Arbeitsrecht

Chef, ich muss das Bett hüten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 4. 06, cha – Muss ein krankgeschriebener Arbeitnehmer das Bett hüten? Riskiert er eine Kündigung, wenn er beim Einkaufen einen Kollegen trifft, oder beim Sport? Oder darf er gar seinem Nebenjob weiter nachgehen?

Während einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit muss ein Arbeitnehmer vor allem drei Dinge beachten: Die Erkrankung ist dem Arbeitgeber anzuzeigen, sie ist – meist durch eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – nachzuweisen und er hat alles zu unterlassen, was die Genesung verzögert.

Die Mitteilung über die Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber so schnell wie möglich gemacht werden, am besten telefonisch und bereits zu Beginn der normalen Arbeitszeit. Ist der Arbeitnehmer hierzu nicht in der Lage, so muss er einen Dritten damit beauftragen. Keinesfalls reicht es aus, ein Attest per Post an den Betrieb zu schicken. Der Arbeitgeber muss so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden, sich um eine Vertretung zu kümmern.

Ist der Arbeitnehmer länger als drei Tage krank, so muss er die Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest nachweisen. Das bedeutet nicht, dass die ersten drei Tage als „Karenztage“ anzusehen sind, in denen die telefonische Mitteilung des Arbeitnehmers, es gehe ihm nicht gut, reicht. Der Arbeitgeber kann vielmehr verlangen, dass auch bei einer kürzeren Erkrankung ein Attest vorgelegt wird, so z. B. bei Mitarbeitern, die vorzugsweise am Freitag oder an Brückentagen erkranken.

Mit der Frage, was ein krankgeschriebener Arbeitnehmer darf und was er besser lassen sollte, beschäftigen sich die Arbeitsgerichte meist dann, wenn der Arbeitgeber kündigt. So hatte sich das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln mit der Frage zu beschäftigen, ob ein krankgeschriebener Arbeitnehmer einem Freund bei der Wohnungsrenovierung helfen durfte. Das LAG entschied, dass eine Kündigung dann gerechtfertigt sei, wenn der Arbeitnehmer seine Krankheit nur vortäuscht. Das aber könne nur dann angenommen werden, wenn der Arbeitgeber beweist, dass der Arbeitnehmer tatsächlich nicht krank sei. Offen bleibt, wie der Arbeitgeber das bewerkstelligen soll, wenn die Tatsache, dass der Arbeitnehmer gesund genug war, um eine Wohnung zu renovieren, nicht reicht. Der bloße Verdacht einer vorgetäuschten Krankheit reichte dem Gericht nicht aus, da der Arbeitnehmer vor Ausspruch der Kündigung hätte angehört werden müssen. Soweit der Arbeitnehmer durch die Renovierung seine Genesung verzögert habe, sei eine Abmahnung erforderlich gewesen.

Das LAG Niedersachsen hingegen bewies mehr praktischen Verstand und entschied, dass die Tätigkeit als Linienrichter bei einem Fußballspiel der ersten Kreisklasse mit einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nicht in Einklang zu bringen sei. Die Behauptung des Arbeitnehmers, er sei lediglich langsam an der Seitenlinie hin und her gegangen, entspreche nicht dem Spielgeschehen bei einem Fußballspiel. Der Arbeitnehmer habe seine Genesung gefährdet, der Arbeitgeber durfte das Arbeitsverhältnis kündigen.

Ebenso hat das Bundesarbeitsgericht in einem Fall entschieden, in dem der arbeitsunfähig erkrankte Arbeitnehmer regelmäßig als Reinigungskraft in einem anderen Betrieb tätig war und das nachts, von 22 Uhr bis 5 Uhr. Erstaunlich an dieser Entscheidung ist nur, dass der Fall durch drei Instanzen gehen musste.

Es ist aber durchaus denkbar, dass ein krankgeschriebener Arbeitnehmer einer Nebenbeschäftigung nachgehen darf: Jemand, der körperliche Arbeit verrichtet und wegen eines gebrochenen Beins krankgeschrieben ist, gefährdet durch die in Heimarbeit ausgeübte Nebenbeschäftigung seine Genesung nicht. Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer darf grundsätzlich alles tun, was den Heilungsprozess nicht verzögert. Was dazu gehört, ist immer abhängig von der konkreten Erkrankung. Hat der Arzt dem Arbeitnehmer Bettruhe verordnet, dann hat er sich daran zu halten und darf streng genommen nicht einmal das Haus verlassen, um die Zeitung zu kaufen. Handelt es sich dagegen um eine Erkrankung, bei der Bewegung die Heilung fördert, so darf und soll der Arbeitnehmer an die frische Luft. Der Bewegungsdrang des erkrankten Arbeitnehmers sollte aber nicht dazu führen, dass sich der Verdacht aufdrängt, die Krankheit sei nur vorgetäuscht. Intensives Sporttreiben und abendliche Besuche in Gaststätten sollten während einer Arbeitsunfähigkeit besser vermieden werden.

JASMIN THEURINGER

Die Autorin arbeitet seit 1996 als Anwältin u. a. mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht in der Steuerberatungskanzlei Bellinger in Düsseldorf. (Serie wird fortgesetzt.)

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