Arbeitsrecht

Ein Prost zuviel kostet oft den Arbeitsplatz

Alkohol, so heißt es, sei in ihrem Betrieb kein Thema. Dabei ist Alkoholismus in Deutschland weiter verbreitet, als lange Zeit angenommen wurde.

Alkohol ist eines der größten Tabuthemen. Kein Wunder, sind doch so viele Deutsche betroffen. Jeder siebte Erwachsene ist zumindest latent alkoholabhängig. Zu diesem Ergebnis kam das Institut für Markt-, Meinungs- und Absatzforschung. Zu diesen fast 10 Mio. Alkoholkranken kommt eine sehr viel höhere Zahl von „normalen“ Alkoholkonsumenten. Und die meisten von ihnen sind nicht etwa arbeitslos – im Gegenteil. Der größere Anteil der gefährdeten Personen gehört zu den Besserverdienenden auch das ergab die Studie. Und 71 % der Betroffenen sind Männer.
Die Übertragung des gesellschaftlichen Problems Alkohol auf Arbeit und Betrieb gelang in einem „Modellprojekt Betriebliche Suchtprävention“ in Rheinland-Pfalz, finanziert vom Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen. 1995/96 wurden mehr als 500 hauptsächlich kleine und mittelständische Betriebe mit mehr als 36 000 Mitarbeitern befragt, zufällig ausgewählt aus dem Regierungsbezirk Trier. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, Schwierigkeiten mit alkoholisierten Mitarbeitern zu haben. Von Prävention war aber keine Rede – aus Kostengründen, aber auch, da die Unternehmen auf dieses Problem nicht vorbereitet sind. Während einige große Unternehmen dieses Thema durchaus konstruktiv angehen und Suchtbeauftragte und sogar Sozialarbeiter eigens für ihre alkoholgefährdeten Mitarbeiter beschäftigen, widmen sich kleinere und mittlere Betriebe immer nur in akuten Fällen diesem Problem.
„Die meisten handeln nach dem Motto: „Augen zu und durch“, faßt Gerd Bauer, einer der Mitautoren der Studie, zusammen. Auslöser für die Auseinandersetzung sind in der Regel Unfälle, die vor der Öffentlichkeit nicht mehr verheimlicht werden können und von der Berufsgenossenschaft unter die Lupe genommen werden. Die Folgen des Alkoholkonsums in Betrieben sind nur ansatzweise systematisch und empirisch erfaßt. Schätzungen zufolge können allerdings 30 % aller Arbeitsunfälle darauf zurückgeführt werden, daß am Arbeitsplatz Alkohol getrunken wird. Untersuchungen über die Wirkung von Alkohol auf den Organismus haben gezeigt, daß bereits vergleichsweise geringe Blutalkoholwerte von 0,2 bis 0,3 Promille Konzentrationsfähigkeit, Gleichgewichtssinn, Reaktionsfähigkeit, Sehvermögen, Stimmungslage, Denkvermögen und Handfertigkeit beeinträchtigen. Bei 0,5 Promille Alkohol im Blut steigt die Gefahr eines Unfalls gegenüber dem nüchternen Zustand auf das Doppelte, bei dem früher für Autofahrer geltenden Grenzwert von 0,8 Promille ist das Unfallrisiko bereits viermal so hoch.
Mit dem schlichten Verbot von Alkohol am Arbeitsplatz sind diese Risiken keineswegs ausgeschlossen, wie eine einfache Rechnung zeigt. Wer am Ende einer feuchtfröhlichen Feier um Mitternacht mit einem Alkoholpegel von 1,6 Promille ins Bett sinkt, hat – bei einem durchschnittlichen Abbau von 0,1 Promille pro Stunde – morgens um sechs auf dem Weg zum Job immer noch etwa 0,9 Promille Restalkohol im Blut. Kommt hinzu, daß nach Ansicht von Experten in jedem Unternehmen 5 % bis 10 % der Mitarbeiter suchtgefährdet oder sogar suchtkrank sind. Und die umgehen in der Regel jedes Alkoholverbot, wobei sie die Scheu der Kollegen vor Konflikten ausnutzen.
„Dabei ist jeder Chef rechtlich verpflichtet, sich mit Mitarbeitern auseinanderzusetzen, die trinken“, betont Gerd Bauer, der sich jetzt im „BKK team gesundheit“, einer Tochter des Verbandes der Betriebskrankenkassen, um dieses Thema kümmert. „Jeder Vorgesetzte hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Leuten, die sich aus den Sicherheitsbestimmungen ableitet.“ Die Unsicherheit, ein Gespräch zu führen, läßt sich abbauen. So bieten die Betriebskrankenkassen über ihren Bundesverband Seminare an. Die größten Aussichten auf Erfolg haben Gespräche auf rein sachlicher Ebene, in denen der Chef seinen Mitarbeiter auf Fehler und Versäumnisse anspricht, die unmittelbar mit dessen Alkoholproblem zusammenhängen. Auf ein erstes vertrauliches Gespräch unter vier Augen, in dem der Hinweis auf Beratungsangebote nicht fehlen sollte, folgt ein weiteres Gespräch, wenn der Mitarbeiter weiterhin seine Arbeitspflichten verletzt. Nun geht es, im Beisein eines Personalvertreters, darum, auch arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung aufzuzeigen. Führt auch das nicht zum gewünschten Ergebnis, endet die Gesprächsrunde in einem dritten Anlauf, ebenfalls unter Beteiligung des Personalvertreters und des Personalchefs, der dann auch die schriftliche Abmahnung aushändigt.

