Recht

In Nachbarländern wird schon lange gefeilscht – zum Wohle aller

Verkäufer und Kunden müssen sich nicht fürchten. Die Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung wird weder eine ruinöse Preisschlacht verursachen noch die Produktqualität negativ beeinflussen. Eine Studie in Nachbarländern beweist es.

Unternehmen und Verbraucher sind überwiegend zufrieden – zumindest in den Niederlanden, Frankreich und Österreich. Die dort jeweils geltenden Rabatt- und Zugabe-Regelungen treffen auf breite Zustimmung. Das ist im Wesentlichen das Ergebnis einer Studie, die die Düsseldorfer Unternehmensberatung Ericsson Consulting GmbH nach Umfragen bei Experten und Verbänden in den drei Ländern erstellt hat. Befragt wurden zudem Unternehmen unter anderem aus den Branchen Textilhandel, Baumärkte, Airline, Elektrohandel und Medien.

Besonders liberal ist die Gesetzeslage in den Niederlanden. Grundsätzlich sind dort alle Formen von Rabatten und Zugaben erlaubt. Dies wird der Studie zufolge von allen Befragten einhellig als positiv empfunden. Gerade für die Unternehmen stellen Aspekte wie „größere Flexibilität“ und eine damit verbundene „bessere Ausnutzung des Marktpotenzials“ eindeutige Vorteile dar. Zudem sorge die liberale Gesetzgebung auf jeden Fall für eine höhere Kundenzufriedenheit.

„Einem drohenden ,Preisverfall´ durch Rabatte/Zugaben oder gar einem ,Verlust der Produktqualität´ kann niemand zustimmen“, heißt es in der Studie. Unternehmen nutzen vielmehr die Möglichkeit, durch Rabatte und Zugaben neue Kunden zu gewinnen und gleichermaßen Stammkunden zu halten. Dabei gehe es nicht um häufige Preissenkungen, sondern vielmehr darum, das Angebot für den Konsumenten durch den Einsatz intelligenter Rabatt- und Zugabekonzepte möglichst attraktiv zu gestalten. Dabei nutzt die Deregulierung von Rabatten und Zugaben gerade auch kleinen und mittelständischen Händlern. So herrscht die Überzeugung vor, ein liberales Wettbewerbsrecht fördere nicht die Großen im Vergleich zu den Kleinen, sondern die Schnellen und Flexiblen im Vergleich zu den Langsamen und Erstarrten.

In Frankreich sind Preisreduzierungen und Preiserstattungen gegenüber dem Verbraucher grundsätzlich erlaubt. Verboten sind allerdings Verkäufe unter dem Einstandspreis. Zudem besteht noch immer ein Zugabeverbot, wobei nicht eindeutig geklärt ist, wann es sich um eine Zugabe handelt und wann nicht. Kein Wunder, dass die befragten Unternehmen und Verbände diese Rechtsunsicherheit als problematisch ansehen.

Generell sehen die Befragten auch in Frankreich zum überwiegenden Teil Vorteile. „Wir können flexibel auf Marktgegebenheiten reagieren“, heißt es etwa bei einem befragten Textilhandelsunternehmen. Darüber hinaus stellen Verbraucherverbände eine höhere Kundenzufriedenheit durch Rabatte und Zugaben fest. „Ein Preisverfall durch Rabatte oder Zugaben ist kein Thema und auch einen Verlust von Produktqualität kann niemand bestätigen“, so die Studie. Gerade kleine Firmen können von der Gesetzeslage profitieren: „Während der Angestellte in einem Warenhaus sich in der Regel strikt an die vorgegebenen Richtlinien für Nachlässe halten muss, kann ein kleineres Geschäft durch direkte Kommunikation individuell und flexibel auf die Wünsche und Bedürfnisse eines Kunden eingehen“, heißt es.

In Österreich existiert seit 1992 kein Rabattgesetz mehr. Zudem sind Zugaben gegenüber Verbrauchern zulässig, gegenüber Unternehmen dagegen verboten.

Nach Angaben der befragten Verbände und Unternehmen wird auch dort der gezielte Einsatz von Rabatten von den Verbrauchern überwiegend als positiv bewertet: „Weder ist die Preisgestaltung für den Konsumenten intransparent geworden, noch hat er die gewährten Rabatte mit einer Einschränkung der Produktqualität bezahlt.“ Zum anderen konnten die Firmen nach eigenen Angaben das Angebot für den Verbraucher attraktiver gestalten und so Stammkunden und Neukunden gezielter umwerben und an sich binden.

Und wie sind die Perspektiven für Deutschland nach dem Fall des Rabattgesetzes? „Ich denke, dass wir Zufriedenheit sowohl auf Seiten der Wirtschaft als auch auf Seiten der Verbraucher erwarten dürfen“, meint Timo Sieg von der Unternehmens- und PR-Beratung Kohtes Klewes. Statt „stupidem Preiskampf“ wünscht er sich eine Vielzahl kreativer, intelligenter Marketingaktionen: „Ich erwarte als Kunde, dass, wenn ich ein Geschäft am umsatzschwachen Morgen besuche, 20 % Rabatt auf alle Produkte bekomme.“ Das ist aber nicht alles. „Wir erwarten Gewinner auf Unternehmensseite, die durch kreative Ideen ihre Absatzchancen erhöhen und ihre Stammkunden halten können.“

Die Ericsson Consulting-Studie untermauert diese Erwartungen. „Die Abschaffung der rechtlichen Regelungen wird überwiegend positive Auswirkungen haben“, lautet hier das Fazit. Den Unternehmen werde die Möglichkeit gegeben, gezielt Kunden durch besondere Preise und Zugaben zu belohnen. Gewinnen würden nicht zwangsläufig große Unternehmen, sondern solche, die Kreativität bewiesen und sich schnell und flexibel auf neue Situationen einstellten. „Dieses kann kleinen Unternehmen unter Umständen sogar besser gelingen als großen, da sie nicht so lange Entscheidungswege durchlaufen müssen.“ Somit könnten gerade auch kleine und mittelständische Firmen mit positiven Effekten rechnen.

JÜRGEN ACKERMANN

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