Arbeitsrecht

Mitarbeiterbeteiligung: Ein größeres Stück vom Kuchen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 12. 06, ps – Steigende Firmengewinne, sinkende Reallöhne – um die Schere zu schließen, müssten die Arbeitnehmer stärker am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Auf ihrem Parteitag in Dresden hat die CDU diese Woche eine entsprechende Initiative vorgestellt. Wie nötig sie ist, zeigt eine aktuelle Studie. In puncto Gewinn- und Kapitalbeteiligung hinkt Deutschland hinterher.

Mitarbeiterguthaben, Wertguthaben, Mitarbeiterdarlehen, stille Beteiligungen, Genussrechte, Genussscheine, Belegschaftsaktien, Aktienoptionen, Wandelschuldverschreibungen, virtuelle Optionen, GmbH-Anteile, Genossenschaftsanteile – wenn Unternehmen ihre Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen wollen, haben sie eine stattliche Auswahl an Möglichkeiten. Doch nur die wenigsten Geschäftsführer und Vorstände machen davon Gebrauch.

Nur etwa jeder zehnte Betrieb in Deutschland beteiligt seine Mitarbeiter am Unternehmenserfolg. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Danach lassen 9 % der Firmen zumindest einen Teil ihrer Belegschaft am Gewinn teilhaben. 2 % hätten Kapitalbeteiligungsmodelle, bei 1 % der Unternehmen gebe es beide Beteiligungsformen zugleich. Deutschland liege damit im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld.

Während laut IAB jeder dritte Betrieb mit 500 und mehr Beschäftigten auf diese Modelle setzt, sind es bei kleineren Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten nur 8 %. Unterschiede gebe es auch bei den Branchen: Am häufigsten werde eine Beteiligung am Unternehmenserfolg bei Banken, Versicherungen und Betrieben des Bergbaus sowie der Energie- und Wasserversorgung angeboten. Am seltensten sei sie im Dienstleistungsbereich, dem Baugewerbe sowie in der Land- und Forstwirtschaft anzutreffen.

Auffällig sei, dass Mitarbeiterbeteiligungsmodelle häufiger in Betrieben verbreitet seien, die zu ausländischen Firmen gehörten und zwar quer durch alle Betriebsgrößen. So hätten zum Beispiel in Frankreich gesetzliche Verpflichtungen und in Großbritannien steuerliche Anreize zu einer größeren Verbreitung dieser Modelle geführt. Diese Länder stünden daher europaweit an der Spitze. In Deutschland habe sich indes in den vergangenen Jahren nur wenig geändert.

Das IAB sieht hier ungenutzte Potenziale: „Mit der Einführung von Systemen der Gewinn- und Kapitalbeteiligung schaffen die Betriebe Anreize für mehr Leistung“, heißt es in der Studie.

Zudem würden sich die Mitarbeiter eher mit ihren Firmen identifizieren und auch Vorschläge zur Verbesserung von Arbeitsprozessen unterbreiten. Eine Entlohnung in Abhängigkeit von Gewinn und Kapital spreche außerdem häufig überdurchschnittlich produktive und begabte Bewerber an. Dies dürfte bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern gerade mit Blick auf den zu erwartenden Fachkräftemangel ein Wettbewerbsvorteil sein.

Die Politik will jetzt ihren Teil dazu beitragen, dass nicht mehr nur Großunternehmen wie BASF, Porsche oder BMW ihre Belegschaften am Profit partizipieren lassen – zum Teil mit mehr als einem Monatsgehalt je Mitarbeiter. Aus den wenigen Vorbildern soll eine Massenbewegung werden. Schließlich wuchsen seit 1999 die Gewinne der 30 größten deutschen Konzerne im Schnitt um 15,5 % pro Jahr. Die Reallöhne sind in den letzten zehn Jahren laut DGB hingegen um 0,9 % gesunken.

„Ich halte Investivlöhne und Mitarbeiterbeteiligung für den Weg der Zukunft, um in der Globalisierung die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen zu festigen“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits im September beim 150-jährigen Jubiläum des Stahlwerks Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Gerade in Zeiten der Globalisierung sei es wichtig, dass jeder Mitarbeiter wisse, wo sein Unternehmen stehe.

Beim CDU-Bundesparteitag, der Anfang der Woche in Dresden stattfand, wurde deshalb ein Antrag zur „sozialen Kapitalpartnerschaft“ verabschiedet (siehe Kasten). Der DGB unterstützt nach einem Magazinbericht grundsätzlich das Vorhaben, Angestellte stärker am Kapital ihres Unternehmens zu beteiligen. Allerdings müsse es dann einen größeren Steuerrabatt für Arbeitnehmer geben, zitierte das Nachrichtenmagazin Spiegel am Samstag aus einem Papier des DGB-Bundesvorstandes.

Bisher dürften Arbeitgeber ihren Beschäftigten lediglich Aktien im Wert von bis zu 135 € steuerfrei anbieten. Dies sei ein zentrales Hindernis für eine stärkere Kapitalbeteiligung. Die Gewerkschafter schlagen dem Bericht zufolge daher vor, die Steuerbegünstigung auf 2000 € im Jahr zu erhöhen.

SPD-Chef Kurt Beck strebt noch in dieser Legislaturperiode eine Gesetzesinitiative für eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen der Unternehmen an, wie er dem Handelsblatt erklärte. „Ich werde sehr schnell einen Vorschlag vorlegen, der unterschiedliche Modelle beinhaltet.“ Beck und Merkel hatten am Wochenende signalisiert, gemeinsam über das Thema zu beraten. Laut CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla soll das Thema schon Anfang kommenden Jahres auf der Tagesordnung der großen Koalition stehen.

Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner rechnet damit, dass verbesserte Bedingungen für eine stärkere Teilhabe der Arbeitnehmer an ihren Unternehmen schon 2008 in Kraft treten könnten. Ein konjunkturelles Hoch sei die richtige Zeit für ein solches Gesetz, sagte Brandner dem Tagesspiegel am Sonntag. ap/rtr/ps

Von Ap/Rtr/Peter Schwarz

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