Recht

Legale Download-Angebote senken Motivation zum Raubkopieren  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 2. 07, jdb – Die zweite Stufe der Reform des Urheberrechts, die im ersten Halbjahr 2007 vom Bundestag verabschiedet werden soll, erhitzt weiter die Gemüter. Insbesondere die Musikwirtschaft fordert Eingrenzungen bei der Privatkopie. Die Filmindustrie zielt mit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) dagegen auf die Verursacher von Raubkopien. Doch die Operationen des Vereins sind nicht unumstritten.

Sommer: Grundsätzlich halte ich Massenverfahren für den falschen Weg. Hier sollte man sich nicht von kurzfristigen Erfolgen blenden lassen, die in keinem Verhältnis zu den langfristigen negativen Effekten stehen. Nicht nur, dass durch solche Massenanzeigen die Strafverfolgungsbehörden instrumentalisiert und eine Überlastung der einzelnen Dienststellen und Staatsanwaltschaften in Kauf genommen werden. Sie schaden auch einem kooperativen Klima nachhaltig. In Folge haben zahlreiche Strafverfolgungsbehörden die Grenze, ab der Strafverfahren eingeleitet werden, massiv erhöht. Damit besteht nur noch selten die Chance auf ein Urteil. Gleichzeitig setzt die Musikindustrie verstärkt auf Vergleichszahlungen statt Strafen, was mit einer Entkriminalisierung von Urheberrechtsverletzungen einhergeht.

VDI nachrichten: Ein Ziel der GVU ist es, durch die Förderung legaler Angebote digitalen Inhalten einen Markt zu bereiten. Ist die Filmwirtschaft hier gut aufgestellt?

Sommer: Die Tatsache, dass es exorbitante Downloadzahlen im Filmbereich gibt – allein im deutschsprachigen Raum wird jedes Jahr eine hohe zweistellige Millionenzahl illegal heruntergeladen -, ist ein Beleg für einen starken Wunsch der Nutzer nach On-Demand-Inhalten. Legale Angebote tragen dazu bei, Motivationsfaktoren zum illegalen Kopieren zu eliminieren. Wir stehen aber am Anfang der Entwicklung. Entscheidend ist das Angebot, das sich nahezu täglich verbessert. Es muss aber auch zu einem attraktiven Zeitfenster mit einer attraktiven Technik zu einem attraktiven Preis verfügbar sein.

VDI nachrichten: Muss bei den bestehenden Plattformen nachgebessert werden?

Sommer: Bei der Technik sind wir noch nicht weit. Was bisher online auf die Beine gestellt wurde, ähnelt dem frühen VHS-Angebot im Videobereich. Es fehlen noch die Zusatzfunktionen, die eine DVD bietet. Ziel ist es, die Filme übers Internet einfacher auch auf den Fernseher zu bekommen.

VDI nachrichten: Filme gleich zum Kinostart wird es legal im Netz nicht geben?

Sommer: Was den Zeitpunkt angeht, hat die Filmindustrie mit dem Kino- und DVD-Start nach wie vor spezielle Auswertungsfenster. Die höchsten Downloadzahlen im illegalen Bereich gibt es, wenn eine qualitativ hochwertige Raubkopie verfügbar ist, meist zum DVD-Start. Wenn es Filme legal zu diesem Zeitpunkt jetzt online gibt, ist das noch ein attraktives Fenster für die bisherigen Raubkopierer. Wenn es gelänge, 10 % von diesen zu legalen Kunden zu machen, wäre viel erreicht.

VDI nachrichten: Filme werden inzwischen auch unter „Creative Commons“-Lizenzen (CC) veröffentlicht, die den Nutzern mehr Freiheiten etwa beim Download oder Remixen geben. Eine Herausforderung für die Branche?

Sommer: Creative Commons finde ich eine sehr gute Idee. Die Bewegung zeigt, dass sich die Leute nach wie vor fürs Urheberrecht interessieren. CC-Lizenzen vergeben letztlich einfachere Nutzungsrechte. Dadurch, dass Millionen von Kreativen Werke derart markiert ins Netz stellen, zeigen sie auch, dass es ihnen nicht egal ist, was mit ihren Inhalten passiert. Creative Commons ist entstanden, weil das Urheberrecht für normale Nutzer sehr kompliziert ist. Bei CC werden die Möglichkeiten zum Umgang mit digitalen Inhalten leichter verständlich.

VDI nachrichten: Es gab zuletzt viel Kritik an der GVU. Jüngst hat das Landgericht Kiel geurteilt, dass die „Übernahme“ eigentlich nur den Strafverfolgungsbehörden gestatteter Ermittlungstätigkeiten nicht rechtskonform ist.

Sommer: Das Urteil betrifft einen konkreten Fall. Es geht davon aus, dass die GVU dabei als „Sachverständige“ aufgetreten ist. Dies tut die GVU im Rechtssinne aber nicht. Sie wirkt als „sachverständiger Zeuge“ im Sinne der Strafprozessordnung, was ein Unterschied ist. Das Oberlandesgericht Hamm hat bestätigt, dass Organisationen wie die GVU in dieser Weise zu einem Ermittlungsverfahren hinzugezogen werden können. Wir haben schließlich einen breiten Erfahrungsschatz bei Raubkopien und wissen, wie die Originalprodukte unserer Mitgliedsfirmen aussehen.

VDI nachrichten: Das Landgericht Kiel erkannte aber, dass GVU-Mitarbeiter bei einer Hausdurchsuchung einen Computer sichergestellt und ihn selber als Erstes geprüft haben.

Sommer: Die GVU führt nicht eigenständig Durchsuchungen durch, sie ist natürlich an geltende Regeln wie die Strafprozessordnung gebunden. Jede Hilfsleistung der GVU muss sich im rechtlichen Rahmen bewegen.

STEFAN KREMPL

Von Stefan Krempl

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