Arbeitsrecht

Fernsehen am Arbeitsplatz nur mit dem „O.k.“ des Chefs  

VDI nachrichten, Kamen, 6. 6. 08, cha – Die Fußball-EM 2008 wird in vielen Haushalten die Uhren wieder anders ticken lassen. Der Tagesablauf richtet sich dann nach den Anstoßzeiten der Spiele um Europas Fußballthron. Was daheim noch möglich ist, ist jedoch am Arbeitsplatz nicht so einfach umzusetzen. Inwieweit steht das Arbeitsrecht im Weg, wenn Spiele anstehen und die „Schicht“ noch nicht beendet ist? Kann vielleicht während der EM 2008 Sonderrecht beansprucht werden?

Dies vorweg: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind Vertrags“partner“. Und „Vertrag“ kommt von „vertragen“. Also lässt sich viel auf dieser Schiene regeln – wenn betriebliche Belange nicht entgegenstehen. Womit das rein Rechtliche schon angesprochen ist: Der Arbeitgeber entscheidet letztlich, welcher seiner Mitarbeiter wann (bezahlten oder unbezahlten) Urlaub machen kann, wobei er zumindest beim bezahlten Urlaub auf jeden Fall die Wünsche seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen hat. Die vom Chef gegebenenfalls ins Feld geführten betrieblichen Gründe stehen einem Urlaubswunsch der Mitarbeiter allerdings dann im Wege, wenn der betriebliche Ablauf durch die Freistellung erheblich beeinträchtigt würde.

Aber auch bei einer verlangten „Stückelung“ von Urlaubsteilen – etwa wenn ein Angestellter jeweils zu bestimmten Spielen ein bis zwei Tage urlauben möchte – kann ein Nein des Arbeitgebers kommen, und zwar aus objektiv arbeitsrechtlicher Sicht. Urlaub ist nämlich grundsätzlich zusammenhängend zu gewähren. Stichwort: Erholung. Das Bundesurlaubsgesetz sieht deshalb vor, dass ein Urlaubsteil pro Jahr wenigstens zwei Wochen umfassen muss.

Und wie ist es mit der Versetzung in eine andere Schicht? Wünschen kann es der Fußballfreund – verlangen nicht. Dennoch wird ein einsichtiger Chef, eine frühzeitige Anmeldung unterstellt, eine Schicht durchaus anders personell bestücken als ursprünglich geplant, wenn es dadurch keine Probleme im Betriebsablauf gibt.

Nun könnte es in diesem Zusammenhang zur Arbeitsverweigerung oder zum „Krankmachen“ kommen. Generell darf solchem Tun zwar nur dann die Kündigung folgen, wenn das Verhalten des Mitarbeiters schon einmal per „gelber Karte“ abgemahnt wurde. Hat der Arbeitnehmer jedoch nach einem ausdrücklichen Nein seines Arbeitgebers den Arbeitsplatz mit dem Bemerken verlassen, dass er schon einen Weg finden werde, seinen Willen durchzusetzen, so könnte das mit dem Zücken der „roten Karte“ das Ende seiner Karriere in dem Betrieb sein – auch wenn eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung folgen sollte, er aber (vielleicht) doch beim Spiel gesichtet wurde…

Und wie steht es mit dem Radio hören oder gar einem 90-minütigen Fernsehen während der Arbeitszeit? In beiden Fällen kommt es auf das Entgegenkommen des jeweiligen Chefs oder Vorgesetzten an. Das Radio dürfte im Regelfall die geringeren Probleme bringen. Den „begleitenden“ Alkoholkonsum dürfte aber kaum ein Firmeninhaber gutheißen – wenn er nicht selbst vom Fußballfieber gepackt wird.

Grundsätzlich gilt: Obwohl es sich bei der Fußball-EM 2008 im wahren Sinne des Wortes um ein einmaliges Ereignis handelt, geraten die arbeitsrechtlichen Pflichten dadurch nicht ins Abseits – weder den Beginn noch den Verlauf noch das Ende der Tätigkeit betreffend. Ob dies für Unternehmer und Betriebsräte Anlass gewesen ist, eine offizielle Betriebsvereinbarung abzuschließen, dürfte die Ausnahme sein. Eine solche könnte allerdings von vornherein Streitpunkte vermeiden helfen.

Dass unabhängig davon möglicherweise häufiger als sonst im Betrieb das Internet genutzt wird, um Ergebnisse abzurufen, ist möglich. Je nach (fußballerischer) Veranlagung von Chefs und Vorgesetzten wird solches Tun wohl auch nur selten zur gelben Karte oder einem „Platzverweis“ führen, wenn“s nicht übertrieben wird – es sei denn, privates Surfen sei ausnahmslos untersagt…

W. BÜSER/M. HEITMANN

Von W. Büser/M. Heitmann

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