Recht

Fälscher vernichten 50 000 Arbeitsplätze

Die Aktion Plagiarius prangert jährlich Hersteller von Produktkopien an. Deren Arbeit wird immer professioneller. Unterschiede zwischen Original und Fälschung werden oft erst bei Funktionstests sichtbar. Die Qualität der Plagiate ist mangelhaft. Verärgerte Käufer stellen den guten Ruf des Urhebers in Frage.

Klar ist: Plagiate und Markenpiraterie sind keine Kavaliersdelikte – sie sind ein kriminelles Vergehen.“ Durch das dreiste Nachahmen von geistigem Eigentum anderer gehen, laut Dr. Ingo Kober, Präsident des Europäischen Patentamtes, allein in Deutschland jährlich etwa 50 000 Arbeitsplätze verloren. „Nach Angaben der EU und der Internationalen Handelskammer entfallen 5 % bis 7 % des gesamten Welthandels auf plagiierte Produkte.“ Besonders eklatant ist die Situation in der Softwarebranche: Laut Schätzungen der EU-Kommission werden fast 40 % der Branchenumsätze innerhalb der Union mit kopierten Programmen gemacht.
„Die Folgen für alle betroffenen Unternehmen sind verheerend“, unterstreicht Kober. Angefallene Entwicklungskosten seien, wegen der meist billiger verkauften Fälschungen, kaum wieder einzunehmen. Außerdem drohten irreparable Image-Schäden infolge von Verwechslungen mit den qualitativ oft minderwertigen Kopien. „Der existenzielle Ruin kann die Folge sein.“
Um dem entgegen zu wirken, startete Prof. Rido Busse 1977 die Aktion Plagiarius. Seit dem wird jährlich die gleichnamige Negativauszeichnung verliehen – ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Wie schon in der Vergangenheit war auch bei der jüngsten „Ehrung“ vergangene Woche in Frankfurt keiner der Preisträger vor Ort. „Wüssten die im Vorfeld von ihrer Auszeichnung, würde es einstweilige Verfügungen gegen uns regnen.“ Für die Plagiatoren hätte sich ein Auftritt aber auch nicht gelohnt. „Echte Urkunden bekommen nur die Opfer. Die Schädiger bekommen natürlich nur Kopien.“
Den „ersten Preis“ sicherte sich die Alutop AG, Vaduz. Die Liechtensteiner kopierten eine Profilserie der Solinger Item GmbH. „Das Plagiat gleicht dem Original auf den Zehntelmillimeter“, erklärt Item-Geschäftsführer Stephan Kastner. „Die Radien und Funktionsflächen sind absolut identisch. Dabei ist es aus technischer Sicht gar nicht zwingend erforderlich, die selben Maße zu nutzen. Alutop orientiert sich teilweise gar an unserer Namensgebung, der Katalogdarstellung und den produktbeschreibenden Texten.“
Der zweite Preis wurde der koreanischen Firma Heart Basket zugesprochen. Sie kopierte einen Henkelbecher mit Minisnackteller aus der Serie „Update“ des Originalherstellers Kahla aus Thüringen.
Dritter „Sieger“ wurde die Firma Zhejiang Hangyu. Die Chinesen fälschen bereits seit zwei Jahren den Trennschleifer 400 der Firma Stiehl aus Waiblingen. Dabei nähert sich das Plagiat immer stärker dem Original an. Inzwischen werden selbst die gleichen Gehäusefarben genutzt.
Wegen der stets wachsenden Anzahl eingeschickter Kopien entschloss sich die Jury in diesem Jahr erstmals, Sonderpreise zu vergeben, etwa für Serientäter. Hier siegte die Firma China Tuhsu Zhejiang. Sie kopiert gleich elf Produkte des Unternehmens Koziol – ideas for friends GmbH.
Feste Kriterien, nach denen Preisträger ausgewählt werden, gibt es nicht. „Die Preisrichter stehen immer wieder vor der Frage: Ist es besonders dreist, ein Produkt perfekt zu kopieren? Oder ist es noch dreister, ein Produkt mangelhaft nachzuahmen?“, so Busse. Ein Mitglied der jährlich wechselnden Jury brachte es in der Vergangenheit auf den Punkt: „Ich lasse mich vom Grad meiner Empörung leiten.“
STEFAN ASCHE

Schutzrechte
Kampf den Piraten
Wer sein geistiges Eigentum vor Plagiatoren schützen will, dem steht seit März 2002 das „nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster“ zur Verfügung. Es gewährt kostenlos EU-weiten Schutz. Um sich darauf berufen zu können, muss die Schöpfung lediglich „offenbart“ worden sein. „Wann etwas “offenbart“ ist, ist aber leider noch unklar“, so Schutzrechtsexpertin Dr. Aliki Busse, München. Reicht die Präsentation auf einer lokalen Messe? Oder muss es eine internationale Ausstellung sein? „Auf der sicheren Seite steht, wer sein Produkt auf designpublisher.de vorstellt.“ Das kostet je nach Anzahl der veröffentlichten Ideen höchstens 50 „. Ab dem 1. April steht darüber hinaus auch das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster (GGM) zur Verfügung. Ab Anmeldetag werden dann Schöpfungen für längstens 25 Jahre geschützt. Das nicht eingetragene GGM ist für drei Jahre ab dem Offenbarungstag geschützt. Es kann innerhalb von zwölf Monaten ab Offenbarung zum eingetragenen Geschmacksmuster angemeldet werden. sta
www.designpublisher.de

Von Stefan Asche

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