Förderung

Geblockte Altersteilzeit hat Zukunft  

Ende des Jahres stoppt die Bundesagentur für Arbeit (BA) nach dem Willen der Regierung den Zuschuss für Altersteilzeit. Die FDP will dafür Arbeitnehmern ab 60 Jahren die Möglichkeit zum vorzeitigen Ausscheiden geben, Grenzen für Hinzuverdienst sollen fallen. Noch gibt es aber keine neue Regelung. In den nächsten Jahren werden viele Beschäftigte „geblockt“ in Altersteilzeit gehen. VDI nachrichten, Lübeck, 6. 11. 09, cha

„Das Blockmodell ist sehr populär. Die Mitarbeiter haben sich inzwischen an solche Vorruhestandsregelungen gewöhnt“, erklärt Michael Mostert, Sekretär für Tarifrecht bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), zur Altersteilzeitregelung im Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ der chemischen Industrie. Danach kann dort von den Beschäftigten ab 2010 zwar die Altersteilzeit sowohl geblockt als auch als gleitender Übergang in die Rente genutzt werden. Von einem ausgeprägten Bewusstsein, gleitend in die Rente zu gehen, könne bei den Mitgliedern der IG BCE aber nicht ausgegangen werden, meint Mostert.

Die Möglichkeit des früheren Ausstiegs sei auch deswegen in den Tarifvertrag der chemischen Industrie aufgenommen worden, weil die Politik es bisher versäumt habe, bei der Rente mit 67 „Sonderregelungen“ für besonders belastete Gruppen zu definieren, erklärt Mostert. In einer Betriebsvereinbarung kann daher in der chemischen Industrie nun geregelt werden, dass vor allem Schichtarbeiter in Altersteilzeit gehen dürfen. Einen individuellen Anspruch auf Altersteilzeit gibt es im Tarifbereich der IG BCE allerdings nicht.

Blockmodell wurde sogar zum Regelfall gemacht

In der Metall- und Elektroindustrie ist das Blockmodell mit Beginn des nächsten Jahres per Tarifvertrag sogar zum verbindlichen Regelfall gemacht worden. Insgesamt haben 4 % der Beschäftigten eines Betriebs ab dem 57. Lebensjahr selbst dann einen individuellen Anspruch auf einen Altersteilzeitplatz, wenn eine Betriebsvereinbarung nicht zustande kommt. „Die verblockte Teilzeit war auch schon in der Vergangenheit das meistgenutzte Modell, weil es sich als praktikabel erwiesen hat“, begründet Jörg Hofmann, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, den Tarifvertrag.

Susanne Wanger, Expertin für Altersteilzeit beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, hebt an dem Tarifwerk hervor, dass nun immerhin ein Teil der Altersteilzeitplätze (2,5 %) für solche Beschäftigten reserviert sind, die in Schicht arbeiten oder besonders starken Umgebungseinflüssen ausgesetzt sind. Ansonsten setzt der Tarifvertrag für Wanger aber falsche Signale, da er im Widerspruch zu den Implikationen des demografischen Wandels stehe.

Bis Ende 2008 hat die Altersteilzeit allein die Bundesagentur für Arbeit 8,5 Mrd. € gekostet, um die Wiederbesetzung der Stelle eines Altersteilzeitlers mit einem arbeitslos gemeldeten Beschäftigten, einem von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmer oder mit einem Auszubildenden durch finanzielle Anreize zu fördern. Zwei Drittel der Betriebe haben jedoch auf die Förderung verzichtet und die Altersteilzeit „zum sozialverträglichen Personalabbau“ oder zum „Verjüngen der Belegschaft“ genutzt, so das IAB in seinem Bericht zur Altersteilzeitförderung.

Gutverdiener nutzen die Möglichkeit überproportional

„Beschäftigte der oberen Einkommensklassen sind überproportional in Altersteilzeit zu finden“, kritisiert Wanger die bisherige Praxis. Hinzu kommt, dass fast 90 % der in Altersteilzeit Beschäftigten nicht etwa gleitend in den Ruhestand gehen, sondern geblockt. Wanger spricht daher von „unechter“ Teilzeit. In der Metall- und Elektroindustrie haben sogar fast 100 % das Blockmodell genutzt. Vor allem in Großbetrieben sei die Altersteilzeitregelung systematisch für die Frühverrentung instrumentalisiert worden. Auf Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern entfällt ein Drittel aller Altersteilzeitbeschäftigten. Zudem gehen in Großbetrieben die Altersteilzeitbeschäftigten im Anschluss an die Altersteilzeit noch früher in Rente (im Durchschnitt mit 61,3 Jahren) als ohnehin schon. „Selten dauert Altersteilzeit länger als bis zum 63. Lebensjahr“, sagt Wanger. Das IAB begrüßt das Auslaufen der bisherigen Förderung.

Es grenze an „Zynismus“, wenn das Institut glaube, mit dem Wegfall der Förderung könne Druck auf die Firmen ausgeübt werden, ältere Mitarbeiter länger als bisher zu beschäftigten, konterte IG Metall-Vorstandsmitglied Hans Jürgen Urban. „Es gibt einfach Berufe, in denen ein Arbeiten bis zur gesetzlichen Rente unmöglich ist“, präzisiert Bezirksleiter Hofmann die Position der IG Metall.

Dem stimmen auch Firmen zu. Bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg wird begrüßt, dass Mitarbeiter früher als mit 67 in Rente gehen können. „Audi sieht in der Altersteilzeit ein wichtiges personalpolitisches Instrument“, sagt auch Wolfgang Andreä, Leiter Personalpolitik und Grundsatzfragen bei Audi, Ingolstadt. „Deutlich teurer“ werde das Instrument nach dem Wegfall der Förderung durch die BA, meint Andreä. Doch trotz des Wegfalls der Förderung kostet die Altersteilzeit die Allgemeinheit Geld: Der mindestens 20 %ige Aufstockungsbetrag, den der Arbeitgeber einem Beschäftigten in Altersteilzeit zusätzlich zu dessen Regelarbeitsentgelt zahlen muss, bleibt steuer- und sozialabgabenfrei. R. SPIES

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