Recht

Open Source in der Biologie

VDI nachrichten, Sydney, 25. 2. 05 -Australische Pflanzengenetiker entwickelten jetzt gleich mehrere neue Genfähren, mit denen sie die Eigenschaften von Nutzpflanzen gezielt verändern können. Doch anstatt die Erfindung patentieren zu lassen, stellen die Forscher deren Nutzung zur freien Verfügung – Open Source auch in der Biologie.

Weltweit könnte es die Forschungslandschaft geradezu revolutionieren: Wenn anstelle der üblichen Blockadewirtschaft durch Patentrecht und Lizenzstreitigkeiten wissenschaftliche Erkenntnisse für jedermann zugänglich gemacht werden, dann bekommen öffentliche Forschungsförderung und das Einwerben der benötigten Geldmittel eine völlig neue Dimension. Australische Forscher machen mit ihrem Modell von Open Source in der Biologie jetzt vor, wie das funktionieren könnte.
Bisheriges Paradepferd der Forschergemeinde ist das Agrobakterium tumefaciens: Sozusagen in einer natürlich ablaufenden Genmanipulation kann es ohne aufwändige Labortechnik gewünschte DNA-Abschnitte in das pflanzliche Genom einschleusen – etwa um die Pflanze resistent gegen Schädlinge oder Umwelteinflüsse zu machen oder um ihr bessere Erträge zu entlocken.
Wer aber mit Hilfe dieses Bakteriums ein Produkt auf den Markt bringt, muss die Patente großer Biotech-Firmen beachten. Nicht so bei den von der australischen Firma Cambia hergestellten Genfähren: „Sie sind das weltweit erste Open Source-Werkzeug der Biotechnologie“, berichtet Cambia-Chefwissenschaftler Richard Jefferson, dessen Team das System ausführlich in der Zeitschrift Nature vorstellt.
Und wie soll das funktionieren? So wie etwa der Softwareentwickler Linux sein Betriebssystem für jedermann zum downloaden ins Netz stellt, so bietet auch Cambia die neuen Genfähren kostenfrei an – es fällt lediglich eine geringe Gebühr für die Pflege der Datenbank an. Allerdings sind ebenso wie bei Linux auch hier die Nutzer dann verpflichtet, Verbesserungen weiterzugeben. So wird das gesamte System stets auf den neuesten Stand gebracht.
Das neue Lizenzmodell soll den Zugang zu Techniken ermöglichen, ohne dass sich einer der Teilnehmer ein Monopol darauf sichern kann. Bisher schützen und „blockieren“ Patente wichtige Technologien. „Kreative Lizenzen aber fordern von Nutzern und Entwicklern, ihre Fortschritte miteinander zu teilen“, so Jefferson. Solche Lizenzen hätten dynamische und stabile Geschäftsmodelle sowie nachhaltige Verhaltensänderungen zur Folge.
„Agrobakterium ist bei weitem das effektivste Werkzeug, um Pflanzen gentechnisch zu verändern“, erklärt Prof. Maarten Koornneef, einer von vier Direktoren am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Exakte Zahlen gebe es nicht, aber nur in wenigen Ausnahmen griffen er und seine Kollegen in aller Welt überhaupt zu anderen Verfahren.
Dennoch hält er die neuen Genfähren für eine wertvolle Ergänzung im biochemischen Werkzeugkasten: „Es gibt eine Reihe von Pflanzen, in denen Agrobakterien nicht so gut funktionieren“, weiß Koornneef.
„Gut ist auch, wenn man damit womöglich um Patentstreitigkeiten herumkäme“, ergänzt der Max-Planck-Forscher. Allerdings hätten die australischen Kollegen genau genommen nur Teile des patentgeschützten Agrobakteriums modifiziert und auf die neuen Genfähren übertragen. Daher sei es nicht ganz auszuschließen, dass dies nicht doch rechtliche Probleme nach sich ziehen könnte. (s. Kasten)
Die neuen Genfähren heißen Rhizobium sp., Sinorhizobium meliloti und Mesorhizobium loti. Die Hauptarbeit für die Forscher bestand darin, den relevanten Genabschnitt, das Ti-Plasmid, aus Agrobakterium herauszulösen und auf die neuen Organismen zu übertragen.
„Die Resultate werden sich ohne Zweifel auf die Pflanzenforschung und Biotechnologie auswirken“, urteilt Stanton Gelvin von der Purdue University in West Lafayette. Zwar seien die neuen Bakterien noch nicht so effektiv wie das Vorgänger-Modell sie erreichten bisher erst 40 % der Leistung. Doch sei zu erwarten, dass sich dies durch die „internationale“ Zusammenarbeit im Open Source-Modell recht schnell ändern würde.BETTINA RECKTER/fwt

 

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