Recht

Produktpiraterie am Pranger  

Jetzt hat das Museum Plagiarius seinen festen Sitz in Solingen. Gezeigt werden die Erzeugnisse von dreisten Produktpiraten. Besucher werden anschaulich über Ausmaß, Schäden und Gefahren durch Fälschungen und Kopien aufgeklärt.

Nach Schätzungen der EU verursachen Marken- und Produktpiraten jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von über 250 Mrd. €. Allein im Jahr 2005 wurden an den EU-Außengrenzen mehr als 75 Mio. gefälschte Produkte beschlagnahmt. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.

Wer sich ein konkretes Bild von der Dreistigkeit der Ideendiebe machen will, kann das jetzt in Solingen tun. Im Museum Plagiarius erfahren Besucher, dass längst nicht mehr nur Markenkleidung imitiert wird. Ins Visier der Fälscher sind längst auch andere Konsumgüter geraten. Selbst vor Industrieerzeugnissen aller Branchen machen die Gesetzesbrecher nicht mehr Halt.

Das Spektrum der von Plagiarius-Initiator Prof. Rido Busse gesammelten Exponate reicht vom bohnengroßen Niedervoltsteckkontakt bis hin zu motorisierten Zweirädern. Im Branchenmix der Ausstellungsstücke vertreten sind Haushaltsartikel, Kosmetik, Kinderspielzeug, Leuchten, Möbel, Werkzeuge und hochkomplexe Geräte und Maschinen.

„Für die betroffenen Unternehmen bedeutet die Produktpiraterie nicht nur die Entwertung ihrer kostenintensiven Entwicklungsarbeit und den Verlust von Marktanteilen, sondern auch die Entwertung des Originals und die Gefährdung des guten Firmennamens“, unterstrich NRW-Wirtschaftsministerin Christa Toben anlässlich der Eröffnung.

Gefährdet sind aber auch die Verbraucher. Die häufig minderwertige Produktqualität sowie nicht erfüllte Sicherheitsstandards schaden im schlimmsten Fall nicht nur ihrem Portmonee, sondern auch ihrer Gesundheit. Beispiele sind Kinderspielzeuge aus giftigem Kunststoff, Textilien, die Hautreizungen hervorrufen, oder elektronische Geräte, die bei Inbetriebnahme explodieren können. Selbst Medikamente werden im großen Stil abgekupfert: Die WHO schätzt, dass inzwischen etwa jede zehnte Arzneimittelpackung gefälscht ist.

Wie der Besucher der Ausstellung sieht, dient Südostasien oftmals als kostengünstige Werkbank für Kopien. Erschreckend aber ist, dass die Auftraggeber oft in westlichen Ländern sitzen.

Im Museum sollen nicht nur Plagiate zur Schau gestellt werden. Vorgesehen sind auch Workshops und Seminare, die Unternehmern Basiswissen und Tipps für erfolgreiche Schutzrechtstrategien vermitteln.

Für den Bau des Museums am früheren Solinger Hauptbahnhof haben sich im Rahmen der „Regionale 2006“, einem Entwicklungsinstrument für das Städtedreieck Remscheid, Solingen und Wuppertal, das Land NRW und die Stadt Solingen engagiert. Mit an Bord waren aber auch 120 private Unternehmen und Einzelspender. Passender Nachbar im Bahnhofsgebäude ist das Bergische Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement.

Das Museum selbst ist in der ehemaligen Güterabfertigung untergebracht. Dach und Fassade der neugestalteten Giebelseite bestehen im Wesentlichen aus Kunststoff. Die Fassadengestaltung lehnt sich an die Fachwerkarchitektur an, die im Bergischen Land weit verbreitet ist. Solingens Oberbürgermeister Franz Haug vermutete hier scherzhaft ein Plagiat durch den Architekten Reinhard Angelis.

Im Anschluss an die Eröffnungsfeier wurde ein rabiater Umgang mit entlarvten Plagiaten demonstriert: Eine Straßenwalze zerknautschte Schmuckkoffer aus dem Angebot von Lidl. Die Nürnberger Lederwarenfabrik Steinmann, Produzent des Originals, erwischte nach zwei Tagen der Lidl-Offerte und dem Verkauf von bereits 10661 gefälschten Koffern gerade noch einen Rest von 672 Stück. Der verlor unter der 7,5-t-Walze druckvoll seine Verkaufschancen. Sein Schicksal teilten zahlreiche Nachempfindungen des erfolgreichen Einkaufskorbs von Reisenthel. H.W. DIECKMANN/sta

Von Dieckmann/Stefan Asche

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