Arbeitsrecht

„Der VDMA macht sich unglaubwürdig“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 5. 07, has – Einmalzahlungen bringen langfristig Verluste für die Beschäftigten, verteidigt IG-Metall-Vize Berthold Huber den Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie

Huber: Die Reaktionen, die ich aus den Betrieben vom Mittelständler bis zum Großkonzern bekommen habe, zeigen, dass unsere Mitglieder mit diesem Abschluss sehr zufrieden sind.

VDI nachrichten: Hätten Sie mit einer größeren Einmalzahlung nicht ein besseres Ergebnis erzielen können?

Huber: Wir haben ja mit einer tabellenwirksamen Erhöhung in der ersten Stufe von 4,1 % für zwölf Monate ein gutes Ergebnis erreicht. Die Pauschalzahlung von 400 € für April und Mai 2007 entspricht im Schnitt sogar einer Erhöhung von gut 6 %. Am Ende der Laufzeit im Oktober 2008 steht eine tabellenwirksame Erhöhung von 5,8 %. Unser wichtigstes Ziel ist es, solche dauerhaft wirksamen Erhöhungen zu vereinbaren. Die haben den Vorteil, dass sie langfristig wirken und die Basis für die nächste Erhöhung bilden. Mit Einmalzahlungen kann man vielleicht kurzfristig ein höheres Ergebnis erzielen, aber dafür muss man einen Preis bezahlen.

VDI nachrichten: Worin besteht der?

Huber: Bei allen folgenden Tariferhöhungen werden Einmalzahlungen nicht mitgerechnet. Die Beschäftigten machen also selbst bei hohen Einmalzahlungen mittel- und langfristig ein Minus. Ziel unserer Tarifpolitik ist deshalb, die Arbeitnehmer dauerhaft am wirtschaftlichen Fortschritt teilhaben zu lassen und nicht nur mit Einmalzahlungen für die Laufzeit des Tarifvertrages. Die Arbeitgeber wollen tendenziell tabellenwirksame Erhöhungen durch Einmalbeträge ersetzen. Aber die Produktivitätsentwicklung wird ja nicht wieder zurückgenommen wie Einmalzahlungen.

VDI nachrichten: Der Konjunkturbonus, der 2008 gezahlt wird, kann nicht, wie im vergangenen Jahr, erhöht werden. Warum nicht?

Huber: Das wollten die Arbeitgeber nicht. Wir hätten eine solche Regelung gegenüber der jetzt gefundenen vorgezogen.

VDI nachrichten: Der VDMA kritisiert, der Abschluss sei zu hoch.

Huber: Der VDMA hatte noch im März davon gesprochen, dass das vergangene Jahr das beste seit den 70er Jahren gewesen sei, was die Aufträge angeht. Analysen von Banken zeigen, dass alle Unternehmen im Maschinenbau 2006 gut verdient haben und auch 2007 mit hohen Gewinnen rechnen können. Der VDMA macht sich mit seiner Kritik, dass Lohnerhöhungen immer zu hoch seien, unglaubwürdig, vor allem, wenn der Maschinenbau außerordentlich gut verdient.

VDI nachrichten: Der VDMA verlangt auch, die Rituale der Tarifauseinandersetzungen mit der Androhung von Streiks grundsätzlich infrage zu stellen.

Huber: Außer der billigen Kritik habe ich noch keinen vernünftigen Vorschlag gehört, wie man anders als durch Tarifverhandlungen zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Arbeit und Kapital kommen kann. Wir sprechen doch nicht über Peanuts, sondern über eine Verteilung in Milliardenhöhe. Zu Tarifverhandlungen gehört auch, dass die Arbeitgeber möglichst wenig geben wollen und die Arbeitnehmer natürlich ihren Anteil haben wollen und notfalls auch erstreiten müssen. Das als Ritual zu denunzieren, ist immer ganz einfach, wenn man nicht auf dem Spielfeld steht. Der VDMA sollte sich auf seine Aufgaben als Wirtschaftsverband beschränken und sich nicht als Nebentarifvertragspartei gerieren.

VDI nachrichten: Müssen Sie nach dem Austritt der Aker-Werften nicht mit weiterer Flucht aus Tarifverbänden rechnen?

Huber: Ich glaube, dass das ein Einzelfall ist. Der Konflikt bei der Aker-Werft läuft schon länger. Die Beschäftigten haben per Tarifvertrag wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage jahrelang auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet. Jetzt sind die Auftragsbücher bis Ende 2010 voll. Die IG Metall wird sich dafür einsetzen, dass die Aker-Werft in der Tarifbindung bleibt – mit allen damit verbundenen Ansprüchen. HARTMUT STEIGER

Der Metall-Abschluss
Der Abschluss umfasst zwei Stufen:

Vom 1. Juni 2007 bis 31. Mai 2008 steigen die Löhne linear um 4,1 %. Für die Monate April und Mai wird eine Pauschale von zusammen 400 € gezahlt. Vom 1. Juni 2008 bis 31. Oktober 2008 erhöhen sich die Entgelte um 1,7 %, hinzu kommt ein Einmalbetrag von 0,7 %, der nicht in die Lohntabellen eingeht. Die Erhöhungen der zweiten Stufe können durch Betriebsvereinbarung um vier Monate aufgeschoben werden. has

Von Hartmut Steiger

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