Arbeitsrecht 18.05.2007, 19:28 Uhr

Leiharbeit nach dem Geschmack der IG Metall  

VDI nachrichten, Hamm, 18. 5. 07, has – Die Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft Hellweg-Sauerland (TraQ) in Meschede verleiht Arbeitskräfte in die Region – im Einvernehmen mit Gewerkschaft, Arbeitgebern und Kommune.

Hans-Georg Meyer, örtlicher IG-Metall-Bevollmächtigter und seit Beginn der TraQ als Vorstandsmitglied dabei, gibt zu: „Ich habe zunächst sehr zurückhaltend reagiert, als die TraQ beabsichtigte, sich im Segment Zeitarbeit zu platzieren.“

Die TraQ, gegründet 2003, um als Transfergesellschaft im krisengeschüttelten Sauerland Entlassungen aufzufangen, beschloss im Jahr 2005, Arbeitnehmer nicht mehr nur zu vermitteln, sondern auch zu verleihen. Ein unlösbarer Konflikt für die IG-Metall? Die Gewerkschaft fährt derzeit eine Kampagne gegen Leiharbeit, weil von den oft in Aussicht gestellten Vorteilen wenig zu sehen sei und es nicht selten, so ein Gewerkschaftssprecher, zu Drehtüreffekten komme, indem fest Angestellte entlassen und durch Leiharbeiter ersetzt würden.

Meyer sieht diese Gefahr bei TraQ nicht. „Wir zahlen alle Zeitarbeitnehmer übertariflich“, erläutert TraQ-Geschäftsführer Volker Nelle. Grundlage ist der Tarifvertrag zwischen dem DGB und dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA), dem die TraQ angehört. So zahlt TraQ für Helfer Stundenlöhne von mindestens 8,50 € plus Fahrtkosten und für Facharbeiter mindestens 11,50 € plus Fahrtkosten. Zum Vergleich: Der Tariflohn liegt bei 7,38 € für Helfer und bei 10 € für Facharbeiter.

Zudem lege TraQ Wert auf die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis, erläutert Volker Verch, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Südöstliches Westfalen und ebenfalls Vorstandsmitglied der TraQ. Auch er weiß, dass Leiharbeit keinen guten Ruf hat. Allerdings sei konjunkturellen Schwankungen heute nicht mehr anders zu begegnen. „Es wird in Zukunft nicht ohne Leiharbeit gehen, deshalb bieten wir sie an. Allerdings zu fairen Konditionen“, so Verch.

Anders als andere Verleihfirmen verzichtet TraQ auf Provisionen bei der Übernahme von Arbeitnehmern. Nicht zuletzt dadurch wechseln rund 30 % der TraQ-Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft. Derzeit sind bei TraQ knapp 350 Zeitarbeitnehmer unter Vertrag, seit Beginn der Verleihtätigkeit vor anderthalb Jahren waren es rund 640, einschließlich der Mitarbeiter, die nur kurzfristige oder kleinere Jobs suchten, z. B. in den Ferien. Insgesamt wurden 90 Zeitarbeiter von den Verleihfirmen übernommen, 45 fanden in anderen Unternehmen eine neue Beschäftigung.

„Einsätze von ein bis drei Tagen gibt es bei uns nicht“, wendet Nelle den Vorwurf ab, dass Personal auf Zeit oft nur kurze Stippvisiten in den Firmen leistet. Im Gegenteil: Ungern stimmt die TraQ Einsätzen unter vier Wochen zu.

Hinzu kommt, dass Wert auf eine professionelle Einweisung und auf Arbeitssicherheit gelegt wird. „Wir haben einen Sicherheitsingenieur beauftragt, die Leute zu unterweisen, und sind dem Werkarztzentrum angeschlossen, um von vornherein klarzustellen, dass die Leute den Aufgaben vor Ort gesundheitlich gewachsen sind“, erläutert Nelle.

Dass sich die TraQ diesen Standard leisten kann, liegt an der Struktur des Unternehmens. „Wir haben keinen Inhaber, der die Gewinne abschöpft“, erklärt Nelle einen der Erfolgsfaktoren.

Nicht nur als Zeitarbeitsunternehmen arbeitet die TraQ überdurchschnittlich gut. „Sie hat dem Sauerland durch erfolgreichen Transfer entlassener Arbeitskräfte ein gutes Stück aus der Krise geholfen“, erinnert sich Verch, der das Unternehmen seit Beginn begleitet. Statt eine Transfergesellschaft von außen einzusetzen, gründeten damals Vertreter der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der öffentlichen Hand die TraQ. Alleiniger Gesellschafter der GmbH ist ein Verein, in dem Meyer, Verch und der Landrat des Hochsauerlandkreises, Karl Schneider, den Vorstand bilden.

„Das ist bundesweit einzigartig und hochgradig erfolgreich“, betont Verch. Alle Akteure sitzen an einem Tisch. Nähe und regionale Begrenzung ließen es zu, schnell und flexibel zu arbeiten. Eine bundesweit überdurchschnittliche Vermittlungsquote von 60 % der Transferbeschäftigten scheint dies zu bestätigen. Und dabei geht es nicht nur um Hilfs- oder Facharbeiter, 20 % der TraQ-Klientel sind hoch qualifizierte Kräfte, Ingenieure oder Kaufleute.

Für die IG Metall ist TraQ ein Modell für „regulierte Zeitarbeit zu akzeptablen Bedingungen“, die auch Chancen für eine dauerhafte Beschäftigung eröffne, lobt ein IG-Metall-Sprecher die westfälische Initiative.

Seit 2004 existiert ein Büro in Soest, dass die Hellweg-Region in die Arbeit miteinbezieht. Auch qualitativ erweitert die TraQ ihr Spektrum. Seit Mai bietet das Unternehmen Mittelständlern auch Personalentwicklung an. B. PELZ

Kein Inhaber, der Gewinne abschöpft

Ein Beitrag von:

  • Beate Pelz

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