Arbeitsrecht

Spielregeln für Mitarbeiter einführen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 4. 08, cha – Das Web bietet neue Welten. Web 2.0 ist so eine. Hier können Leute miteinander kommunizieren, in Blogs der Welt mitteilen, was sie so denken und vom Leben erwarten oder sonstige Dinge. Auch Unternehmen setzen zunehmend auf solche Kommunikationsmittel. Damit weder das Unternehmen noch der Arbeitnehmer in die Bredouille kommen, sollten Vereinbarungen zum Umgang mit den Instrumenten des Web 2.0 getroffen werden.

Online-Tagebücher, („Blogs“), Wikis und Online-Tauschbörsen verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit. Diese neuen Internettechniken und -dienste, die man unter der Überschrift „Web 2.0“ zusammenfasst, sollen den Austausch von Informationen im Netz erleichtern. Internetnutzer werden so zu aktiven Mitgestaltern (so genannter „user generated content“), das Internet selbst wird zum Mitmach-Medium.

Auch Unternehmen sehen zunehmend die Vorteile und setzen die neuen interaktiven Kommunikationsformen im Web 2.0 als Mittel der gezielten Unternehmens- und Markenkommunikation ein.

Dass für Unternehmen im Web 2.0 allerdings auch Gefahren lauern, liegt auf der Hand. Quelle dieser Gefahren sind nicht selten die eigenen Mitarbeiter. Beispielsweise, wenn sich in einem von einer Gewerkschaft eigens eingerichteten Blog „Schwarzbuch XXX“ Beschäftigte anonym über die Arbeitsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber beschweren. Oder wenn ein frustrierter Arbeitnehmer auf „chefduzen.de“, dem „Forum der Ausgebeuteten“, unter einem Decknamen einen eigenen Chat eröffnet, in dem er sein Unternehmen angreift, den Geschäftsführer persönlich beleidigt und Kollegen aufruft, in seinem Forum mitzudiskutieren.

Für Unternehmen bestehen – unabhängig von der gewählten Plattform (extern oder intern) – typischerweise immer dieselben Risiken. So etwa, wenn der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit unerlaubt vom eigenen Arbeitsplatz „bloggt“, vernachlässigt er seine Arbeitspflicht in zeitlicher oder inhaltlicher Hinsicht.

Auch besteht die Gefahr der Offenbarung marktrelevanter Unternehmensinterna – bis hin zum Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Drohungen, Beleidigungen, ehrenrührige Aussagen und falsche Behauptungen über Kollegen oder das Unternehmen selbst „runden“ das Risikopotenzial ab.

Um solchen Verstößen bereits im Ansatz entgegenzuwirken, ist es zweckmäßig, den Arbeitnehmern gegenüber klare Grenzen zu setzen und diese deutlich kommunizieren. Dies kann über Regelungen im Arbeitsvertrag, konkrete Hinweise an betroffene Arbeitnehmer bis hin zur Entwicklung von Blogging-Richtlinien – in Abstimmung mit dem Betriebsrat – geschehen. Gerade mit Blogging-Richtlinien können für beide Seiten sinnvolle Verhaltensstandards bei Nutzung der Möglichkeiten des Web 2.0 gesetzt werden. Einmal dienen auf diesem Wege eingeführte Standards der Absicherung des Unternehmens, weil die – für Mitarbeiter oft nicht nachvollziehbaren – Risiken adressiert werden. Andererseits auch als Hilfestellung für die Mitarbeiter, damit diese die geltenden Standards kennen und sich korrekt verhalten können.

Bei der Formulierung solcher Blogging-Richtlinien ist aber Vorsicht geboten. Denn keinesfalls sollten die Vorgaben etwa aus Angst vor Kontrollverlust zu restriktiv sein. Denn das Unternehmen will mit den Mitteln des Web 2.0 auch bestimmte Ziele erreichen: Vernetzung der Mitarbeiter, Förderung der hierarchiefreien Kommunikation, höhere Identifikation mit dem eigenen Unternehmen.

Kommt es dennoch zu Verstößen und will ein Unternehmen gegen solche Verstöße einschreiten, stellt sich die Frage nach den arbeitsrechtlichen Möglichkeiten. Das Instrumentarium dafür ist bekannt: Es reicht – je nach Schwere und Ausmaß eines Verstoßes – von der Ermahnung über die Abmahnung bis hin zu einer außerordentlichen verhaltensbedingten Beendigungskündigung.

Fazit: Das Web 2.0 birgt auch Risiken. Um diese in den Griff zu kriegen, sollte man besonderen Wert auf Prävention legen. Unternehmen, die die Vorteile des Corporate Blogging nutzen wollen, ist die Einführung von Blogging-Richtlinien zu empfehlen. ANDREAS EGE

Der Autor ist Rechtsanwalt der

internationalen Sozietät Lovells LLP,

Büro München.

Von Andreas Ege

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