Arbeitsrecht

Telekom will fast wie Opel sein

Politiker und Ökonomen fordern die Verlängerung der Arbeitszeit. Einige Unter- nehmen wollen, dass die Beschäftigten ohne Lohnausgleich kürzer arbeiten. Bei Opel in Rüsselsheim ist das seit Dienstag beschlossene Sache. Andere wie der Energiekonzern EnBW und Telekom wollen folgen.

Dienstag hatte Opel-Chef Carl-Peter Forster sein Ziel erreicht. Betriebsrat und Geschäftsleitung präsentierten der Öffentlichkeit ein neues Arbeitszeitmodell mit dem klingenden Namen „30 plus“, das vorerst nur im Stammwerk Rüsselsheim eingesetzt werden soll und laut Betriebsrat den Erhalt von 1200 Arbeitsplätzen sichert. Forster wollte im Stammwerk eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich durchsetzen, um die schwierige Geschäftslage abzufangen. Das Modell ist ein System aus Verringerung und Verlängerung von Arbeitszeit und bringt Opel nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag ein, der es dem Automobilhersteller nach Angaben des Opel-Vorstandes ermöglicht, seine wirtschaftlichen Ziele „auch in einem schwierigen Marktumfeld zu erreichen“. „Bei einem Anspringen der Konjunktur erlaubt uns das Modell ““““30 plus““““, flexibel auf eine Marktbelebung zu reagieren“, jubelte Forster.
Am Standort Rüsselsheim sind rund 21 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Bis zu 5500 Beschäftigte in der dortigen Fertigung werden ab dem 10. November pro Woche im Durchschnitt statt wie bisher 35 nur 30 Stunden arbeiten. Zunächst sind etwa 3500 Arbeitnehmer in den Bereichen Teilefertigung, Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage betroffen. Diese 30-Stunden-Woche wird durch die Einführung einer fünfstündigen Nachtschicht an vier Wochentagen erreicht. Jeder Betroffene arbeitet im wöchentlichen Wechsel 35 Stunden Früh-, 35 Stunden Spät-, und 20 Stunden Nachtschicht. Die betroffenen Arbeitnehmer erhalten das Entgelt für faktisch 32,6 Stunden. Es ergibt sich dadurch im Schnitt in etwa ein Lohnverlust von 85 ‹. Daher soll das Urlaubsgeld für das Jahr 2004 auf die zwölf Monate des Jahres verteilt und mit dem regulären Entgelt ausgezahlt werden. Aus Solidarität arbeiten die Beschäftigten in Forschung, Entwicklung und Verwaltung pro Tag zehn Minuten länger, was pro Monat zu einer ungezahlten Mehrarbeit von rund drei Stunden führt. Die am Standort Rüsselsheim tätigen rund 700 Opel-Führungskräfte verzichten auf zwei Urlaubstage.
Konzernsprecher Rüdiger Assion meinte denn auch, es handele sich bei „30 plus“ um ein „Solidarmodell“. Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, zeigte sich in der Öffentlichkeit zufrieden mit dem neuen Modell. Die Verkürzung der Arbeitszeit gehöre in konjunkturellen Krisen zu den üblichen Instrumenten. „Das fällt unseren Mitgliedern nicht einfach, weil das mit Entgeltverlusten verbunden ist.“ Der Erhalt des Arbeitsplatzes werde aber von den Beschäftigten als überragendes Ziel anerkannt, erklärte Huber.
Schwierig dürften auch die Verhandlungen zwischen Telekom und ver.di werden: Personalvorstand Heinz Klinkhammer ließ in der vergangenen Woche keinen Zweifel daran, dass er eine Arbeitszeitverkürzung von 10 % für die 100 000 Beschäftigten im Inland erreichen will – ohne Lohnausgleich. Damit geht Klinkhammer in die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di, für die die Vorgespräche in diesem Monat beginnen. Und er holt eine große Keule heraus, die den „Beschäftigungspakt Telekom“, der noch andere Maßnahmen birgt, für die Gewerkschaft verhandelbar machen soll: „Wir kämen mit 10 000 Mitarbeitern weniger gut aus.“ Von der geforderten Arbeitszeitverkürzung verspricht sich der Telekom-Vorstand Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe. Zudem fordert er eine moderate Lohnrunde für 2004 und gab an, dass die Zahl der Lehrstellen von zurzeit 4000 deutlich gesenkt werden soll. Auszubildende sollen nach Abschluss auch nicht mehr garantiert ein Jahr beschäftigt, sondern nur noch die 10 % Besten eines Jahrgangs fest übernommen werden.
Auch bei der in die Schlagzeilen gekommenen Personalservice-Agentur, kürzlich umgenannt in Vivento, soll es Veränderungen geben. In diese Gesellschaft schickt die Telekom Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden. Zurzeit sind laut Telekom 9500 Beschäftigte geparkt, davon erhalten laut Klinkhammer 5900 ihre einstigen Bezüge, obwohl sie nicht arbeiten, die anderen sind in Weiterbildungen oder innerhalb oder außerhalb der Telekom als Zeitarbeit-Dienstleister tätig. Klinkhammer will nun eine differenzierte Bezahlung der Beschäftigten in Vivento erreichen. Er verwies darauf, dass Ende 2004 der Tarifvertrag ausläuft, wonach die Telekom keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen darf und er sei zuversichtlich, dass ver.di dem Programm zustimme, um Kündigungen auch nach 2004 auszuschließen. ver.di hat allerdings bereits signalisiert, dass die Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich mit der Gewerkschaft nicht zu machen ist: „Völlig indiskutabel“ hieß es aus Berlin. „Es ist der Gipfel der Zumutung, die Beschäftigten die Zeche für Managementfehler und Versäumnisse zahlen zu lassen“ erklärte ver.di-Vize Franz Treml. C. HANTROP/ap

Von C. Hantrop/Ap

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