Recht 19.02.1999, 17:20 Uhr

Steuern: Nur ja nichts verschenken

Viele Arbeitnehmer verzichten darauf einen Lohnsteuerjahresausgleich zu erstellen. Der Finanzminister reibt sich die Hände. Rund 1 Mrd. DM wurden ihm auf diese Weise im letzten Jahr geschenkt.

Viele Arbeitnehmer sind zu einer Steuererklärung verpflichtet: „Wer 1998 außer Lohn eine zeitlang Arbeitslosengeld erhielt, wer mehrere Arbeitgeber, mit seinem Ehegatten eine getrennte Veranlagung beantragt hatte oder etwa über einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte verfügt, muß die Erklärung abgeben“, sagt Hildegard Pich, Referatsleiterin für Abgabenordnung im Düsseldorfer Finanzministerium
Ratsam, die Erklärung abzugeben, ist es nach ihren Worten in folgenden Fällen: Bei Arbeitnehmern, die im Lauf des letzten Jahres unterschiedliche Monatslöhne bezogen, Werbungskosten von über 2000 DM hatten, oder denen hohe Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen entstanden, z.B. für Unterhaltszahlungen oder hohe Krankheitskosten. Auch wer im letzten Jahr geheiratet oder ein Kind bekommen hat, sollte die Arbeit mit der Steuererklärung nicht scheuen.
Viele, die ihre Einkommensteuer-Erklärung selbst aufstellen, machen sich allerdings unnötige Mühe. So ist es oft zwecklos, die einzelnen Beiträge für Lebens-, Haftpflicht oder Unfallversicherung aufzuführen: Diese Vorsorge-Aufwendungen sind nur bis zu bestimmten Höhen absetzbar. Meistens decken schon die Pflichtbeiträge zur Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung die ausschöpfbaren Beträge ab.
Die maximalen Vorsorgeaufwendungen liegen zum Beispiel bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit 75 000 DM Einkommen bei 10 440 DM. Auch bei den „außergewöhnlichen Belastungen“ reicht es häufig, die Pauschalen in Anspruch zu nehmen, statt die einzelnen Posten detailliert aufzulisten.
Wer den Kampf mit den Formularen nicht selbst aufnehmen will, kann sich z.B. an einen der etwa 600 deutschen Lohnsteuerhilfe-Vereine wenden und für 50 DM bis 400 DM die Steuererklärung anfertigen lassen. Die Vereine nehmen nur Mitglieder auf, die keine Zusatzeinkünfte aus selbständiger Arbeit oder aus Mieteinnahmen beziehen.
Manche Vereine versuchen allerdings, den Steuerpflichtigen eine Lebensversicherung oder ähnliches anzudrehen. Verzichten sollte man auf das Angebot der Lohnsteuerhilfevereine, die Steuererstattung bereits im voraus auszubezahlen. Denn bei den Zinsen für diese Vorauszahlung wird oft kräftig abgesahnt. Also: Besser auf die Erstattung durch das Finanzamt selbst warten.
Steuerberater berechnen für eine Einkommensteuererklärung zwischen gut 100 DM und etwa 700 DM. Die Höhe richtet sich nicht danach, wieviel das Finanzamt zurückzahlt. Entscheidend ist die Steuerberater-Gebührenordnung. Sie schreibt vor, daß die Rechnung berücksichtigen muß, wie schwierig, umfangreich und bedeutend die Arbeit war. Zusatzleistungen, etwa Beratungen zu Abschreibungsprojekten oder ähnliches, sind extra zu bezahlen. Ein Trost: Die Rechnung des Steuerberaters für 1998 ist bei der Steuererklärung für das nächste Jahr abzusetzen.
Beim Ausfüllen sollte man ehrlich bleiben. „Kreative Buchhaltung“ ist zwar nicht in jedem Fall strafbar. Meist besteht das Finanzamt nur auf einer Steuernachzahlung. Für die sind jedoch 6 % Zinsen fällig. Und wer einmal bei falschen Angaben ertappt wird, hat in Zukunft mit wenig Entgegenkommen zu rechnen.
Hilfe beim Ausfüllen der Formulare bieten mittlerweile eine ganze Reihe von Ratgeber-Büchern, die oft jedes Jahr neu erscheinen. Und Computerprogramme drucken, an einen Farbdrucker angeschlossen, sogar die fertigen Bögen aus.
Ob sie Zeit sparen helfen, ist zweifelhaft: Schon das Einarbeiten in die Programme ist ein gehöriger Aufwand. Ohne Farbdrucker, nur in schwarz-weiß, entsprechen die Bögen aus dem Computer zudem nicht den Originalen. Manches Finanzamt stört sich daran und verweigert die Bearbeitung. „Das ist doch Amtsschimmel hoch drei, nur wegen der Farbe eine Steuererklärung abzulehnen“, beschwert sich Susanne Theisen, Pressesprecherin des Bundes der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen.
JÖRG WEBER
Der Formularkrieg mit dem Finanzamt ist den meisten Deutschen ein Graus. Doch wer den Kampf aufnimmt, wird in der Regel belohnt.

Ein Beitrag von:

  • Jörg Weber

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