Arbeitsrecht

Die Enttäuschung sitzt tief  

Sie wurden niedriger eingestuft. Künftig werden bei vielen auch die Tarifsteigerungen geringer ausfallen.

Seit 18 Jahren arbeitet der 46-jährige Nobert B. als Ingenieur in der Entwicklungsabteilung eines Unternehmens. Er hat sich weitergebildet, Verantwortung übernommen, seine Arbeit immer ordentlich und pünktlich abgeliefert. Dafür wurde er in die höchste Tarifgruppe TG 7 eingeteilt. Monatlich brachte er 4302 € brutto nach Hause plus einer tariflichen Leistungszulage von 15%.

Dann kam ERA, das gemeinsame Entgeltrahmensystem in der Metall- und Elektroindustrie. Seit Januar 2007 gehört Norbert B. einer neuen Entgeltgruppe an, der E 11. Es ist nicht die höchste Entgeltgruppe in Bayern. Sein Gehalt beträgt jetzt 3782 € plus Leistungszulagen.

Tatsächlich hat der Ingenieur aber nicht weniger in der Tasche. Über eine Besitzstandsklausel wird ihm sein früheres Gehalt garantiert. Das sieht eine Klausel im ERA-Tarifvertrag vor. Dennoch ist Norbert B. unzufrieden. Er wird in den nächsten Jahren nicht in vollem Umfang an den Tariferhöhungen der Metall- und Elektroindustrie teilnehmen. Die Erhöhungen werden im Gegenteil sehr mager für ihn ausfallen, hat Norbert B. ausgerechnet.

Der Stachel sitzt tief: „Für mich bedeutet die ERA-Einführung eine Abstufung“, berichtet Norbert B. Nicht nur finanziell, sondern auch in der Wertschätzung durch sein Unternehmen. Er kennt viele Ingenieure, die zu den Verlierern von ERA gehören. Wir sind nicht die Klientel, für die die Verträge konzipiert worden sind, wirft er der IG Metall vor, die sich im Jahr 2003 auf dieses Vertragswerk mit den Arbeitgeberverbänden verständigt hat.

Rund ein Drittel seiner Ingenieurkollegen im Unternehmen verdienten nach der ERA-Einführung weniger als zuvor, sagt Norbert B. Die Kollegen und er seien demotiviert. Nur die wenigsten Ingenieure hätten von ihrem Widerspruchsrecht gegen die Eingruppierung Gebrauch gemacht. Das sei nun mal nicht ihre Sache, aufzubegehren und Proteste anzuzetteln. In vielen Fällen hätten sie sich von den Vorgesetzten beruhigen lassen und auf Einsprüche zugunsten ihrer Karrieren verzichtet. Doch die Blauäugigkeit sei in vielen Fällen bestraft worden und der erhoffte Karriereschub ausgeblieben, berichtet Norbert B.

Mittlerweile würden neu eingestellte Ingenieure ohne Berufserfahrung besser bezahlt als langjährige Betriebsangehörige.

Denn auch das sieht ERA vor: Neben der Eingruppierung und der Leistungsbemessung erlaubt der Tarifvertrag eine individuelle übertarifliche Zulage, die mit dem Unternehmen ausgehandelt werden kann. In Zeiten von Fachkräfte- und Ingenieurmangel sind Unternehmen durchaus bereit, für qualifiziertes Personal mehr zu bezahlen als es der Tarifvertrag vorsieht.

Auf der anderen Seite machen Betriebsräte jedoch auch die Erfahrung, dass Unternehmen versuchen, mit ERA Personalkosten zu sparen. Nicht nur mit einer niedrigeren Eingruppierung, auch mit Verhandlungen um Leistungszulagen werde kräftig taktiert. Über diese Zulagen wollten die Arbeitgeber erst später verhandeln, weil die Einführung von ERA so kompliziert sei.

Betriebsräte aus der Automobilzulieferindustrie berichten, dass Arbeitgeber versuchten, diese tariflichen Leistungszulagen deutlich abzusenken. „Das würde dann zu einem echten Einkommensverlust führen“, sagt ein Betriebsrat.

Die große Mehrheit der Ingenieure ballt zwar die Fäuste in der Tasche, doch gegen Arbeitsbedingungen und Entgeltstrukturen begehre man „traditionell“ nicht auf, berichtet ein Betriebsrat.

Gewerkschaften haben es oft schwer, Ingenieure zu organisieren, klagt die IG Metall. Deshalb sei der Organisationsgrad bei Ingenieuren sehr niedrig. Schätzungen der Gewerkschaft gehen von von weniger als 15 % aus.

„Der Elite im Zierfischbecken“, wie es bei Betriebsräten heißt, will die IG Metall sich künftig aber stärker zuwenden. Die Fachkräfte sollen an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen aktiver mitwirken. Der neue Vorsitzende der Gewerkschaft, Berthold Huber, kündigte auf dem Gewerkschaftstag in Leipzig Anfang November eine Kampagne für Ingenieure an. Dabei sollen u. a. ein Netzwerk aufgebaut, Beratungsangebote erweitert und eine Internetplattform geschaltet werden. Schwerpunkte werden die Entwicklung der Arbeitsbedingungen, die Innovationskraft in den Betrieben und die Aus- und Weiterbildung sein.

Sollte es der IG Metall nicht gelingen, auch die hoch qualifizierten Kräfte in der Gewerkschaft zu organisieren, könnte der Ruf nach einer eigenen Interessenvertretung für Ingenieure noch lauter werden. Schon jetzt ist die Forderung zu hören: „Uns fehlt etwas ähnliches wie der Marburger Bund, die Pilotenvereinigung Cockpit oder auch die GDL“, meint Norbert B., der unzufriedene Ingenieur.

SIMONE EBEL-SCHMIDT

Leistungszulagen sollen deutlich gesenkt werden

Von Simone Ebel-Schmidt

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