so aufeinander abstimmen, dass beide zu ihrem Recht kommen: Das Unternehmen kann erforderliche Investitionen tätigen und die Stiftung erhält ausreichende Erträge, um ihren gemeinnützigen Zweck zu erfüllen.

Hält man Besitz (in der Stiftung) und unternehmerische Tätigkeit (beispielsweise in einer AG) voneinander getrennt, bleiben auch Maßnahmen zur Kapitalbeschaffung möglich. So kann etwa Eigenkapital durch die Aufnahme neuer Aktionäre bzw. Gesellschafter zugeführt werden, börsennotierte Tochtergesellschaften gegründet oder beispielsweise über eine Anleihe Fremdkapital aufgenommen werden.

Vorurteil 4: Stiftungen verursachen Familienstreit.

Stiftungen lösen selten Konflikte aus. Viel häufiger beugen sie ihnen vor. In eine Stiftungskonstruktion eingebrachte Unternehmen leisten nämlich beides: Sie bleiben als Gesamtwert erhalten und unterstützen die Stifterfamilie. Eine Stiftung als „Testamentsvollstreckung auf Ewigkeit“ schafft Klarheit und Transparenz. Der Unternehmer und Erblasser gibt dabei einen Rahmen vor, an den sich die Familie zu halten hat.

Diesen Weg hat vor einigen Monaten auch die Familie von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewählt: Die Guttenbergs übertrugen ihr Stammschloss samt Inventar und Forstbetrieben auf eine Stiftung – um auch im Fall von Erbschaftsstreitigkeiten den Kern des Vermögens zu erhalten.

Eine Vererbung hingegen schafft nicht selten Probleme. Dies gilt vor allem, wenn das Unternehmen den Großteil der Erbschaft ausmacht und nicht genug Privatvermögen vorhanden ist, um einen Ausgleich zu ermöglichen. Unternehmensnachfolgern werden in solchen Fällen meist Mehrstimmrechte eingeräumt. Gerade diese Lösung birgt Konfliktpotenzial, denn hier wird die Ungleichbehandlung offenkundig.

Vorurteil 5: Finanzamt und Stiftungsaufsicht üben Druck aus.

Das mag früher so gewesen sein. Heute hat sich die von manchem gefürchtete Stiftungsaufsicht vielerorts zum wirtschaftsfreundlichen Sparringspartner entwickelt. Der Gesetzgeber hat die Notwendigkeit erkannt, durch ein liberalisiertes Stiftungsrecht Unternehmenskontinuität zu fördern. So zeigen die Aufsichtsbehörden heute eine größere Bereitschaft, wirtschaftliche Stiftungen zu unterstützen. Bei Kontrolle und Weisungen halten sie sich eher zurück.

Fazit: Bei Gründung einer Unternehmensstiftung besteht die Herausforderung darin, sowohl dem Unternehmen als auch der Stiftung ein wirtschaftlich sinnvolles Maß an Einfluss zu gewähren. Steuerliche Mehrbelastung muss vermieden werden, durch Good Governance die Unabhängigkeit beider Seiten gewahrt bleiben. Wenn dies gelingt, wird die Unternehmensstiftung zur absolut sinnvollen Nachfolgekonstruktion für Firmeninhaber. CHRISTIAN OPELT

In der kommenden Ausgabe beschäftigen sich die VDI nachrichten abermals mit dem Thema Stiftungen. Wir stellen einen Unternehmer vor, der seine Nachfolge über eine Stiftung gelöst hat.

Von Christian Opelt

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