Schutzrechte

Plagiatoren auf der Spur  

Produktpiraten kosten die deutsche Wirtschaft jährlich 30 Mrd. € und rund 70 000 Arbeitsplätze – Tendenz steigend. Betroffene Firmen können sich an spezialisierte Detektive wenden. Einer von ihnen ist Robert Hildebrandt. Seine Detective-Lloyd GmbH arbeitet weltweit für Maschinenbau-, Automotive- und Textil-Unternehmen. Seine Methoden sind mitunter abenteuerlich. VDI nachrichten, düsseldorf, 20. 2. 09, sta

„Wir werden meist gerufen, wenn bereits Plagiate auf dem Markt aufgetaucht sind“, so Robert Hildebrandt, Geschäftsführer der Detective-Lloyd GmbH. „Unsere erste Aufgabe ist es dann, die Vertriebswege der heißen Ware aufzudecken.“ Je nach Branche kämen dazu unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.

„Handelt es sich etwa um Konsumgüter, beobachten wir einschlägig bekannte Marktplätze im In- und Ausland. Dabei machen wir gegebenenfalls Testkäufe, um Plagiate klar identifizieren zu können“, so der 50-Jährige.

In Tschechien, nahe der deutschen Grenze, haben die Detektive unlängst einen großen Umschlagplatz für gefälschte Markenklamotten inspiziert. Um dabei unentdeckt zu bleiben, passten sie sich den örtlichen Gegebenheiten an. „Wir haben Jogging-Anzüge getragen und den Rasierapparat einige Tage unbenutzt gelassen“, erläutert Hildebrandt. Vor Ort sei dann beobachtet worden, wer von wem beliefert wird. Nach verschiedenen Verfolgungen habe das Team schließlich ein Zwischenlager ausfindig gemacht. „Von dort aus führte uns schließlich eine Spur zum Hauptlager nach Prag. Dessen Adresse haben wir unserem Auftraggeber mitgeteilt. Zusätzlich konnten wir ihm aufzeigen, dass die Blanko-Ware aus China kommt und die Labels sowohl in der umliegenden Region als auch in der Türkei gefertigt wurden.“

Um in der Investitionsgüterindustrie Fälscherbanden dingfest zu machen, reiche eine einfache Verkleidung nicht aus. Zusätzlich seien schauspielerisches Talent und Organisationsgeschick gefragt. „Schließlich muss der Fälscher das Gefühl haben, einen potenziellen Großkunden vor sich zu haben“, so Hildebrandt. „Er muss uns bereitwillig in sein Lager führen. Nur dort können wir die potenziell gefälschten Maschinen und Anlagen persönlich in Augenschein nehmen.“ Testkäufe seien wegen der damit verbundenen Kosten nicht immer möglich.

Um den Schein zu wahren, sei beispielsweise ein feiner Anzug und eine teure Uhr Grundvoraussetzung. „Unerlässlich ist aber auch eine edle Visitenkarte“, so Hildebrandt. „Die muss nicht nur seriös aussehen. Wichtig ist, dass die darauf angegebenen Telefonnummern auch funktionieren. Wir haben dafür extra Mitarbeiterinnen, die sich gegebenenfalls als Vorzimmerdame melden.“

Auch ein repräsentatives Auto sei hilfreich, um Eindruck zu schinden. „Unlängst bin ich bei einem Zwischenhändler, der als Autoliebhaber bekannt ist, mit einem großspurigen Geländewagen vorgefahren. Er war so begeistert, dass er ganz offen auf meine Fragen antwortete. Der Narr hat gar nicht gemerkt, dass ich ihn beiläufig ausfragte. Am Ende konnten wir über unsere ausländische Scheinfirma eine Geschäftsbeziehung aufbauen und die gefälschte Ware bestellen.“

Manchmal reicht Hildebrandt aber auch eine schlichte Hundeleine als Requisit. „Wenn ich Werksgelände inspizieren möchte, spiele ich gerne einen verwirrten Hundebesitzer, der seinen ausgerissenen Wadenbeißer wieder einfangen möchte. Mehr als ein Platzverweis droht mir dann erstmal nicht.“

Weitere Kniffe seiner Arbeit verrät der Detektiv nicht. „Aber alles, was wir machen, ist ganz legal“, versichert er. „Wir brechen nirgendwo ein, um an Informationen zu kommen.“ Hier und da kämen allerdings schon mal eher unkonventionelle und kreative Mittel zum Einsatz.

Hat der Münchener die Adressen von Fälschern ermittelt, übernehmen die Juristen der geschädigten Firmen den Fall. Diese veranlassen, dass die gefälschte Ware beschlagnahmt wird.

Die Hersteller sind damit aber noch nicht gefasst. Zwar sind die Händler verpflichtet, ihre Bezugsquellen zu nennen. Ihre Angaben führen aber oft nur in ein Netz aus fernöstlichen Briefkastenfirmen. „In solchen Fällen biete ich an, Kollegen vor Ort mit dem Fall zu betrauen“, so Hildebrandt. „Als Mitglied der World Association of Detectives – WAD – stehe ich in Kontakt zu Hunderten ausgebildeten Experten weltweit.“

Zu den Dienstleistungen der Detective-Lloyd GmbH zählt auch der Personenschutz. Der sei beispielsweise dann gefragt, wenn Vertreter des Originalherstellers in ausländische Fälscherwerkstätten müssen, um beschlagnahmte Plagiate eindeutig zu identifizieren. „Die werden da nicht mit offenen Armen empfangen“, weiß Hildebrandt. „Für die meisten ist es dann ein beruhigendes Gefühl, sich im Ernstfall hinter einem breiten Kreuz verstecken zu können.“

Die Kosten für den Einsatz der Detektive variieren von Fall zu Fall. „Für kleinere Recherchen fallen Stundenlöhne zwischen 60 € und 90 € an.“ Je nach Sachverhalt würden bei Bedarf auch Pauschalangebote vereinbart. „Im Maschinenbau kostet ein normaler Auftrag zwischen 5 000 € und 15 000 €“, so Hildebrandt. „Dabei ermitteln wir etwa drei bis vier Wochen. Wenn es mal länger dauert, ist das unser Risiko. Früher oder später kriegen wir aber jeden!“

S. ASCHE

Von S. Asche

Top Stellenangebote

VGH Versicherungen-Firmenlogo
VGH Versicherungen Trainee Ingenieur für Umweltschutz / Umweltschutztechnik (m/w/d) Hannover
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart Professur (W2) im Studiengang Elektrotechnik Stuttgart
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Mechatronische Systeme (W2) Merseburg
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach Professur für Mechatronik (m/w/d) Mosbach
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach Lehrbeauftragter (m/w/d) Mosbach, Bad Mergentheim
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Hochschule Merseburg Professur Fertigungstechnik (W2) Merseburg
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)-Firmenlogo
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Leitung (w/m/d) der Hauptstelle Facility Management "Neubau" Berlin
Hochschule Schmalkalden-Firmenlogo
Hochschule Schmalkalden Professur (W2) für Elektrotechnik Schmalkalden
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft W2-Professur "Automatisierungstechnik in der Fertigung" Aalen
Hochschule Ravensburg-Weingarten-Firmenlogo
Hochschule Ravensburg-Weingarten Professur (W2) Fertigungstechnik Weingarten
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsrec…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.