Recht

„Noch das letzte Kabel ist sein Geld wert“

Anfang November hat die Volksrepublik Elektronikschrottimporten gesetzlich den Riegel vorgeschoben. Doch auch ohne die Müllimporte aus Übersee wächst der Berg an mangelhaft entsorgten elektrischen Altgeräten beängstigend schnell. Ein Überblick.

Schwunghaft läuft in der Volksrepublik China der Handel mit elektrischen Altgeräten und gebrauchten Elektronikteilen. Doch der weitgehend informelle Zweitmarkt ist kaum überschaubar.
Recycling – also auch Elektronikrecycling – ist in China weitgehend in Händen von „Ich-AGs“. In Hinterhöfen werden Kühlschränke und Klimaanlagen von Hand ausgeschlachtet, die – zumindest in der Vergangenheit – häufig in amerikanischen Haushalten gestanden hatten.
Die Eidgenössische Material- und Forschungsanstalt EMPA (Schweiz) hat in einer chinesischen Fallstudie im April dieses Jahres die Provinzen Zhejiang und Guangdong als Zentren der Elektronikschrottverarbeitung bezeichnet. So wurden etwa in Pekinger Sammelstellen nur grundlegende Sortier- und Trennarbeiten durchgeführt und der Müll dann zur Weiterverwertung in den Südosten transportiert.
Mit dem Grenzverkehr der Elektrogeräte aus dem Ausland soll nun Schluss sein. Wirtschaftsministerium, Umweltschutzbehörde und Zoll haben gemeinsam ein Stop für Elektromüll verhängt. Kontrollmechanismen müssen aber erst noch geschaffen werden.
„Noch das letzte Computerkabel ist sein Geld wert“, weiß Rainer Schellhaas von Hangzhou DADI Environmental Protection. „Defekte Kühlgeräte bekommen wir nicht kostenlos, allenfalls von der Universität. DADI muss die Altgeräte also extra kaufen.“ Das erklärt, weshalb professionelle Recyclinganlagen nicht ohne staatliche Anschubinvestition auskommen.
Im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ arbeitet Schellhaas seit drei Jahren am Aufbau eines Abfallmangementsystems in Hangzhou (Provinz Zhejiang). 2005 soll das 2,5 Mio. € € 000 Geräte pro Jahr verarbeiten.
Statistiker schätzen, dass sich die Mittelschicht – derzeit mehr als 24 Mio. Familien – in den kommenden fünf Jahren nahezu verdoppeln wird. Und die Mittelschicht konsumiert. Der steigende Wohlstand lässt sich nirgends so deutlich ablesen wie im Absatz von Haushaltsgeräten und Computern, vor allem bei hochwertigen Geräten im Wert von 1000 € €
Nach Prognosen der nationalen Statistikbehörde werden chinesische Familien im Jahr 2006 rund 57 Mio. neue Klimaanlagen kaufen. Jährlich werden rund 5 Mio. Computer und doppelt so viele Fernseher verkauft.
Die Zeit drängt. Viele Geräte, die in der ersten Boom-Phase Anfang der 90er Jahre gekauft wurden, werden in den kommenden Jahren ausgewechselt. Besonders gering ist die Lebensdauer bei Computern, von denen grob geschätzt derzeit 40 Mio. Stück chinaweit in Gebrauch sind. Nach sechs Jahren haben die meisten PCs ausgedient.
Die Nationale Kommission für Entwicklung und Reformen, NDRC, eine Abteilung des Staatsrats, hat kürzlich im Internet einen Entwurf zur Regulierung des Elektronikschrottrecyclings vorgelegt. Anstatt sie mit dem Hausmüll zu entsorgen, müssen Verbraucher ihre Altgeräte demnach künftig an den Handel zurückgeben, der die Geräte in die Wiederverwertung bzw. Entsorgung geben soll.
Davon erhofft sich der Gesetzgeber eine zunehmende Regulierung des wilden Recyclingmarkts und langfristig auch eine Entlastung im Energie- und Rohstoffverbrauch. Offen ist allerdings, wie dieser Kreislauf organisiert und finanziert werden soll.
Mehrere Städte wie das nordchinesische Shenyang, Qingdao, Tianjin und Guangdong haben bereits entsprechende Pilotprojekte angeschoben. Von einem rentablen Industriezweig ist man weit entfernt, ohne staatliche Hilfen scheint es nicht zu gehen.
„Man ruft hier noch zu viel nach dem Staat, aber der Antrieb muss von den Menschen selbst kommen. Da fehlt im Recyclingbereich häufig noch unternehmerischer Geist“, sagt Peter Gehlert, Manager bei der Griag Glasrecycling AG (Chemnitz). Griag sucht in Shanghai Partner, um unter lokalen Bedingungen Anlagen zu entwickeln, mit denen Bildröhrenglas aufbereitet werden kann. Bislang landen die Bildröhren in China auf der Deponie.
Investitionen von 3 Mio. € € Mio. € sind notwendig, um eine solche Anlage komplett hinzustellen. Die Wissenschaftler der East China Normal University und der Tongji-Universität, die in Shanghai das erste professionelle Recyclingcenter für Fernseher- und Computer aufziehen wollen, haben für die erste Phase ihres Projekts rund eine 750 000 € zur Verfügung.
Das Ministerium für Wissenschaft und Technik sowie das Wissenschafts- und Technologiekomitee in Shanghai fördern die Forschungsarbeiten mit 260 000 €, weitere 500 000 € zur Einrichtung einer Recyclinganlage kommen aus der Wirtschaft. Unter wissenschaftlicher Aufsicht soll das Center ab Ende 2005 rund eine halbe Million Computer und Fernseher demontieren.ANJA FELDMANN

 

Von Feldmann

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