Einkommensteuer

Steuererklärung 2010: Sparen mit dem Arbeitszimmer wieder möglich

90 % der Arbeitnehmer bekommen Geld zurück, wenn sie eine Steuererklärung für das vorangegangene Jahr abgeben. 800 € beträgt die Erstattung im Schnitt. Dafür lohnt sich der Formularkrieg. Für 2010 sind dabei einige Neuerungen zu beachten, die dem Steuerzahler Vorteile bringen.

Nein, auf dem Bierdeckel ist die Steuererklärung auch für 2010 nicht machbar. Zwar hat der Gesetzgeber einige Erleichterungen für die Steuerbürger beschlossen, doch einfacher wird die Erklärung dadurch nicht. Mit Unterstützung von Detlev Samagga, Steuerberater und Partner der Sozietät Hübner, Samagga und Kollegen, haben wir die Änderungen unter die Lupe genommen:

Arbeitszimmer: Das Bundesverfassungsgericht hat dafür gesorgt, dass die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer wieder die Steuerlast senken dürfen – auch wenn der Raum nicht Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist. Wichtig ist nur, dass der Steuerzahler das Arbeitszimmer benötigt, weil für die dort erledigten Aufgaben woanders kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Das betrifft z. B. viele Außendienstler. Das Finanzamt muss nun wieder anteilige Miet-, Heiz- und Renovierungskosten bis zur Höhe von 1250 € anerkennen – und zwar rückwirkend ab 2007, soweit diese Steuerbescheide noch offen sind.

„Als Nachweis genügen ein Grundriss der Wohnung, in dem das Arbeitszimmer markiert ist und die Aufschlüsselung der Kosten“, erklärt Steuerberater Samagga. „Einrichtung und Arbeitsmittel sind übrigens nicht gedeckelt. Diese sind zusätzlich sofort abzugsfähig oder werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben.“

Das Thema Arbeitszimmer wird die Gerichte aber wohl weiterhin beschäftigen. Dann nämlich, wenn der Nutzer die Raumkosten komplett absetzen möchte. Dazu muss das Arbeitszimmer Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit sein. Hieß das bisher, dass der Steuerzahler mehr als 50 % seiner Aufgaben zuhause erledigen musste, ist jetzt vom „qualitativen Schwerpunkt“ der beruflichen Tätigkeit die Rede. „Das muss der Fiskus im Einzelfall entscheiden“, so Samagga.

Versicherungen/Vorsorge: Hier wird es komplizierter. Ab 2010 sind die Beiträge für die Basisversorgung in der Kranken- und in der Pflegeversicherung (KV/PV) in vollem Umfang als Sonderausgaben abzugsfähig. Für gesetzlich Versicherte geht es dabei um einen Betrag bis zu rund 3500 € je angestellt arbeitenden Ehegatten.

Privat Versicherte können zudem die Beiträge für den selbst versicherten Ehepartner und die Kinder geltend machen. Die Versicherungen bestätigen auf Anforderung, welcher Anteil des Beitrags die Grundversorgung absichert.

Auf der anderen Seite werden aber Beiträge zu Haftpflicht- oder Arbeitslosenversicherung nur noch dann als Sonderausgaben berücksichtigt, wenn sie zusammen mit den KV- und PV-Beiträgen 1900 € (Angestellte) bzw. 2800 € (Selbstständige) nicht übersteigen.

„Tendenziell stehen die meisten Bürger trotzdem besser da als früher“, glaubt Detlev Samagga. „Außerdem sieht der Gesetzgeber nun eine so genannte Günstigerprüfung vor. Sind für den Steuerzahler die Regeln günstiger, die vor 2005 bzw. bis 2009 galten, werden diese angewendet“, erläutert der Gelsenkirchener.

Zusätzlich wirkt noch die Altersvorsorge steuermindernd: 70 % der Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zur so genannten Rürup-Rente können 2010 geltend gemacht werden.

Erstattungszinsen: Zahlt der Fiskus Steuern spät zurück, muss er die Erstattung ab dem 16. Monat nach dem Veranlagungszeitraum verzinsen. Bekommt ein Bürger z. B. am 1. Juli 2011 die Steuererstattung für 2009, hat er Anspruch auf Zinsen für zwei Monate. Laut Bundesfinanzhof sollten diese Zinsen steuerfrei bleiben.

Das Jahressteuergesetz 2010 hingegen verlangt die Besteuerung der Zinsen als Kapitaleinkünfte – auch rückwirkend. „Da kann es um höhere Beträge gehen“, weiß Samagga. „Wenn z. B. Steuerbescheide aufgrund eines Einspruchs mehrere Jahre offen blieben, wenn nach einer Betriebsprüfung frühere Bescheide korrigiert werden, oder schlicht, wenn die Erklärung sehr spät abgegeben und im Finanzamt spät bearbeitet wurde.“ Dazu gibt es nun einen neuen Musterprozess (BFH VIII R 1/11).

Investitionskostenabzug: Seit 2007 können Steuerpflichtige für die künftige Anschaffung eines Wirtschaftsguts des Anlagevermögens einen Investitionsabzugsbetrag von bis zu 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bilden und gewinnmindernd abziehen. Doch die Investition muss dann auch innerhalb der drei darauffolgenden Jahre getätigt werden. Sonst müssen die Steuern für das Jahr nachgezahlt werden, in dem der Abzug geltend gemacht wurde.

Zusätzlich verlangt der Fiskus aber auch Nachzahlungszinsen – und zwar ab dem 16. Monat nach Ende des Veranlagungszeitraums der Bildung. Hat der Steuerzahler eine 2007 gebildete Investitionsrücklage Ende 2010 aufgelöst, müsste er die Steuernachzahlung also ab dem 1. April 2009 verzinsen.

„Es gibt hinsichtlich des Beginns der Verzinsung aber ein Verfahren (Aktenzeichen 1 K 266/10) beim Finanzgericht Niedersachsen“, stellt Samagga heraus. Die Kläger wollen erreichen, dass die Verzinsung erst später beginnt. MARTIN VOLMER

Von Martin Volmer

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