Arbeitsrecht

Qualifizierte Kräfte bleiben länger im Job  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 2. 06, has – Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, für Arbeitgeber ist sie ein Weg, um den Anstieg der Beiträge zu vermeiden. Bei Renten nach beruflicher Belastung zu unterscheiden, würde zur Entkoppelung von Beiträgen und Leistung führen.

Nur rund 60 % aller Betriebe in Deutschland hatten 2004 mindestens einen Mitarbeiter im Alter von 50 und mehr Jahren beschäftigt, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Je größer ein Betrieb, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass dort Ältere beschäftigt sind. Und: Vor allem gering Qualifizierte scheiden vorzeitig aus dem Beruf aus.

Doch nur wenige Unternehmen bereiten sich auf den demografischen Wandel in den Betrieben vor und betreiben Alternsmanagement.

Der Automobilkonzern DaimlerChrysler hat ermittelt, dass das Durchschnittsalter der Mitarbeiter von derzeit 40 Jahren bis 2011 auf 45 Jahre steigen werde. Mit zunehmendem Alter sinke die Flexibilität der Mitarbeiter, der Krankenstand sei bei Mitarbeitern über 50 doppelt so hoch wie bei jüngeren, sagt Stefan Schwaab, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des DaimlerChrysler-Werks in Gaggenau. Der Konzern setzt auf ein Zeitrentenkonto, das eine variable Gestaltung des Übergangs in die Rente zulässt.

Auch bei VW wurde ein solches Modell diskutiert, doch die Akzeptanz war eher gering. Viele Beschäftigte bezweifelten den Nutzen, zehn Jahre lang mehr zu arbeiten, um dafür ein halbes Jahr früher in Rente gehen zu können, sagt Betriebsrat Heiko Spieker.

VW versuche, präventive Konzepte zu entwickeln. Spieker: „Über die zukünftige Leistungsfähigkeit einer immer älter werdenden VW-Belegschaft wird heute entschieden.“ Erste Erfahrungen im Umgang mit eingeschränkt einsetzbaren Mitarbeitern würden derzeit gesammelt.

Bei Ford liegt das Durchschnittsalter der Belegschaft bei 42 Jahren. 12,8 % sind zwischen 55 und 60 Jahren, 14 % 50 bis 55 Jahre und 35 % 35 bis 45 Jahre. Seit etwa drei Jahren geht Ford neue Wege bei der Arbeitsplatzsuche für gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeiter. Die Frage sei heute nicht mehr, welche Defizite ein Mitarbeiter habe, sondern was er noch leisten könne. Dazu werde versucht, das Fähigkeitsprofil in Übereinstimmung mit dem Arbeitsplatzprofil zu bringen, erklärte Betriebsrat Markus Gluch. In Gesprächen mit den Betroffenen klärt eine Kommission aus Ärzten, Personalabteilung und Betriebsrat, was dem Mitarbeiter zugemutet werden kann. Ziel sei es, die richtige Person am richtigen Arbeitsplatz einzusetzen. ses/has

Von Ses/Hartmut Steiger

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