Sie dienen der Motivation 01.10.1999, 17:23 Uhr

EM.TV: Gestern Mitarbeiter, heute auch Millionär

geldwerte Vorteile. Das sind Leistungen, die Arbeitnehmer zusätzlich zum Gehalt von ihrer Firma bekommen. Doch der Fiskus verdient mit.

Der Tellerwäscher hat in Amerika als Erfolgsmodell ausgedient. Heute hat man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten als kleiner Angestellter mit Aktienoption viel eher eine Chance, an dem Wachstum des Unternehmens beteiligt zu werden und als Millionär die Arbeitsstätte zu verlassen. Doch Beteiligungen müssen nicht immer so spektakulär sein. Vergünstigungen oder eine Art zweites Gehalt für die Mitarbeiter sind auch in deutschen Unternehmen möglich, aber eben nicht mit unbegrenzten Möglichkeiten.
„Freiflüge bekommen wir nicht, das ist ein Vorurteil“, sagt Sabine Heß, Pressesprecherin der Deutschen Lufthansa. Die Mitarbeiter können Flüge für 10 % des regulären Preises zuzüglich Sicherheitsgebühr und Steuer in Anspruch nehmen. Allerdings muß der Angestellte dann sehr flexibel sein, denn es sind Stand-By-Flüge. Weil 90 % des Preises zu sparen gewissermaßen eine Einnahme ist, fordert das Finanzamt die Versteuerung dieses „geldwerten Vorteils“. Aber selbst damit kommt ein Lufthansa-Angestellter immer noch billiger nach New York als andere Arbeitnehmer.
Die Lufthansa wie auch andere Unternehmen bieten ihren Leuten eine Ergebnisbeteiligung an, wenn das abgelaufene Geschäftsjahr gut war. Der Lufthansa-Mitarbeiter konnte zum Beispiel für das vergangene Jahr zwischen Bargeld, Aktien oder Aktienoptionen wählen. Wer das Geld bar auf die Hand wollte, bekam 1100 DM auf dem Lohnzettel gutgeschrieben. Von dem höheren Gehalt zog das Finanzamt ganz normal Steuern ein und auch die Sozialversicherung forderte ihren Teil – wie beim Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Wählte ein Angestellter Aktien als Ergebnisbeteiligung, hatten diese einen Wert von 1350 DM, von denen 300 DM steuerfrei waren. Verkaufen kann er die Aktien frühestens im Jahr 2004. Sollte es von den drei Möglichkeiten der Ergebnisbeteiligung die mit dem größten Risiko behaftete Aktienoption sein, hatten diese einen Geldwert von 1600 DM, von denen ebenfalls 300 DM steuerfrei waren.
Bei den Aktienoptionen hat das Finanzamt bislang noch ein Zeitproblem mit der Besteuerung: Soll besteuert werden, wenn die Option eingeräumt wird oder aber, wenn sie ausgeübt wird? Von der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main heißt es dazu, daß der Fiskus üblicherweise bei der Ausübung der Option zur Kasse bittet, es sei denn, der Angestellte hat schon zu dem Zeitpunkt, wenn ihm der Aktienkauf zu einem späteren Zeitpunkt eingeräumt wird, wirtschaftliche Vorteile gegenüber anderen angestellten Steuerzahlern.
Die Angestellten der Automobilhersteller erhalten etwa 20 % Rabatt auf die Autos des Hauses. Alle neun Monate räumt Volkswagen den Mitarbeitern die Rabatt-Autos ein, bei Opel kann man theoretisch jeden Monat ein Auto kaufen. Die Differenz zum Listenpreis, der unverbindlichen Kaufpreisempfehlung, wird genauso als geldwerter Vorteil versteuert wie zum Beispiel der Vorteil eines Mitarbeiters, in einer Werkswohnung zu leben. Dort gilt die Differenz zwischen tatsächlich gezahlter und der ortsüblichen Miete für vergleichbare Wohnungen als Berechnungsgrundlage für den geldwerten Vorteil.
Doch egal ob bei Flügen, Autos, Dienstwagen, Werkswohnungen oder mit Personalrabatt gekaufte Waren – die Vorteile gegenüber anderen Arbeitnehmern müssen erst von einem Betrag ab 2400 DM im Jahr versteuert werden. Spätestens am Ende des Jahres kann der begünstigte Mitarbeiter beim Finanzamt steuerlich geltend machen, wenn sein geldwerter Vorteil im Laufe des Jahres nicht mehr als 2400 Mark betragen hat.
Mit Beteiligungen wollen Unternehmer ihre Angestellten vor allem motivieren und an sich binden. „Wir haben alle Mitarbeiter zu Mitgesellschaftern gemacht“, erläutert Thomas Haffa, Vorstandsvorsitzender von EM.TV aus München das Prinzip. Im Oktober vergangenen Jahres ging das Medienunternehmen an den Neuen Markt der Frankfurter Börse. Vier von fünf Mitarbeitern, „von der Empfangsdame bis zum Vorstand“, nutzten damals die Möglichkeit der von der Firmenleitung angebotenen Wandelschuldverschreibung. Sie taten gut daran. Der Kurs der Aktie stieg um mehr als das 80fache. „Die sind jetzt in der Tat alle Millionäre“, sagt Haffa, der selbst zwei Drittel der Aktien von EM.TV hält. Die erste Hälfte der Papiere können die Mitarbeiter im Oktober in Aktien umwandeln, in zwei Jahren dann die andere Hälfte. Hat der Chef Angst vor Abwanderung der so fürstlich entlohnten Mitarbeiter? Nicht wirklich: Durch die Beteiligung haben die Mitarbeiter nach Meinung Haffas gelernt, unternehmerisch zu denken – und „ein Unternehmer käme nie auf die Idee, das Handtuch zu werfen, solange die Firma Wachstum verspricht“.
SYBILLE WILHELM
Mitarbeiter der Lufthansa zahlen für ihre Flugtickets 10 % des regulären Preises.

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