Arbeitsrecht

„Schlechte Erfahrung mit Einmalzahlung“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 4. 07, has – Einigen Funktionären von Gesamtmetall sei die Ideologie wichtiger als die Praktikabilität im Betrieb, kritisiert Hartmut Meine, IG-Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, den Arbeitgeberverband mit Blick auf die umstrittenen Einmalzahlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Um den Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt zu verringern, schlägt er einen Stipendien-Tarifvertrag für Ingenieure vor.

Meine: Die Priorität der IG Metall liegt eindeutig in einer nachhaltigen Lohnerhöhung, die in die Tabelle eingeht. Einmalzahlungen würden nur für die Laufzeit des Tarifvertrages gezahlt und nicht dauerhaft wirken.

VDI nachrichten: Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen signalisiert den Arbeitgebern Entgegenkommen bei Einmalzahlungen. Weiß die IG Metall nicht, was sie will?

Meine: Die IG Metall hat in allen Tarifbezirken ausschließlich eine dauerhaft wirksame Lohnerhöhung von 6,5 % gefordert. Wir haben in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit den flexiblen Einmalzahlungen, wie sie im vergangenen Jahr vereinbart wurden, sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

VDI nachrichten: Inwiefern?

Meine: Der Einmalbetrag von 310 € konnte schwanken zwischen 0 € und 620 €. Im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben 84 % der Firmen von der Flexibilisierung keinen Gebrauch gemacht und 310 € gezahlt. Daher sehe ich keine Notwendigkeit für flexible Einmalzahlungen.

VDI nachrichten: Wenn die flexiblen Einmalzahlungen nicht ausgeschöpft wurden, heißt das ja nicht, dass Arbeitgeber Einmalzahlungen grundsätzlich ablehnen.

Meine: Nach meinem Eindruck hält sich auf Arbeitgeberseite die Begeisterung für solche Differenzierungen in Grenzen. Viele wollen mit einem Tarifvertrag eine abschließende Regelung.

VDI nachrichten: Nach Ansicht von Gesamtmetall kommt diese Flexibilisierung den Interessen der Betriebe entgegen.

Meine: Ich sehe einen Unterschied zwischen der ordnungspolitischen Linie von Gesamtmetall und den Praktikern vor Ort. Einigen Funktionären ist die Ideologie wichtiger als die Praktikabilität im Betrieb. Viele Arbeitgeber und Personalleiter wollen nach einer Tarifrunde keinen weiteren Tarifkonflikt im Betrieb.

VDI nachrichten: Die Arbeitgeber wollen langfristig das Weihnachtsgeld flexibilisieren. Das hatte auch schon Jürgen Peters vorgeschlagen. Warum sperren Sie sich jetzt dagegen?

Meine: Die Idee von Peters war, das Weihnachtsgeld ertragsabhängig zu erhöhen. Nach dem Vorschlag der Arbeitgeber, der jetzt auf dem Tisch liegt, soll es um bis zu 15 % gesenkt werden können…

VDI nachrichten: … es soll aber auch um 15 % angehoben werden können.

Meine: Ich rechne damit, dass in den meisten Fällen versucht würde, die Tariferhöhung auf betrieblicher Ebene wieder zu senken. Auch Anträge auf die Erhöhung der Einmalzahlung wurden im vergangenen Jahr, trotz guter Zahlen, von vielen Unternehmen abgelehnt. Eine Reduzierung des Weihnachtsgeldes um 15 % entspricht, auf den Monat umgerechnet, einem Prozentpunkt. Die von den Arbeitgebern angebotene Lohnerhöhung von 2,5 %, könnte so auf 1,5 % plus Einmalbetrag sinken. Das wäre ein Konjunkturmalus und kein Konjunkturbonus, den die Arbeitgeber in Aussicht gestellt hatten.

VDI nachrichten: In Sachsen-Anhalt verhandeln Sie nicht nur über das Entgelt, Sie wollen mit den Arbeitgebern auch eine Initiative gegen Fachkräftemangel auf die Beine stellen. Worum geht es dabei?

Meine: Um die Schaffung von betrieblichen Ausbildungsplätzen, zusätzlichen ausbildungsorientierten dualen Studiengängen und einen Stipendien-Tarifvertrag für Ingenieure. In Sachsen-Anhalt kommen, wie in anderen ostdeutschen Bundesländern, zwei Dinge zusammen: der drastische Rückgang von Schulabgängern und die Abwanderung. Wir haben die Fachkräfteinitiative für Sachsen-Anhalt gestartet, weil es dort hervorragende Hochschulen gibt, aber viele Ingenieure schon vor ihrem Abschluss einen Vertrag mit einem westdeutschen Unternehmen in der Tasche haben. Unsere Initiative soll einen Anreiz bieten, dass Absolventen in Sachsen-Anhalt bleiben und dort als Ingenieure arbeiten.

VDI nachrichten: Was sind die Gründe für die Abwanderung?

Meine: Fehlende Perspektiven waren lange Zeit ein Problem. Wir beobachten aber seit geraumer Zeit, dass es in bestimmten Branchen wieder nach vorne geht, wenn sich Firmen restrukturiert haben und erfolgreich sind. Diese Firmen berichten uns, dass sie Probleme haben, Ingenieure zu finden.

VDI nachrichten: Können Unternehmen in Sachsen-Anhalt bei der Bezahlung mit westdeutschen Firmen konkurrieren?

Meine: Das Einkommensniveau im Westen ist höher als im Osten. Gute Ingenieure gibt“s aber nur bei guter Bezahlung. Wir appellieren an die Unternehmen in Sachsen-Anhalt, aus eigenem Interesse am Tarifvertrag festzuhalten und einen Stipendien-Tarifvertrag für Ingenieure abzuschließen.

VDI nachrichten: Haben Sie darüber schon mit Arbeitgebern gesprochen?

Meine: Der Arbeitgeberverband sagt, diese Initiative sei richtig, die IG Metall treffe die richtigen Punkte. Allerdings tun sie sich schwer, eine solche Initiative in einen Tarifvertrag zu fassen. Wir wollen diese Gespräche aber fortführen, mit Arbeitgebern wie mit Landespolitikern.

VDI nachrichten: Mit ihrer Initiative wollen Sie auch Leiharbeit eindämmen. Ist das realistisch?

Meine: In dieser Sondersituation in Sachsen-Anhalt ist das realistisch. Es geht, anders als im Westen, darum, eine kompetente Kernmannschaft zu finden, die langfristig das Kerngeschäft des Unternehmens betreibt.

HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger

Top Stellenangebote

VGH Versicherungen-Firmenlogo
VGH Versicherungen Trainee Ingenieur für Umweltschutz / Umweltschutztechnik (m/w/d) Hannover
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart Professur (W2) im Studiengang Elektrotechnik Stuttgart
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Mechatronische Systeme (W2) Merseburg
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach Professur für Mechatronik (m/w/d) Mosbach
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach Lehrbeauftragter (m/w/d) Mosbach, Bad Mergentheim
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Fertigungstechnik (W2) Merseburg
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)-Firmenlogo
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Leitung (w/m/d) der Hauptstelle Facility Management "Neubau" Berlin
Hochschule Schmalkalden-Firmenlogo
Hochschule Schmalkalden Professur (W2) für Elektrotechnik Schmalkalden
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft W2-Professur "Automatisierungstechnik in der Fertigung" Aalen
Hochschule Ravensburg-Weingarten-Firmenlogo
Hochschule Ravensburg-Weingarten Professur (W2) Fertigungstechnik Weingarten
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsrec…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.