Recht

Biete Hochschul-Patent, suche Produzenten

Wie Forscher an Hochschulen mit ihrem Know-how die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen steigern können, beweist der mit 43 000 ¬ dotierte Preis „Patente Erfinder“. Über die Patent-Vermarktungsagentur Provendis, Organisator des Preises, könnenFirmen jeder Größenordnung Zugriff auf bewertete Forschungsergebnisse erhalten, bisher ungenutzte Kontakte herstellen.

NRW-Wissenschaftsministerin Hannlore Kraft hat es nicht leicht. Nicht nur, weil die Botschaft des Sparens vermittelt und in die Tat umgesetzt werden muss, sondern sie wirbt auch noch um Akzeptanz für „leistungsbezogene Mittelvergabe“.
Anlässlich der Preisverleihung zum NRW-Hochschulwettbewerb „Patente Erfinder“ am 26. November im Düsseldorfer Industrieclub fiel es Prof. Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH Aachen, deshalb leicht, eine Verspätung der Ministerin mit den Worten zu kommentieren: „Die Ministerin ist gerade in einer Sitzung dabei, Rektoren beizubringen, wie mit Wettbewerb mehr erreicht werden kann.“ Das dauere manchmal etwas länger.
Rauhut, der als erfolgreicher Industriemanager auf jeder CEO-Tagung glänzen könnte, hatte mit dieser humorvollen Bemerkung nicht nur positive Sympathie für die Ministerin geweckt, sondern nutzte deren Verspätung, die Rahmenbedingungen für den erstmalig ausgeschriebenen Hochschulwettbewerb zu erläutern.
Seit 2002 in Deutschland das Arbeitnehmer-Erfinder-Gesetz geändert wurde, gilt der Grundsatz: Jede Erfindung, die ein Hochschulbeschäftigter in dienstlicher Eigenschaft gemacht hat, ist der Hochschule vom Erfinder zu melden. Die Hochschule kann dann entscheiden, ob sie die Erfindung schützen und vermarkten will oder nicht. Das kostet einerseits Geld für die Patentanmeldung, andererseits kann eine Hochschule – unter angemessener Beteilung der Know-how-Träger – auch über die Lizenzen Geld verdienen „Jetzt haben auch die Hochschulen Interesse an der Patent-Vermarktung“, so Dr. Frank Speier vom NRW-Wissenschaftsministerium.
Die Jury des neuen Hochschulpreises , mit Know-how aus Banken, Industrie und Hochschulforschung ausgestattet, bewertete die eingereichten Erfindungen und Patente u.a. nach Innovationshöhe und Marktpotenzial. Beratung kam vom NRW-Hochschul-Patent-Vermarkter Provendis.
In NRW evaluiert Provendis für rund zwei Dutzend Hochschulen Erfindungen, schätzt deren Markbedeutung ein.
Alfred Schillert, Geschäftsführer der Provendis GmbH: „Obwohl drei von vier Erfindern von uns eine negative Nachricht erhalten, sind die Betroffenen laut Umfrage mit unserer Beratung sehr zufrieden.“ Ein Grund: Die elf Mitarbeiter suchen auch den Ausgleich zwischen notwendiger wissenschaftlicher Veröffentlichung und patentrechtlicher kommerzieller Verwertung.
Während der 18 Monate ihrer Tätigkeit hat die Provendis in Mülheim – zusammen mit dem Partner Rubitec an der Uni Bochum – rund 370 mögliche Anmeldungen bewertet, 100 positive Patent-Empfehlungen ausgesprochen, über 1000 Firmen angesprochen, 60 Vermarktungskontakte hergestellt.
Provendis-Chef Alfred Schillert ist trotz dieser Erfolgsmeldungen davon überzeugt: „Bisher wurde erst ein Bruchteil des Potenzials erschlossen.“ Positiv auch die finanzielle Zukunft: Die Patentverwerter werden 2004 weiter öffentlich finanziert. vom Land NRW und zu 70 % aus Bundesmitteln. Für einen „selbsttragenden Aufschwung“ aus Lizenzgebühren sind sie noch zu jung. rus

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