Arbeitsrecht

Nur Betriebe und Arbeitnehmer sollen Altersteilzeit finanzieren  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 6. 08, has – Der Zugang in eine neue Altersteilzeit müsse eingeschränkt werden, fordert Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Gegenüber den 90er Jahren, als die Ende 2009 auslaufende Altersteilzeit eingeführt wurde, habe sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt umgekehrt, sodass es nicht mehr sinnvoll sei, Ältere auszumustern, um Jüngere einzustellen. Kannegiesser plädiert für betriebsnahe Lösungen.

Kannegiesser: Wir leben nicht mehr in den 90er Jahren. Als die Altersteilzeit vor einem Jahrzehnt politisch beschlossen wurde, gab es dafür gute arbeitsmarktpolitische Gründe. Doch die Arbeitsmarktsituation hat sich inzwischen umgekehrt. Die Zahl der Arbeitslosen ist in nur drei Jahren in den Metall- und Elektroberufen um 60 % gesunken und die Schulabgänger-Zahlen gehen auf Sicht ebenfalls zurück. In Zeiten des Fachkräftemangels ergibt es keinen Sinn mehr, vorzeitig Ältere auszumustern, um Jüngere einzustellen.

VDI nachrichten: Wer soll einspringen, wenn die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Förderung einstellt?

Kannegiesser: Wir brauchen eine Solidarlösung, einen Finanzierungsmix, an dem sich auch die dann unmittelbar Betroffenen beteiligen müssen, hier werden wir Differenzierungen finden.

VDI nachrichten: Warum sollen die Arbeitnehmer an der Finanzierung beteiligt werden?

Kannegiesser: Vor zwölf Jahren wurde die Altersteilzeit als ein im Kern arbeitsmarktpolitisches Instrument gesehen, an dessen Finanzierung sich im Falle von Wiederbesetzung des betroffenen Arbeitsplatzes die Beitragszahler beteiligt haben, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Aufgrund des sich immer weiter verstärkenden demographischen Wandels wird aus dem arbeitsmarktpolitischen zunehmend ein sozial- und personalpolitisches Instrument. Damit fällt es in die Verantwortung der Tarifparteien – jeder Arbeitnehmer und jeder Betrieb könnte dieses Instrument im Laufe der Zeit einmal benötigen, es liegt im beiderseitigen Interesse. Folglich müssen beide die Finanzierung übernehmen, aus der sich das Kollektiv der Beitragszahler zurückzieht.

VDI nachrichten: Personalverantwortliche in vielen Betrieben setzen sich dafür ein, dass die Förderung durch die BA fortgeführt wird, weil damit junge Menschen eine Chance bekommen haben. Gibt es Interessenkonflikte zwischen Verband und Unternehmen?

Kannegiesser: Die Zahl der Ausbildungsverträge in der Metall- und Elektroindustrie ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchstwert von 75 400 gestiegen, unsere Industrie weist schon heute eine höhere Ausbildungsquote auf als andere Branchen. Wir werden in absehbarer Zeit nicht zu viele, sondern zu wenige Junge haben. Wir brauchen daher den Einstieg nicht mehr zu subventionieren. Was die Älteren angeht, so werben wir auch in den eigenen Reihen für einen Wandel der Einstellung. Die Betriebe müssen sich darauf vorbereiten, dass sich die demografische Entwicklung auch in ihrer Personalstruktur widerspiegelt und das Durchschnittsalter der Belegschaften steigt. Sie werden ihre Wettbewerbsfähigkeit nur wahren, wenn es ihnen gelingt, die Mitarbeiter fit und länger im Unternehmen zu beschäftigen.

VDI nachrichten: Gesamtmetall hat angeboten, dass Beschäftigte in Altersteilzeit gehen könnten, wenn sie 20 Jahre im Betrieb sind und in den vergangenen 15 Jahren mindestens zwölf Jahre Nachtschicht oder im Drei-Schichtsystem gearbeitet haben. Warum wollen Sie den Zugang so eng fassen?

Kannegiesser: Wir können heute nicht mehr in gleichem Umfang wie früher Altersteilzeit nutzen. Daher versuchen wir mit der IG Metall, Kriterien zu finden, die auf der einen Seite der Notwendigkeit Rechnung tragen, einen Ausstieg in bestimmten Grenzen zu ermöglichen, auf der anderen Seite den Weg zu einer neuen Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern zu finden.

VDI nachrichten: Wie viele Beschäftigte hätten danach Anspruch auf Altersteilzeit im Unterschied zu heute?

Kannegiesser: Das ist Gegenstand der Verhandlungen. Grundsätzlich soll gelten: Nicht mehr so viele, nicht mehr so früh und nicht mehr so attraktiv! Über allem steht: Wir wollen Chancen für möglichst betriebsnahe Lösungen eröffnen.

VDI nachrichten: Heißt das, Ingenieure und andere hoch Qualifizierte könnten Altersteilzeit nicht mehr in Anspruch nehmen?

Kannegiesser: Das ist keine Frage hoher oder niedriger Qualifikation, sondern der Arbeitssituation, die von Branche zu Branche, von Unternehmen zu Unternehmen, von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz höchst unterschiedlich sein kann. Wir wissen aber, dass erfahrene Ingenieure in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie künftig noch wichtiger werden.

VDI nachrichten: Gerade Ingenieure stehen unter Druck und klagen über ein hohes Arbeitstempo und enge zeitliche Vorgaben. Sind das Belastungen, die für die Altersteilzeit nicht mehr berücksichtigt werden sollen?

Kannegiesser: Für welche Mitarbeiter unter welchen Voraussetzungen ein flexibler Übergang in die Rente am ehesten in Betracht kommt, können am besten die Betriebe entscheiden. In der Regel steigt mit höherer Qualifikation oft die Freude an Beruf und Arbeit. Wir sehen also bei einer kleinen, aber wachsenden Minderheit sogar den Wunsch, auch nach Erreichen der Altersgrenze noch mitzuarbeiten, oft auf Teilzeitbasis. Die Arbeitswelt wird eben bunter, und dafür brauchen wir die Instrumente. HARTMUT STEIGER

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