Recht

Plagiate haben Konjunktur

Produktkopien schädigen die Weltwirtschaft jährlich um 300 Mrd

Produktpiraten zeigen Flagge: Gekonnte Plagiate erobern Konsumentengunst und Industriebranchen immer schneller. Darauf deutet die Verleihung des diesjährigen „Plagiarius“ auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente am 15. Februar unmissverständlich hin. So wurden zur „Ehrung“ der dreistesten Produktpiraterien doppelt so viele Beiträge eingereicht als im Vorjahr. Diesmal ging der erste Preis – der Plagiarius – ein schwarzer Gartenzwerg mit goldener Nase an einen chinesischen Hersteller. Zwar ist sein Name unbekannt, doch konnte die französische Vertriebsfirma dingfest gemacht werden: La Foir Fouille S.A. in Castelnau-Le-Nez. Gegenstand der Schande ist das Plagiat des Garderobenständers „Eden“ der Firma Koziol Geschenkartikel GmbH in Erbach.

Doch nicht nur Konsumartikel, sondern auch Investitionsgüter rücken verstärkt ins Visier der weltweit tätigen Nachmacher. So ging der 3. Preis an die Firma Pemaks in Istanbul/Türkei. Den pneumatischen Zylinder der Firma Festo AG + Co., Esslingen, baut sie bis ins kleinste Detail ohne Lizenz nach. Auch die Firma Bito Lagertechnik Bittmann GmbH in Meisenheim hat ungebetene Nachahmer: Ihre Mehrwegbehälterserie MB wurde von der Fami SpA im italienischen Rosa komplett abgekupfert, wofür jetzt in Frankfurt eine „Auszeichnung“ an die Plagiatoren vergeben wurde. Die gleiche „Ehre“ gebührt Kraftwerk Impex Patrick Wyss in Mönchaltdorf/Schweiz für das Plagiat des Magnethalters USH BiG, der im Original von der Firma USH Schraubwerkzeugfabrik in Hilchenbach hergestellt wird. Der „Sonderpreis für eine Fälschung“ – also für ein Produkt, das nicht nur nachgemacht ist, sondern auch unter dem Namen des Originals auf den Markt gelangt – wurde ebenfalls für ein Investitionsgut verliehen: Er ging an die Firma ABC Lightning Protection Ltd. in Shenzhen/China, und zwar für die Kopie des Überspannungsableiters V20-C/1 der Firma Obo Bettermann GmbH in Menden.

Nach Einschätzung von Design-Professor Rido Busse, der die „Aktion Plagiarius“ vor 26 Jahren gründete, steigt die Anzahl an Fälschungen, Markenverletzungen und Plagiaten weltweit drastisch an. Mit der jährlichen Vergabe des Negativpreises „Plagiarius“ will er etwas dagegen unternehmen, dass innovative Unternehmen durch Produktpiraten ernsthaft in Schwierigkeiten geraten: „Die Wirkung der Aufklärungsarbeit ist nicht zu unterschätzen und hat schon manchen Nachahmer veranlasst, sein Produkt vom Markt zu nehmen.“

Seine Aufklärungsarbeit wird von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth mit drastischen Zahlen untermauert: „Auf bis zu 300 Mrd. ¿ jährlich wird weltweit der Schaden durch die Produktpiraterie geschätzt.“ Diese gewaltige Summe bildet einen wirtschaftlichen Schaden ab. Doch sie betreffe auch Arbeitsplätze, die dadurch nicht realisiert werden können. Heute stehe „made in Germany“ für Qualität, doch werde der Begriff zum Ziel von Plagiatoren. Petra Roth: „Deutschland hat auf Innovation und Qualität gesetzt, nicht auf Imitation. Dies war die Voraussetzung des Erfolgs.“

Ein Grund mehr für Dieter Hundt, den Wert von Originalität und Qualität besonders herauszustreichen. „Dafür gerade zu stehen, ist in der heutigen Lebens- und Konsumwirklichkeit zwar eine besondere Herausforderung, doch ich halte es mit diesen Werten“, so der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände mit seiner „Laudatio“ zur Plagiarius-Preisverleihung.

Für ihn bedeutet der rasante technische Fortschritt auch eine Inflation der Möglichkeiten für Kopien und Plagiate. „Das Internet hat dafür ein gigantisches Verteilungspotential“, warnt er. Auf digitalen Wegen stünden Blaupausen und Muster Millionen von Internetnutzern zur Verfügung, die zur Nachahmung animieren und verführen. „Unter der Produktpiraterie leiden ganz besonders auch Software-Häuser“, konkretisiert Dieter Hundt. Auch wenn im Jahr 2000 die Raubkopierrate auf 28 % reduziert worden sei, „lag der Schaden immer noch bei fast 650 Mio. ¿“.

Die ökonomischen Schäden von Produktpiraterie sind für den Arbeitgeberpräsidenten allerdings auch in der „Old Economy“ eklatant: „Vor allem bekannte Markenprodukte sind beliebte und lukrative Objekte von Fälschern, die damit illegalen Handel von gewaltigem Ausmaß betreiben.“ Betroffen seien Produkte aller Branchen – von Autoteilen über Jeans bis zu Kosmetikartikeln. „Die Fälscher schmarotzen vom aufwändigen Entstehungsprozess eines Markenproduktes, das ein Höchstmaß an geistigem, kreativem und auch finanziellem Einsatz erfordert“, so seine Klage in Frankfurt. Rücksichtslos eigneten sich die Fälscher dabei die Produktideen an, um sich zu bereichern und die Gesamtwirtschaft zu schädigen. Produkt- und Markenpiraterie sind für ihn organisierte Kriminalität mit enormem wirtschaftlichen Schaden samt gravierenden Folgen. Die Produktpiraterie sei ein allgemeines Problem, und zu ihrer Abwehr haben Politik und Gesellschaft die Verpflichtung, lautet Dieter Hundts klares Fazit. ULRICH W. SCHAMARI/KIP

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