Recht

Risiko durch Haftungsklagen steigt  

Die Haftpflichtrisiken mitteleuropäischer Unternehmen werden stark vom Ausmaß ihres US-Engagements geprägt. Jetzt macht eine Studie des Risiko- und Versicherungsmanagement-Konzerns Marsh auch in Europa vermehrte Risiken durch eine aufkommende Klagekultur aus. Vor allem deutsche Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und dem Maschinenbau sind der Studie zufolge für derartige Entwicklungen nicht so gut gerüstet wie ihre europäischen Nachbarn.

Export ist für viele Unternehmen überlebenswichtig insbesondere der Handel mit den USA ist für manche Firma inzwischen essentiell. Das Geschäft in Übersee kann aber auch Schattenseiten haben, vor allem dann, wenn das betroffene Unternehmen verklagt wird: US-Risiken bleiben daher der bestimmende Faktor in der Haftpflichtversicherung. Der Hintergrund: die Absicherung gegen die US-amerikanische Klagekultur und die dort gezahlten immens hohen Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche. Das ergab die Studie „Grenzen der Haftung in Europa 2004“ des Risikomanagement-Konzerns Marsh, der europaweit rund 2000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 30 Mio. € auf ihre Haftungsabsicherung untersucht hat. Europäische Firmen, die sich in den USA engagieren, versichern laut Studie 136 % höhere Haftungsrisiken als Unternehmen, die sich auf den europäischen Markt konzentrieren.

Die Marsh-Studie macht ähnliche Tendenzen auch in Europa aus aggressiv vorangetriebene Sammelklagen in Skandinavien seien der Anfang. In Deutschland ist eine vergleichbare Klageflut von Verbrauchern gegen Unternehmen noch nicht festzustellen. Dafür malt die Studie andere Horror-Szenarien aus: So sei das Thema Asbest mit Haftungsansprüchen der Geschädigten eine tickende Zeitbombe.

Auch die Produkthaftung dürfte in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle bei der Einschätzung von Haftpflichtrisiken spielen – sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch zunehmend in anderen Branchen. Ein Bericht, den die Rechtsberatung Lovells für die Europäische Kommission verfasst hat, bilanziert, dass die Zahl der Produkthaftungsklagen in den vergangenen zehn Jahren rasant in die Höhe geschnellt ist. Entsprechende EU-Richtlinien haben zu dieser Entwicklung ebenso beigetragen wie sensibilisierte Verbraucher und eine intensive Berichterstattung in den Medien. Die Anzahl der außergerichtlichen Vergleiche sei in dieser Zeit angestiegen, so der Lovells-Bericht, zudem mehrten sich für potenzielle Kläger die Anzeichen dafür, dass ein Gang vor Gericht Erfolg versprechend ist.

Auch auf Deutschland trifft diese Entwicklung zu, allerdings moderater, so die Ergebnisse der Studie. Außergerichtliche Vergleiche seien weiterhin die Regel und die von Gerichten zugesprochenen Summen für Schmerzensgeldforderungen nach wie vor begrenzt. Diese Tendenz bestätigt auch Jürgen Seiring, Geschäftsführer der VSMA-Versicherungsgruppe des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA): „Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist wie seine Abnehmer nicht sonderlich klagefreudig. In der Regel versuchen die Unternehmen, bei Problemen erst einmal eine gütliche Regelung mit den Kunden zu treffen. In der niedrigen Haftpflicht-Schadensquote spiegelt sich die verlässliche Qualität der Branche wider.“

Viele deutsche Unternehmen sehen, so die Marsh-Studie, denn auch eher den ausländischen Markt im Fokus der Haftpflichtabsicherung. Zudem ließe sich gerade bei kleinen Firmen ein Trend feststellen, höhere Risiken als bislang abzusichern. Sorgen bereitet den Marsh-Fachleuten die vergleichsweise moderate Haftpflichtabsicherung im produzierenden Gewerbe, im Maschinenbau und in der Elektroindustrie: Diese Gruppe, die in Deutschland 55 % der untersuchten Unternehmen ausmachte, kam im Schnitt auf eine Haftpflichtdeckungssumme von 20 Mio. €. Vergleichbare belgische Unternehmen kauften eine Deckungssumme von 45 Mio. € ein, französische Firmen sicherten sich sogar in Höhe von 53 Mio. € ab. „Der Maschinenbau und das produzierende Gewerbe sollten ihre Deckungssummen kritisch überprüfen“, rät Irene Hauschild, internatonale Haftpflichtexpertin bei Marsh. „Wenn der eigene Haftpflichtschutz nur halb so hoch ist, wie der eines vergleichbaren Unternehmens in einem Nachbarland, dann besteht aller Wahrscheinlichkeit nach eine ernste Deckungslücke.“

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hingegen lehnt solche pauschalen Aussagen ab: „Die rechtliche Struktur Deutschlands ist im Haftungsrecht vergleichbar mit der der Schweiz oder Österreichs, nicht jedoch Frankreichs oder Belgiens. Das Deckungssummen- und Bedingungsprofil einer Haftpflichtversicherung bestimmt sich nach dem Haftungssystem des Landes, in dem das Unternehmen ansässig ist, dem wirtschaftlichen Tätigkeitsprofil einschließlich der Exporte sowie dem Preis, den das Unternehmen bereit ist zu zahlen“, betont Stephan Schweda vom GDV.

Auch die Marsh-Fachleute räumen ein, dass es keine Zauberformel für die Absicherung des eigenen Haftungsrisikos gibt. Die Unternehmen müssten eine Reihe von individuellen Variablen berücksichtigen, wie mögliche Produktions- und Vertriebsstätten im Ausland – insbesondere in den USA -, die Möglichkeit, von Sammelklagen betroffen zu werden oder auch die Einrechnung von Inflationsraten in die Deckungssumme. Deshalb ist es für Unternehmen ratsam, die eigenen Risiken zu überprüfen. CONSTANZE HACKE

Von Constanze Hacke

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