Nach der Therapie neues Glück im neuen Job

Dem Mitarbeiter sollte unmißverständlich deutlich werden, daß er mit weiteren Konsequenzen bis hin zur Kündigung rechnen muß, wenn er sein Verhalten nicht ändert. Einige Unternehmen schaffen ihren Angestellten einen zusätzlichen Anreiz, sich von der Sucht zu befreien, indem sie einen neuen Job in Aussicht stellen. Allerdings nur dann, wenn der Mitarbeiter eine erfolgreiche Therapie hinter sich bringt. Die Motivation, sich mit dem Problem Alkohol am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen, erhält nicht zuletzt aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen Auftrieb. So hat der Bundesverband der Arbeitgeberverbände ausgerechnet, daß der wirtschaftliche Schaden durch den Alkoholismus pro 1000 Beschäftigten bei jährlich 150 000 DM bis 180 000 DM liegt. Kleinere Betriebe können ihren Beitrag nach einer einfachen Faustregel ermitteln. Das amerikanische Stanford-Research-Institute stellte bei alkoholkranken Arbeitnehmern eine um 25 % verminderte Leistungsfähigkeit fest. Bezogen auf die 5 % bis 10 % Betroffenen pro Firma, multipliziert mit einem durchschnittlichen Gehalt, ergibt sich der alkoholbedingte finanzielle Ausfall.
SABINE WIERMANN
Ob Angestellter oder Chef – auf Hochprozentiges können viele Deutsche auch am Arbeitsplatz nicht verzichten.

Top Stellenangebote

PERO AG-Firmenlogo
PERO AG Vertriebsingenieur (m/w/d) International Königsbrunn
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG Referent Betriebsplanung (m/w/d) Hamm
DYWIDAG-Systems International GmbH-Firmenlogo
DYWIDAG-Systems International GmbH Ingenieur (m/w/d) für den Vertrieb von geotechnischen Systemen Königsbrunn
Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
Dr. Schmidt & Partner Group Kalkulator (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart,München, Großraum Nürnberg
über Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
über Dr. Schmidt & Partner Group Bau- / Projektleiter (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart, Großraum Nürnberg
DeguDent GmbH-Firmenlogo
DeguDent GmbH Keramikingenieure (m/w/divers) Entwicklung Strukturwerkstoffe Hanau
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH-Firmenlogo
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH New Product Development Project Manager / Tender Manager Operations (w/m/d) Berlin
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen Technischer Sachbearbeiter mit taktischen Anteilen (m/w/d) Duisburg
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Elektroingenieur / Ingenieur als Planer von Elektroanlagen (m/w/d) Stuttgart

Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsrecht