Arbeitsrecht

Warum Vergütungsstudien helfen können

Nach dem Studium und vor dem ersten Job lohnt sich ein Blick auf die Vergütungsstudien. Denn das Gehalt ist selbst für Berufsanfänger größeren Schwankungen unterworfen.

Der Berufseinstieg ist für die meisten Akademiker schwieriger geworden, die Anfangs-Gehälter stagnieren gegenüber den Vorjahren oder sinken sogar. Trotzdem sollten sich Studienabgänger nicht verunsichern lassen: Sie haben in den vergangenen Jahren vom Wandel der Berufswelten profitiert – und das wird sich langfristig auch in Euro und Cent auszahlen.
„Insgesamt wuchs die Beschäftigung von Studierten zwischen 1980 und 2002 um 150 %“, stellt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) fest. „Akademiker sind die deutlichen Gewinner auf dem Arbeitsmarkt. Über 2 Mio. Beschäftigte hatten in Westdeutschland einen Hochschulabschluss. Das ist nahezu jeder Zehnte. Der Akademikeranteil hat sich damit binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt.“ Gleichwohl erleben Studienabgänger nach Jahren der wirtschaftlichen Flaute, dass der Übergang von Diplom oder Promotion ins Berufsleben häufig nicht mehr nahtlos funktioniert.

Das zeigt auch das Beispiel der chemischen Industrie. Wurden dort im Jahr 2000 noch 728 Promovierte eingestellt, so sank ihre Zahl in den folgenden Jahren über 541 und 466 auf schließlich 351 im vergangenen Jahr. Das waren 30 % der Promovierten dieses Jahrgangs. Der Verband der Angestellten Akademiker (VAA) stellt fest, dass zumindest in den letzten zwei Jahren von der Industrie unter dem durchschnittlichen Bedarf Chemiker eingestellt wurden. „Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben sich wieder verschlechtert“, so der Verband.
Wenn jedoch der Einstieg bei einem der 1600 Unternehmen der chemischen Industrie gelingt, dann ist die Gehaltsfindung vergleichbar einfach. Ziemlich einmalig hat die Branche nämlich Mindestbezüge für Akademiker mit einem naturwissenschaftlichen oder technischen Hochschulabschluss festgelegt. Diese erhalten, wenn sie Angestellte sind, im 2. Beschäftigungsjahr als diplomierte Akademiker 47 175 €, mit einer Promotion bringen sie es auf 54 975 €. Für das erste Beschäftigungsjahr können die Bezüge weiterhin zwischen Arbeitgeber und Angestelltem frei vereinbart werden in der Praxis gibt natürlich das 2. Beschäftigungsjahr die Orientierungs-Marke vor.

Gute Chancen finden derzeit Studienabgänger beim Maschinenbau und der E-Technik. Dabei sind vor allem Jung-Ingenieure gefragt, hat Franz Josef Tolpe festgestellt, Mitarbeiter des Hochschulteams der Agentur für Arbeit an der Uni Dortmund. „Die Unternehmen machen eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, wie viel Qualifikation sie bezahlen wollen“, sagt er. Dabei würden sich die Firmen derzeit vor allem für Jüngere entscheiden, die bei den Gehältern günstiger liegen als „gestandene“ Ingenieure.

Untersuchungen über Gehaltshöhen weisen bei den Gehältern große Spannweiten aus. In der Industrie liegen die Jahreseinstiegsgehälter zwischen 30 000 € und 42 000 €, beim Handel zwischen 22 000 € und 35 000 €, bei Dienstleistungen zwischen 28 000 € und 45 000 € sowie bei Banken und Versicherungen zwischen 30 000 € und 40 000 €. Fachhochschul-Absolventen finden sich eher im unteren, Uni-Absolventen eher im oberen Bereich dieser Gehaltsskalen wieder.

Das Staufenbiel Institut, Köln, hat für Ingenieure im laufenden Jahr eine erfreuliche Entwicklung bei den Einstiegsgehältern registriert. Die erfassten Jahresgehälter bewegten sich zwischen 31 000 € und über 46 000 €. Knapp 40 % der Berufseinsteiger verdienten in der Spanne von 38 600 € bis 41 000 €, jeder 4. zwischen 41 100 € und 43 600 €. Bei beiden Gruppen gingen die Nennungen leicht in die Höhe. Einen heftigen Einbruch verzeichnete die Gehaltsgruppe zwischen 36 100 € und 38 500 €: Fanden sich dort im vergangenen Jahr noch knapp 25 % der Berufsanfänger wieder, so liegt ihr Anteil im laufenden Jahr bei 10 %. Die Zahl der Besserverdiener in der Gehaltsregion zwischen 43 600 € und 46 000 € verdoppelte sich binnen Jahresfrist nahezu von rund 7 % auf gut 13 %.

www.staufenbiel.de

Ein Beispiel: Wie viel vom Brutto bleibt

Brutto-Monatsgehalt 3000,00 Euro
 +Vermögenswirksame Leistungen  39,88 Euro
 – Steuern
 Lohnsteuerklasse I  596,75 Euro
 Kirchensteuer  53,70 Euro
 Solidaritätszuschlag  32,82 Euro
 – Sozialabgaben
Krankenversicherung 217,35 Euro
Pflegeversicherung 25,84 Euro
Rentenversicherung 296,39 Euro
Arbeitslosenversicherung 98,80 Euro
Anlage vermögenswirksame Leistungen 39,88 Euro
Netto-Monatsgehalt 1678,35 Euro
 *Anm.: Die Höhe der Sozialabgaben und die Kirchensteuer können schwanken.

 

Von Martin Rothenberg, Staufenbiel

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