Plagiate

Industrie rüstet sich für den Kampf gegen Produktpiraten

Für Messebesucher unsichtbar und oft nur schwer vom Original zu unterscheiden: Produktpiraterie bleibt ein kostspieliges Dauerthema für die Industrie. Doch die Entwickler von technischen Schutzmaßnahmen halten mit immer besseren Identifikations- und Authentifizierungsmethoden dagegen.

Die Sicherung von Produkten vor Nachahmung gleicht einer Gratwanderung: Denn der Erhöhung des Kopierschutzes und der Qualitätssicherung könnten etwa höhere Kosten, schwierige Rechtsfragen oder Absatzrückläufe gegenüberstehen. Daher machen es sich die Maschinenhersteller nicht leicht, Lösungswege zu finden, die für den Kunden und sie selbst attraktiv sind.

Zu den am häufigsten kopierten Objekten gehören Ersatzteile, mit denen die Maschinenhersteller bekanntlich besonders lukrative Geschäfte machen. Darum gehört es zu den vorrangigen Zielen im Kampf gegen Produktpiraterie, die Benutzung von Originalteilen zu erwirken, etwa dadurch, dass die Maschine Ersatzteile identifiziert. „Die Schutzmechanismen machen die Maschinen nicht teurer“, versicherte Ekkehard Gericke von Festo, Esslingen. Auf Basis des mit der Echtheitsprüfung einhergehenden Condition Monitoring könnten weitere Kontrollmöglichkeiten, etwa über den Zustand der Pneumatik, integriert werden, die dem Kunden einen Zusatznutzen bieten würden.

In der Fülle von Schutzmaßnahmen würde die persönliche Zusammenarbeit mit den Kunden eine besonders wichtige Rolle spielen, ergänzte Alfred Geißler von Deckel Maho, Pfronten. Im Rahmen von Verträgen könnte das Versprechen des Kunden, nur Originalteile zu verwenden, mit attraktiven Net-Service-Leistungen einhergehen. Unterdessen sei der Plagiatweltmeister China mittlerweile auch als Selbstentwickler und technologisch kreativer Konkurrent ernst zu nehmen. „Das chinesische Know-how steigt“, so Geißler.

Insbesondere in Krisenzeiten sei das mit großen Margen verbundene Ersatzteilgeschäft pirateriegefährdet, betonte Frank Hallfell von der Enbiz GmbH, Kaiserslautern. Überdies böte das Kopieren von Teilen Produktpiraten den Einstieg in die Herstellung von komplexeren Konkurrenzprodukten. „Ersatzteile sind für Piraten ein ideales Versuchsfeld“, so Hallfell. Aus kleinen Piraten könnten sich irgendwann ernste Konkurrenten entwickeln. Ein erster Schritt im Schutz vor Piraterie sei die Schaffung von Transparenz für den Ersatzteilmarkt. Dazu gehöre eine Risikoanalyse mit einem Ranking über die besonders pirateriegefährdeten Teile. „Es werden nicht alle tausend Teile kopiert“, berichtete Hallfell. Am stärksten betroffen seien diejenigen mit besonders hohem Verschleißfaktor.

Zu den aktuellen Lösungsansätzen gehört die von Bayer Technology Services entwickelte Authentifizierungsmethode „ProteXXion“, die 2007 auf der Hannover Messe den Hermes Award erhielt. Die Technologie mit dem „digitalen Fingerabdruck“ sei noch etwas verfeinert worden, sagte Dr. Thomas Birsztejn von Bayer, Leverkusen. So würden die bei der Identifizierung individueller Produktoberflächen verwendeten Lasersensoren mittlerweile nur noch die Größe einer Streichholzschachtel besitzen.

Zu den jüngsten Firmen, die sich auf Produktschutz spezialisierten, gehört Original1 aus Frankfurt am Main. In Kooperation mit Nokia, SAP und dem Banknoten-Druckspezialisten Giesecke & Devrient arbeitet das zehnköpfige Unternehmen an Softwareprodukten zur Fälschungserkennung. „Zum Konzept gehört eine globale industrieübergreifende Datenbank“, erklärte Geschäftsführer Henrik Stammer. Das funktioniere u. a. mithilfe von Codes in Form von Funketiketten (RFID-Tags), 2-D-Barcodes oder digitaler Graubilder. Schon heute sei es möglich, mittels Mobiltelefonen mit integrierter Kamera 2-D-Barcodes zu erkennen, was die Echtheitsprüfung sogar für ungeübte Anwender zum Kinderspiel werden lasse.

Fazit: Die Industrie ist jetzt hellwach und bekämpft die Hersteller von Plagiaten mit modernsten Methoden. Jetzt gilt es entsprechende Prozesse in der Praxis umzusetzen. LARS WALLERANG/KIP

Von Lars Wallerang/Dietmar Kippels

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