Metall- und Elektroindustrie

Jahre des Aufholens in der deutschen Industrie

Das Vorkrisen-Niveau bei Produktion und Aufträgen ist noch nicht wieder erreicht, die Zahl der Arbeitsplätze wird geringer sein als 2008, sagt Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Prekäre Beschäftigung sei in der Branche aber kein großes Problem.

Die Metall-Arbeitgeber warnen vor Euphorie. „2010 und 2011 sind keine Rekordjahre, sondern Jahre des Aufholens“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser Anfang der Woche in Berlin. Noch liege das Produktionsniveau 30 %, die Auftragseingänge 20 % unter dem Stand von 2008. Erst Ende 2011 könnte, „wenn es gut läuft“, wieder das Niveau vor der Krise erreicht werden.

Im vergangenen Jahr sind laut Kannegiesser in Deutschland in der Metall- und Elektroindustrie 40 000 Arbeitsplätze geschaffen worden, bis Ende 2011 könnten weitere 60 000 hinzukommen. Da jedoch durch die Krise 200 000 Stellen weggefallen sind, bleibt selbst unter dieser optimistischen Annahme ein Verlust von 100 000 Arbeitsplätzen. Zudem würden die Unternehmen einen „Überhang“ von 50 000 Beschäftigten halten, für die „eigentlich keine Arbeit da ist“. 100 000 Beschäftigte arbeiteten kurz.

In der Krise haben Arbeitgeber und IG Metall kooperiert, um Beschäftigung zu sichern. Jetzt ist zwischen den Tarifparteien ein Konflikt ausgebrochen. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, dass 85 % der neuen Stellen befristet sind oder an Leiharbeiter gingen.

Die ungleiche Bezahlung von Leih- und Stammkräften ist nach Ansicht des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber „ein ökonomisch sehr starker Anreiz, um Stammarbeitsplätze durch Leiharbeit zu ersetzen“. Diese Umschichtung ließe sich nur durch die gleiche Bezahlung verhindern.

Für die Arbeitgeber dagegen ist Leiharbeit unverzichtbar als Instrument, um Schwankungen der Auftragslagen auszugleichen, so Kannegiesser. Eine geringere Produktivität sowie die kürzere Verweildauer in den Unternehmen würden die unterschiedliche Entlohnung rechtfertigen. Ende 2010 habe es in der Branche rund 200 000 Leiharbeiter gegeben, vor der Krise seien es es 234 000 gewesen. Mit 95 % zähle der größte Teil der insgesamt 3,4 Mio. Beschäftigten zu den Stammbelegschaften.

Neben der Leiharbeit ist der IG Metall die häufige Befristung ein Dorn im Auge. Zudem steige die Zahl der Werkverträge deutlich, vor allem bei hoch Qualifizierten, sagt Huber.

Kannegiesser hält dagegen: Weil die Unternehmen noch unsicher seien, was die konjunkturelle Entwicklung angeht, werde die Befristung gebraucht. „Wir können unsere Belegschaften nicht verbeamten.“ In den vergangenen Jahren sei knapp die Hälfte der Neueinstellungen befristet gewesen. Prekäre Beschäftigung sei auch nicht das große Thema der Metall- und Elektroindustrie. Drängender sei vielmehr der Fachkräftemangel, der „mittelfristig zu einem ernsten Problem“ werden könne.

Eine Lohnrunde steht 2011 in der Metallindustrie nicht an. Rund ein Drittel der Betriebe hat aber die 2010 vereinbarte zweite Stufe der Tariferhöhung von 2,7 % vom April auf den Februar vorgezogen. Davon betroffen ist die Hälfte der Beschäftigten. Künftige Lohnrunden könnten allerdings härter werden, wenn es nach dem nordrhein-westfälischen IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard geht. Der hat vorgeschlagen, in Tarifrunden nicht mehr nur Inflationsrate und Produktivitätsentwicklung zum Thema zu machen, sondern auch sozialpolitische Entscheidungen der Politik. „Wer die Musik wie die Arbeitgeber bei der Rente und der Gesundheitsreform mitbestellt hat, der muss sie auch mitbezahlen.“ Burkhard denkt z. B. an Lohnzuschlag für die Altersvorsorge.

Der IG-Metall-Vorsitzende Huber hält davon nichts. Er bezweifelt, dass „Tarifrunden politische Entscheidungen korrigieren können“. Auch Gesamtmetall lehnt den Vorschlag ab. Es gebe eine Absprache mit der Gewerkschaft, wonach „die Tarifpolitik gesetzliche Veränderungen bei Abgaben und Steuern nicht verschieben kann und darf“. Sonst müssten Änderungen bei Steuern und Abgaben gleichzeitig zu Erhöhungen oder Senkungen der Löhne führen. Fachleute rechnen aber damit, dass der Vorschlag Burkhards auf die Tagesordnung des nächsten Gewerkschaftstages der IG Metall im Herbst kommt. BB/HAS

Von Birgit Böhret/Hartmut Steiger

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