Arbeitsrecht

„Gewinne zur Hälfte teilen“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 4. 06, has – Die Bundesregierung will die Gewinn- und Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer ausbauen. Solche Beteiligungen dürften aber nicht zu Lasten der Löhne gehen, so der Ökonom Heinz-J. Bontrup von der FH Gelsenkirchen. Er plädiert für eine Aufteilung der Gewinne zwischen Eigentümern und Beschäftigten.

Bontrup: Dabei werden die Beschäftigten am versteuerten Gewinn der Unternehmen beteiligt. Was heute vor allem von Arbeitgebern favorisiert wird, ist eine unechte Gewinnbeteiligung.

VDI nachrichten: Was ist der Unterschied?

Bontrup: Die unechte Gewinnbeteiligung wird mit Lohnerhöhungen verrechnet. Danach sollen Löhne gesenkt werden oder weniger steigen als der verteilungsneutrale Produktivitätszuwachs. Die Unternehmen sollen dann, so die Idee, die Auszahlung von Teilen des Lohns an den Ertrag koppeln. Die echte Gewinnbeteiligung hat damit nichts zu tun. Hier wird der versteuerte Gewinn, nach Abzug der Aufwendungen für Vorsorge und Investitionen und des Unternehmerlohns, zur Hälfte zwischen Eigentümern und Beschäftigten geteilt.

VDI nachrichten: Wie kann eine Kapitalbeteiligung aussehen?

Bontrup: Die Gewinnbeteiligung kann in eine Kapitalbeteiligung umgewandelt werden, wenn das Geld im Unternehmen bleibt. Dann stellt sich die Frage, ob es sich um eine Eigen- oder um eine Fremdkapitalbeteiligung handelt.

VDI nachrichten: Was heißt das für die Beschäftigten?

Bontrup: Bei der Eigenkapitalbeteiligung ist der Mitarbeiter auch Miteigentümer und haftet für Verluste. Bei einer Fremdkapitalbeteiligung gibt er, wie eine Bank, dem Unternehmen ein Darlehen, ohne das Risiko mitzutragen.

VDI nachrichten: Kann es Gewinn- und Kapitalbeteiligungen geben, ohne dass die Beschäftigten auch für Verluste geradestehen?

Bontrup: Gewinnbeteiligungen sind bei Vorstandsmitgliedern schon heute üblich, und keiner haftet mit seinem Einkommen für Verluste.

VDI nachrichten: Wie realistisch ist Ihr Modell?

Bontrup: Es ist ökonomisch rational, wenn man berücksichtigt, dass der Kapitalismus den Massenkonsum braucht, und der hängt von der Einkommensverteilung ab. Die ist aber in eine Schieflage geraten, vor allem in den vergangenen fünf Jahren. Zwischen 2001 und 2006, für das laufende Jahr gehen die Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums ein, wurden in Deutschland 202 Mrd. € Gewinne erwirtschaftet. Davon haben die Unternehmer und die Bezieher von Vermögenseinkommen (Zinsen, Pachten, Mieten) 171 Mrd. € bekommen, 31 Mrd. € gingen an die 34 Mio. abhängig Beschäftigten, die dieses Ergebnis letztlich erwirtschaftet haben. In Deutschland besitzen 3 % der privaten Haushalte 80 % des Produktivkapitals und 10 % der Haushalte besitzen rund die Hälfte des Netto-Geldvermögens, das, nach Abzug aller Schulden, rund 2,5 Billionen € beträgt. Da ist Spielraum für Umverteilung.

VDI nachrichten: Der Verteilungskonflikt wird damit aber nicht gelöst, nur in die Betriebe verlagert.

Bontrup: Man müsste darüber nachdenken, ob solche Beteiligungen betrieblich oder branchenbezogen über einen Fonds organisiert werden.

VDI nachrichten: Wird mit Ihrem Modell das Risiko der Unternehmer nicht zu wenig honoriert?

Bontrup: Nein, weil der „Faktor“ Arbeit für die Gewinnproduktion in den Unternehmen sorgt und weil vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit das Risiko von Arbeitsplatzverlust und Kapitalverlust fast gleich ist. Das Entscheidende ist doch, dass der „Faktor“ Arbeit gleichberechtigt an den Ergebnissen eines Unternehmens beteiligt wird. Die Nestoren der Betriebswirtschaftslehre wie Eugen Schmalenbach waren davon noch überzeugt.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie verhindern, dass Gewinne kleingerechnet werden?

Bontrup: Indem nur der steuerlich ausgewiesene Gewinn als Grundlage genommen wird. Hier sind die Gestaltungsmöglichkeiten geringer als in der Bilanz nach dem Handelsgesetzbuch. Außerdem kämen sonst auf den Staat enorme Steuerausfälle zu.

VDI nachrichten: Die Kapitalmärkte werden davon nicht begeistert sein.

Bontrup: Das Geld bleibt ja im Wirtschaftskreislauf, es wird nur personell umverteilt. Die Beschäftigten können ihre Beteiligungen entweder anlegen, sparen oder eine Mischform wählen. Es wird viel mehr Kleinaktionäre geben als heute, damit wird Kapital dezentralisiert und es würden bessere gesamtwirtschaftliche Ergebnisse erzielt.

VDI nachrichten: Ihr Modell setzt voraus, dass Unternehmen ihre Bücher öffnen. Ist das realistisch?

Bontrup: Publikumsgesellschaften müssen ihre Zahlen sowieso offen legen. Ein Problem sehe ich bei Mittelständlern, von denen viele sagen, dass es ihnen schon zu viel sei, wenn der Steuerberater wisse, wie viel Gewinn sie machten. HAS

Von Hartmut Steiger

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