Recht 10.06.2005, 18:38 Uhr

Deutschland legt im Bereich der Hochtechnologie stark zu  

Die Masse an Bagatell-Patenten sei – anders als in Amerika und Japan – zurückgefahren worden. „Das ist gut für den Wirtschaftsstandort.“ Problematisch bleibt die im Vergleich zu den USA oder Großbritannien schlechte Kommerzialisierung der Geistesblitze.

Die Zahl der beim Europäischen Patentamt (EPA) eingereichten Patentanmeldungen steigt im ersten Halbjahr 2005 voraussichtlich auf 93 000. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es nur 86 432. Parallel zur Vorausschau über das erste Halbjahr 2005 legte das EPA jetzt die Gesamtjahresstatistik 2004 vor. Demnach stieg die Zahl der Patentgesuche um 7 % auf einen Rekordwert von 178 600.

Für 123 700 Anmeldungen wurde ein Erteilungsverfahren eröffnet. Fast jede fünfte (18,6 %) stammte aus Deutschland. Die Bundesrepublik ist damit die mit Abstand aktivste Erfindernation innerhalb Europas. Auf den Plätzen folgen Frankreich (6,9 %), die Niederlande (5,6 %) und Großbritannien (3,9 %). Aus den USA stammten 26,4 % aller Anmeldungen, aus Japan 16,6 %. „Deutschland hat vor allem in den Branchen zugelegt, in denen besonders marktintensive Hochtechnologie eine Rolle spielt“, erklärt EPA-Pressesprecher Rainer Osterwalder. „Im Bereich Laser, Flugzeugbau oder etwa Biotechnologie ist Deutschland in Europa der stärkste Anmelder.“ Besonders erfreulich: Ideen aus der Bundesrepublik wiesen häufig eine größere Erfindungshöhe auf als etwa die Einreichungen aus den Vereinigten Staaten. „In den USA wächst die Zahl der Anmeldungen von Trivialpatenten noch immer“, so Osterwalder. „Das liegt daran, dass eine Erfindung dort nicht zwingend einen Technikbezug haben muss, um patentfähig zu sein.“

Die meisten Anmeldungen entfielen auf die Medizintechnik (13 770; +12,2 %), die elektrische Nachrichtentechnik (12120; +10,1 %) und die Datenverarbeitung (8134; +7,1 %). Am stärksten rückläufig unter den anmeldestärksten Gebieten der Technik war die Biotechnologie (3975 -4,5 %).

Die Zahl der erteilten Patente blieb mit 58 730 knapp hinter dem Wert vom Vorjahr (60 000) zurück. Die durchschnittliche Dauer bis zur Beurkundung des Schutzrechts ist leicht gesunken auf aktuell 46 Monate (2003: 49 Monate).

Ein Defizit hat Deutschland in der wirtschaftlichen Verwertung der Ideen. „Die angelsächsischen Länder sind dabei sehr viel erfolgreicher“, so Osterwalder. Verantwortlich sei das knappe Angebot an Seedkapital. „Banken und Venture Capital Gesellschaften halten sich hierzulande bei der Finanzierung neuer Ideen leider noch immer sehr zurück.“ rtr/S. ASCHE

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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