Recht

„Bevorstehender Erlass vernachlässigt die Frischluftzufuhr“

Zur Verbesserung des Wohnraumklimas müsse die ESV 2000 auf „nordischen Standard“ gebracht werden, fordern jetzt der Sachverständigenrat für Umweltfragen und die Bundes- ingenieurkammer. Man befürchtet bei unzureichender Belüftung die Gefahr von Allergien.

Hermetisch abgedichtete Gebäude, wie sie die in Deutschland bevorstehende Energiesparverordnung (ESV 2000) fordert, verbessern zwar die Luft im Freien, nicht aber unbedingt die in den Räumen. Entsprechend macht jetzt in einem Sondergutachten der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) auf die Gefahr von Allergien in hermetisch abgedichteten Gebäuden aufmerksam. Die Bundesingenieurkammer plädierte bereits im alten Jahr für eine angemessene Berücksichtigung von Belüftungsfragen in Niedrigenergie- und Passivhäusern, wie dies in Skandinavien üblich sei. Einzelne hiesige Wohnungsbaugesellschaften praktizieren aber bereits heute in Deutschland die „nordischen Standards“.
Das mögliche Problem bei der ESV 2000 sei die reduzierte Frischluftzufuhr in vielen hermetisch abgedichteten Häusern, unterstreicht Dr.-Ing Klaus Hoppe, Vizepräsident der Bundesingenieurkammer in Berlin, die Bedenken des SRU hinsichtlich der in Deutschland bevorstehenden Verordnung. Hinzu käme eine sinkende Luftwechselrate und der Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit in Räumen abgedichteter Gebäude. Etwa nach bautechnischen Sanierungsmaßnahmen fänden Schimmelpilze und Hausstaub möglicherweise „geradezu paradiesische Lebensbedingungen“.
Nicht zuletzt wegen des gegebenen Versprechens am Rande der Berliner Klimaschutzkonferenz 1995 will die Bundesregierung mit der ESV 2000 den C02-Ausstoß und den Energieverbrauch in Neubauten um 30% senken. „In diesem Punkt können wir den Zielen der Politiker vollauf beipflichten,“ räumt Hoppe ein. Indes: Heizung, Lüftung und Kühlung müssten im Rahmen einer solchen Verordnung im Zusammenhang gesehen werden. Bereits im September letzten Jahres habe man in einer Stellungnahme zum Referentenentwurf zur „ganzheitlichen Betrachtung der Energieeinsparung“ aufgerufen. Und es sei kein Wunder, dass jetzt gerade in diesem Punkt auch der Sachverständigenrat für ESV 2000 Nachbesserungsbedarf entdecke.
„Einseitige Energiebedarfsregelungen“ könnten zu einer Verschlechterung des Wohnraumklimas führen, resümiert Hoppe. „Darüber hinaus berücksichtigen sie zu wenig die Bedürfnisse gefährdeter Personenkreise, etwa die von Allergikern.“ Schadstoffe, die Allergien fördern oder gar auslösen, müssten aber aus Wohn- und Arbeitsbereichen verbannt werden. Schließlich würden Menschen bis zu 90 % ihres Lebens in Innenräumen verbringen. Es lasse aufhorchen, wenn der Sachverständigenrat feststelle, dass bei konsequenter Einhaltung der Energiesparverordnung die anerkannten Regeln der Lüftungstechnik nach DIN 1946 und 18017 sowohl im Neubau wie auch im „energetisch sanierten“ Wohn- und Bürogebäudebestand nicht zu erfüllen seien.
„Der Aspekt der hinreichenden Belüftung von Bauten muss deshalb in der ESV Berücksichtigung finden“, fordert Hoppe. Das Ziel der Senkung des Energiebedarfs werde dadurch keineswegs unterlaufen. Dies belegten die technischen Standards der nordischen Länder mit ihren niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten.
Tatsächlich ist in den Ländern Skandinaviens – hier liegen die k-Werte für die Außenwände unter 0,3 und die für mehrfachverglaste Fenster bei 1,0 – die mechanische Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung gängige Praxis. Dies hat sich mittlerweile nicht zuletzt auch in Kreisen deutscher Wohnungsbaugesellschaften herumgesprochen. Wie Markku Mäenpää, Vertriebschef der finnischen Vallox Oy, mitteilt, nehmen deutsche Baugesellschaften zunehmend die finnischen und schwedischen Standards zum Maßstab. Das finnische Unternehmen zählt mittlerweile auch in Deutschland zu den führenden Anbietern mechanischer Lüftungssysteme für Wohnbauten. E. W.
SkandinavischesEinfamilienhaus: Bei den Wänden beträgt die Wärmedurchgangszahl (k-Wert) 0,3 W K-1 m-2, bei den Fenstern 1,0 W K-1 m-2. Gängige Praxis auch die mechanische Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung .

Von E. W.

Top Stellenangebote

Technische Universität Darmstadt-Firmenlogo
Technische Universität Darmstadt Universitätsprofessur Fahrzeugtechnik (W3) Darmstadt
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft W2 Professur Nachhaltige Werkstoffe in der Kunststofftechnik Aalen
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft W2-Professur für das Fachgebiet "Digitale Signalverarbeitung" Karlsruhe
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)-Firmenlogo
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH) Professor (m/w/d) für Automatisiertes Fahren / Fahrerassistenzsysteme (W3) Zwickau
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)-Firmenlogo
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH) Professor (m/w/d) für Sachverständigenwesen / Unfallrekonstruktion (W2) Zwickau
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)-Firmenlogo
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH) Professor (m/w/d) für Fahrzeugmesstechnik / Technische Akustik (W2) Zwickau
Stadt Dreieich-Firmenlogo
Stadt Dreieich Projektingenieur*in Kanal im Produkt Abwasserentsorgung Dreieich
Universität Stuttgart-Firmenlogo
Universität Stuttgart Professur (W3) "Thermische Energiespeicher" Stuttgart
DEKRA Automobil GmbH-Firmenlogo
DEKRA Automobil GmbH Bausachverständiger / SiGeKo (m/w/d) keine Angabe
Technische Hochschule Rosenheim-Firmenlogo
Technische Hochschule Rosenheim Professorin / Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet Verfahrenstechnische Simulation Burghausen
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsrec…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.