Recht 25.11.2005, 18:41 Uhr

Neue Pflichten für alle Freiberufler  

09001 321231 150 (9 Seiten), 09001 321231 171 (4 Seiten). Kosten: 0,62 € pro Minute.

Entgegen der öffentlichen Schelte stellt eine Gewinnermittlung anhand der im zweiten Anlauf deutlich vereinfachten Anlage EÜR selbst ohne steuerliches Expertenwissen keine unlösbare Aufgabe dar. Denn grundsätzlich ergibt sich Gewinn oder Verlust bereits aus der Summe der vereinnahmten Entgelte abzüglich der Summe aller im Wirtschaftsjahr bezahlten Betriebsausgaben. Bei Überweisungen gilt als Zahlungszeitpunkt der Eingang des Überweisungsauftrags beim Kreditinstitut, sofern das Konto die nötige Deckung aufweist oder ein entsprechender Kreditrahmen eingeräumt ist. Vereinnahmte Umsatzsteuerbeträge sowie die Umsatzsteuer auf unentgeltliche Wertabgaben, wie etwa die private Nutzung betrieblicher Kraftfahrzeuge, zählen ebenfalls zu den Betriebseinnahmen. Da gezahlte Vorsteuerbeträge wie auch geleistete Umsatzsteuer-Vorauszahlungen (Zeilen 50 und 51 der Anlage EÜR) im Gegenzug aber wie Betriebsausgaben abgezogen werden, hat die Umsatzsteuer wie bei bilanzierenden Unternehmen letztlich keine Auswirkung auf den Gewinn.

Etwas aufwändiger gestaltet sich dagegen die Berechnung der anfallenden Umsatzsteuer auf die private Kfz-Nutzung. Denn zeitgleich mit dem Wegfall der Vorsteuerabzugsbeschränkung bei Firmenfahrzeugen zum 1. Januar 2004 unterliegt deren private oder unternehmensfremde Verwendung als „unentgeltliche Wertabgabe“ (ehemals „Eigenverbrauch“ genannt) wieder der Umsatzsteuer. Bei der Ermittlung des privaten Nutzungsanteils nach der „Ein-Prozent-Regelung“ darf für die nicht mit Vorsteuern belasteten Kosten (z.B. Versicherung, Kfz-Steuer) nach dem Anwendungsschreiben der Finanzverwaltung zum Vorsteuerabzug und Umsatzbesteuerung bei unternehmerisch genutzten Fahrzeugen vom 27. August 2004 (I V B 7 – S 7300 – 70/04 -, Faxabruf 150, 9 Seiten) deshalb ein pauschaler Abschlag von 20 % vorgenommen werden.

Allein mit dem Ausfüllen des Vordrucks „EÜR“ ist es jedoch nicht getan. Neben gesetzlich vorgeschriebenen Verzeichnissen verlangen die Finanzbehörden zwei weitere Übersichten zu den Anlagegütern und Schuldzinsen:

– Für die Anlagegüter stellt die Finanzverwaltung ein Vordruckmuster zur Ermittlung der Abschreibungsbeiträge und Angabe der Restwerte bereit.

– Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) können im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage in voller Höhe als Betriebsausgaben abgesetzt werden. GWG sind selbstständig nutzungsfähige, abnutzbare und bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer oder deren Einlagewert einschließlich Umsatzsteuer einen Betrag von 410 € nicht übersteigen.

– Sofern das häusliche Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt aller ausgeübten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten darstellt, dessen betriebliche oder berufliche Nutzung aber mehr als die Hälfte der Gesamttätigkeit beträgt oder dafür kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dürfen dessen Kosten nur bis zur Höhe von 1250 € als Betriebsausgaben abgezogen werden. Deshalb fordert das Einkommensteuergesetz eine weitere Übersicht, in der die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer einzeln aufgeführt sind.

– Zur Berechnung der abzugsfähigen Schuldzinsen müssen bereits seit Anfang des Jahres 2000 alle Entnahmen und Einlagen gesondert vermerkt werden, und zwar unabhängig von der tatsächlichen Abzugsfähigkeit der Schuldzinsen. Fehlen diese gesetzlich vorgeschriebenen Aufzeichnungen, werden nicht auf Investitionsdarlehen entfallende Schuldzinsen nur in sehr beschränkter Höhe akzeptiert.

– Geschenke sind nur noch bis zur Höhe von 35 € netto abzugsfähig – vorausgesetzt, der Empfänger ist entweder aus dem Anschaffungsbeleg oder anderen Aufzeichnungen erkennbar. Auf eine Namensangabe verzichten die Finanzbehörden, wenn im Hinblick auf die Art des zugewendeten Gegenstandes die Vermutung besteht, dass die Freigrenze von 35 € beim einzelnen Empfänger im gesamten Gewinnermittlungszeitraum nicht überschritten wurde. Gleichfalls eingeschränkt wurde die Berücksichtigung von Bewirtungskosten: Ab 2004 dürfen betriebliche Aufwendungen für die geschäftlich veranlasste Bewirtung von Personen nur noch zu 70 % als Betriebsausgaben abgezogen werden.

Da Geschenke und Bewirtungen besonderes kritisch beäugt werden, sollten die Formvorschriften zum Nachweis der Betriebsausgaben tunlichst eingehalten werden. In jedem Fall zählt dazu die einzelne und getrennte Aufzeichnung der Ausgaben. Zu beachten: Nach aktueller Finanzrechtsprechung verstößt die Streichung des Vorsteuerabzugs allein wegen nicht eingehaltener Formvorschriften zum Nachweis der Betriebsausgaben gegen die einschlägige 6. EG-Richtlinie.

Auch bei der Gewinnermittlung nach Einnahmenüberschussrechnung verpflichtet die Abgabenordnung (§ 147 AO) zur Aufbewahrung der notwendigen Belege und Unterlagen. Nachlässigkeit hat Konsequenzen: Mit Rückendeckung des Bundesfinanzhofs darf das Finanzamt den Gewinn selbst dann schätzen, wenn zwar eine Überschussrechnung vorgelegt wird, die Betriebseinnahmen und -ausgaben aber nicht nachgewiesen werden können (Urteil vom 15. 4. 1999 – IV R 68/98 -, Faxabruf 171, 4 Seiten). Als Schätzungsgrundlage dienen den Beamten die „Richtsätze der Finanzverwaltung“. B. LINDGENS

Ein Muster mit dem Vordruck „EÜR“ finden Sie unter: www.bundesfinanzministerium.de

Ein Beitrag von:

  • Bernhard Lindgens

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