Arbeitskosten

Die deutsche Industrie hat ihre Wettbewerbsposition verbessert  

In den vergangenen Jahren hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie durch die Senkung der Lohnstückkosten deutlich verbessert. Ökonomen ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse. VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 12. 09, has

Bei den Arbeitskosten 2008 lag Deutschland im Mittelfeld der europäischen Länder. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf.

Nach Berechnungen der IMK-Forscher kostete im vergangenen Jahr eine Arbeitsstunde in Deutschland im verarbeitenden Gewerbe durchschnittlich 32,5 €. Damit seien die Kosten weniger stark gestiegen als in den Nachbarländern.

Allerdings würde der Blick allein auf das verarbeitende Gewerbe die tatsächlichen Arbeitskosten in der Industrie überzeichnen, sagen die IMK-Forscher. Denn in die Produktion von Industriegütern gingen auch Vorleistungen von Dienstleistern ein, bei denen die Arbeitskosten niedriger sind. Durch die Einbeziehung dieser Vorleistungsverflechtung würden die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe um 3 € pro Arbeitsstunde auf 29,5 € sinken.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, das, im Gegensatz zu dem gewerkschaftsnahen IMK, den Arbeitgebern nahesteht, untersucht die Arbeitskosten. Nach der aktuellen IW-Analyse für das Jahr 2008 lagen die Kosten für eine Arbeitsstunde in der Industrie bei 33,58 € und damit gut einen Euro höher als in der IMK-Berechnung. Unter Einbeziehung der günstiger erbrachten Vorleistungen kostete laut IW eine Arbeitsstunde in der Industrie 32,44 € – deutlich mehr als beim IMK.

Die Differenzen kommen dadurch zustande, dass beide Institute mit unterschiedliche Datengrundlagen arbeiten. Das IMK rechnet mit Zahlen des Europäischen Statistikamtes Eurostat und bezieht die Vergütung für Auszubildende ein. Das IW greift auch auf Eurostat-Zahlen zurück, zudem auf Material des Statistischen Bundesamtes. Die Auszubildenden werden vom IW nicht berücksichtigt. Außerdem gibt es methodische Unterschiede bei der Berechnung der Vorleistungen.

Dennoch: Im Trend liegen beide Institute nicht so weit auseinander (siehe Grafik). IW und IMK sehen in Europa die nord- und westeuropäischen Länder, darunter Deutschland, in der Spitze bei den Arbeitskosten, die osteuropäischen Staaten liegen am Ende de Skala.

Das hohe deutsche Arbeitskostenniveau wäre, so Christoph Schröder vom IW, bei Vollbeschäftigung kein Problem. Doch bei hoher Arbeitslosigkeit geraten vor allem niedrig Qualifizierte, die besonders stark von Erwerbslosigkeit betroffen sind, unter Druck.

Allerdings haben die deutschen Unternehmen ihre Wettbewerbsposition in den vergangenen Jahren verbessert. Die Lohnstückkosten, also die Lohnkosten je produzierter Einheit, sind in Deutschland zwischen 2000 und 2008 nach IW-Angaben um 6 % gesunken. Für den IW-Ökonomen Schröder ist das aber kein Grund zum Jubel, denn dieser Rückgang habe nur eine ausufernde Entwicklung korrigiert, die nach der deutschen Einheit begonnen hatte. Im Schnitt, so schreibt das IW, seien die Lohnstückkosten seit Anfang der 90er-Jahre im In- und Ausland mit 4 % im gleichen Umfang gestiegen. Werden Wechselkursänderungen einbezogen, habe die deutsche Industrie ihre Position gegenüber der ausländischen Konkurrenz sogar verschlechtert.

Einen Grund für den Rückgang der Lohnstückkosten sieht Schröder in den geringen Entgeltsteigerungen der vergangenen Jahre. Er plädiert dafür, diese maßvolle Lohnpolitik beizubehalten, zumal die Unternehmen durch die Krise und die damit verbundene Kurzarbeit sowieso geschwächt seien.

Anders die Position des IMK. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie habe sich in den vergangenen zehn Jahren so gut entwickelt, dass selbst durch die Abwertung des Pfunds die Lohnstückkosten in Großbritannien nicht unter die in Deutschland gesunken sind, erläutert IMK-Ökonom Rudolf Zwiener. Es habe sich nur der Abstand verringert.

Trotz der schwachen Lohnzuwächse weise Deutschland im Vergleich zu Ländern mit einem vergleichbaren Arbeitskostenniveau die schlechteste Beschäftigungsentwicklung auf, resümiert Zwiener. Die Lohnzurückhaltung habe vor allem dem Export geholfen und die Binnennachfrage geschwächt. Er plädiert für eine Lohnpolitik, die sich an der Produktivität orientiert.

Zwiener will ein stärker ausbalanciertes Wachstum. So sei in Frankreich die Exportwirtschaft nicht so dominant, dafür sei die Binnennachfrage stärker als hierzulande. Der Rückgang der Wirtschaftsleitung infolge der globalen Krise sei daher in Frankreich auch geringer ausgefallen als in Deutschland, sagte der IMK-Ökonom.

Inzwischen hat sich der Anstieg der Arbeitskosten, trotz Kurzarbeit, abgeschwächt. Im zweiten Quartal 2009 gab es noch ein Plus von 0,6 % gegenüber dem Vorquartal, im dritten Quartal stiegen die Kosten gar nicht mehr, meldet das Statistische Bundesamt. H. STEIGER

Von H. Steiger

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