Industrie

„Kein Richtungswechsel in der Tarifpolitik“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 2. 07, has – Die IG Metall beurteilt die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie weiterhin positiv. Für die diesjährige Lohnrunde fordert sie die Erhöhung der Entgelte um 6,5 %. Die von Arbeitgebern ins Spiel gebrachte stärkere Rolle von Einmalzahlungen lehnt die Gewerkschaft ab.

Das abgelaufene Jahr war für die Metall- und Elektroindustrie ein Rekordjahr, und 2007 werde der Höhenflug nach Einschätzung von Jürgen Peters anhalten. Der Vorsitzende der IG Metall rechnet mit einem Produktionsplus von 4,5 % bis 5,5 %. Bereits in den vergangenen drei Jahren habe die Branche um insgesamt 18 % zugelegt.

Von dieser Entwicklung würden nicht nur Großunternehmen profitieren, sondern auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Die Gewinne der KMU im verarbeitenden Gewerbe werden in diesem Jahr, so die IG Metall, mit zweistelligen Zuwachsraten steigen. Schon 2003 und 2004 hätten nach Angaben der Deutschen Bundesbank die Gewinne der KMU um 35 % zugenommen.

Vor diesem Hintergrund fordert die IG Metall Lohnerhöhungen von 6,5 % für die rund 3,4 Mio. Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Diese Empfehlung hat der Vorstand der Gewerkschaft am Dienstag bekannt gegeben. Am 26. Februar wird über diese Forderungsempfehlung beschlossen.

Der gesamtwirtschaftlich neutrale Spielraum aus Inflation und Produktivitätsanstieg, auf den sich die Forderungsempfehlung der IG Metall stütze, betrage für 2007 4,1 %. Dabei gehe die IG Metall von einem Anstieg der Produktivität von 1,8 % und 2,3 % bei den Verbraucherpreisen aus. In der Metall- und Elektroindustrie liege dieser Spielraum jedoch mit 6,5 % deutlich höher, meint Peters.

Durch die Tariferhöhung, so die IG Metall, würden die Binnenkonjunktur und die öffentlichen Haushalte gestärkt und die Sozialversicherungen entlastet. Die Unternehmen könnten eine solche Erhöhung angesichts der guten Konjunktur verkraften, zudem sei der Lohnanteil am Umsatz gesunken. Derzeit würde nur noch jeder sechste Euro vom Umsatz für Löhne ausgegeben, Mitte der 90er Jahre war es noch jeder vierte

Nach Auffassung von Gesamtmetall sei die klassische Lohnformel, die sich hauptsächlich an der Produktivität orientiert und die der IG-Metall-Forderung zugrunde liegt, problematisch. Dabei würden Messgrößen wie Produktivitätszuwächse und sinkende Lohnstückkosten als Spielraum für Entgelterhöhungen „missdeutet“, wo sie in Wahrheit nur einen Verlust an Wertschöpfung widerspiegelten, so Gesamtmetall-Geschäftsführer Thomas Vajna. An Stelle der Fokussierung auf die Produktivität fordert Gesamtmetall eine moderate, wettbewerbsorientierte Lohnpolitik, „um die gerade erkämpfte gestärkte Wettbewerbsposition auf den internationalen Märkten nicht zu verschlechtern“.

In eine solche Lohnformel sollten neben der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der Preissteigerung auch die Gewinne, gemessen an der Umsatzrendite nach Steuern, die Arbeitslosigkeit in den Metall- und Elektroberufen, die Entwicklung des Euro gegenüber dem Dollar und der Anstieg der Löhne im Ausland einfließen.

Für die diesjährige Lohnrunde heißt das aus Sicht von Gesamtmetall: eine dauerhaft wirkende Lohnerhöhung, die möglichst niedrig ausfällt und, als „Konjunkturbonus“, eine variable Einmalzahlung. Die IG Metall warnt jedoch davor, die tabellenwirksame Erhöhung durch eine Einmalzahlung ersetzen zu wollen. Peters: „Einen Richtungswechsel wird es nicht geben.“

Auch Gesamtmetall geht davon aus, dass es in diesem Jahr ein Produktionsplus geben wird, auch wenn die Erwartungen nicht mehr so hoch seien wie 2006. Zwischen Januar und November 2006 verzeichnete die Branche ein Produktionsplus von knapp 8 %. Auch die Ertragslage sei die beste seit neun Jahren, räumt Vajna ein. Dennoch mahnt er zur lohnpolitischen Zurückhaltung, um die verbesserte Wettbewerbsposition und den Beschäftigungsaufbau nicht zu gefährden. Im vergangenen Jahr ist die Beschäftigung in der Branche leicht um rund 30 000 auf 3,43 Mio. Personen gestiegen.

Überdurchschnittlich zugenommen hat die Zahl der Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Plus von 11 %. Allerdings hat die Zahl der Leiharbeitnehmer deutlich zugelegt. In den vergangenen zehn Jahren stieg sie von knapp 80 000 auf 150 000. Mittlerweile ist jeder vierte Leiharbeiter in Deutschland in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt, so der Bundesverband Zeitarbeit.

Die diesjährige Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie soll schneller zu einem Abschluss gebracht werden als die im vergangenen Jahr. Das jedenfalls will Gesamtmetall. 2006 gab es, alle Regionen zusammengenommen, insgesamt 58 Verhandlungsrunden. Die Arbeitgeber wollen ihr Angebot dieses Jahr früher auf den Tisch legen, kündigte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführerin Heike Maria Kunstmann an.

Tarifverhandlungen gibt es bereits in der Chemischen Industrie. Nach den ersten regionalen Verhandlungen sollen die Gespräche für die knapp 520 000 Beschäftigten Anfang Februar auf Bundesebene fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnsteigerung von 4 %. Der Abschluss, so IG BCE-Verhandlungsführer Werner Bischoff, könnte aus zwei Komponenten bestehen: Einer dauerhaften Erhöhung, die nicht unter 3 % liegen dürfe, und einer Einmalzahlung.

Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert für die 680 000 Beschäftigten am Bau 5,5 % mehr Geld. Hier laufen die Tarifverträge Ende März aus. Anschließend folgen die Druckindustrie, der Einzelhandel, sowie der Groß- und Außenhandel. Im Sommer verhandeln dann die Bahn, Telekom und das Versicherungsgewerbe.

HARTMUT STEIGER/ses

Von Hartmut Steiger/Ses

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