Recht

„China erinnert mich an einen Jugendlichen“  

VDI nachrichten, Hongkong, 8. 8. 08, cha – Die Olympischen Spiele haben den Fokus der Welt auf China gelenkt. Die Regierung in Peking sucht nach Rezepten, um die Korruption im Wirtschaftsleben zu eliminieren. Stephan Rothlin versucht mit seinem Center for International Business Ethics (CIBE) Firmen, Manager und Politiker davon zu überzeugen, dass Korruption schädlich ist, und berät westliche und chinesische Unternehmen.

Noch vor einigen Jahren setzten die Regierenden in Peking darauf, dass die Schmiergeldkultur keinen Einfluss auf die Olympischen Spiele haben sollte. Doch die nun vorliegende Bilanz sieht wenig schmeichelhaft aus. „Rund 80 % aller Bauvorhaben auf dem olympischen Terrain waren korruptionsbelastet,“ schätzt Stephan Rothlin in seinem Büro, das einige Minuten zu Fuß von den Anlagen Olympic Green im Norden Pekings entfernt liegt.

Er weiß, worüber er spricht. Seit den 90er Jahren arbeitet er mit seinem Center for International Business Ethics (CIBE) daran, die Korruption einzudämmen und zu verdrängen. „Nicht nur, weil eine saubere Unternehmensführung alle möglichen rechtlichen Probleme heraushält, sondern auch wegen der besseren Effizienz und damit einer langfristig besseren Wettbewerbsfähigkeit,“ betont Rothlin. Kommt die Botschaft an? „Jein,“ antwortet Rothlin und ein Blick auf das vorolympische Treiben liefert die Erklärung. „Die olympischen Vorhaben sind Sonnenschein-Projekte,“ versprach noch vor vier Jahren Wang Jun, die Nummer zwei des Sportministeriums. Zwei Jahre später musste Präsident Hu Jintao den stellvertretenden Bürgermeister von Peking, Liu Zhihua, aus dem Verkehr ziehen. Er war für die olympischen Bauten zuständig gewesen und hatte zu offensichtlich in eigener Sache kassiert. Ebenso erging es dem Parteisekretär von Qingdao, dem Austragungsort der Segelwettbewerbe. Und das war nur die Spitze des Eisbergs.

Nach Chinas Top-Staatsanwalt Cao Jianming fanden sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich mit 2007 10 % mehr Funktionäre vor dem Richter wieder, um Auskunft über ihre Geschäfte zu geben. Rothlin: „China erinnert mich an einen Jugendlichen, der von allen möglichen Versuchungen geschüttelt wird. Es dauert eine Zeit, bis er erwachsen und stabiler wird. In Windeseile finanziell abzuräumen, dominiert jetzt, aber dabei wird es nicht bleiben.“

Im letzten Herbst organisierte Hu zur Abschreckung in den eigenen Reihen in Pekings Militär-Museum (!) eine Antikorruptions-Ausstellung. 60 % in Ungnade gefallener Funktionäre waren danach in unlautere Immobilienaffären verwickelt. Einige Ex-Genossen wie den einstigen Chef der chinesischen Food and Drug Administration Zheng Xiaoyu und eine stellvertretende Parteisekretärin, die 700 000 € akzeptiert hatte, ließ Hu exekutieren. Zudem brachte Hu auch seinen einstigen Rivalen, Schanghais Parteisekretär Chen Liangyu, nach Korruptionsvorwürfen hinter Gitter. Doch das führte nur dazu, dass Hu in Verdacht geriet, die Weißwaschkampagnen zu benutzen, um sich unliebsamer Konkurrenten zu entledigen.

Hus mächtiger innerer Zirkel, der China dieser Tage hinter fest verschlossenen Türen und Gardinen regiert, liebäugelt gar mit der Idee parteiinterner Wahlen in den unteren Rängen, um die Korruption abzubremsen. „An dem systemproduzierten Problem ändert das kaum etwas,“ winkt Frank Dirkoetter von der Hong Kong University ab. Der Professor hat vor einigen Wochen einen Vergleich mit der 1949 von Maos Truppen aus dem Sattel gehobenen chinesischen Republik publiziert („The Age of Openess – China before Mao“, Hong Kong University Press, Berkeley University Press). Er gibt der Republik nicht nur im Vergleich mit Hus Regime ausgezeichnete Noten, sondern hält zudem die Korruption im heutigen China für ein Krebsgeschwür, das das System zu Fall bringen kann.

Rothlins CIBE-Team kennt das Minenfeld und betreut westliche Unternehmen wie Boeing, die BASF, die Schweizer Belimo. Auch Bentley und die BP zählen zu den Kunden im Beratungsgeschäft und ebenso einige chinesische Gruppen wie China Netcom oder die XJ Group in der Provinz Henan, deren Elektro-Geräte unter anderem an Siemens geliefert werden. „Die großen staatlichen Gruppen stehen noch etwas beobachtend an der Seitenlinie, aber das wird sich ändern,“ meint Rothlin zuversichtlich. Er setzt darauf, dass die wirtschaftlichen Weichensteller in der Olympiastadt des Jahres 2008 alles daran setzen, der Korruption in der Industrie ein Ende zu bereiten und auch auf seine Organisation zurückgreifen.

Hilfreich sind laut Rothlin für CIBE präsentable Alliierte wie das Markkula Center for Applied Ethics der kalifornischen Santa Clara University, die European Foundation for Management Development in Brüssel, das Centre for Business Ethics of Shanghai Academy of Social Sciences und auch die deutsche Konrad Adenauer Stiftung.

Rothlin: „Ausgeschlossen ist es nicht, dass wir hier in einigen Jahren Firmen sehen, die als internationale Vorzeigeunternehmen in der Sparte sauberes, effizientes Management gelten. Nichts im chinesischen kulturellen Background steht dem entgegen. Eher ist das Gegenteil der Fall.“ JAN HOEHN

Von Jan Hoehn

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