Recht

Besserer Einblick für Investoren  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 5. 08, ps – Die Rechnungslegung in Deutschland wird einfacher, aussagekräftiger, kostengünstiger und internationaler. Dies ist zumindest der Anspruch des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG), das im Sommer verabschiedet werden soll. Auch wenn nur wenige Vorschriften, die das gute alte Handelsgesetzbuch (HGB) reformieren, bereits für 2008 gelten, sollten sich die Unternehmen doch schon jetzt vorbereiten.

Die geplanten Änderungen werden erhebliche Auswirkungen auf die Bilanzstruktur, auf wesentliche Kennzahlen und auf die Besteuerungsgrundlage haben. Das wird sich auswirken auf der Finanzierungsseite, auf mögliche Ausschüttungen und kann über Steuerzahlungen auch liquiditätswirksam werden. Dies sollten Unternehmen frühzeitig analysieren“, rät Andreas Borcherding von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.

Als Beispiel verweist er auf den Internetseiten seines Hauses auf die Änderungen im Bereich Forschung und Entwicklung: Während diese Kosten bisher Aufwand sind und damit den Gewinn schmälern, können umfangreichere Projekte künftig in der Bilanz aktiviert werden und machen damit das Unternehmen „wertvoller“.

Um zum Beispiel Patente oder Know-how künftig in der Bilanz ansetzen zu können, muss das Unternehmen aber über entsprechende interne und externe Prozesse im Rechungswesen verfügen, die die zu aktivierenden Entwicklungskosten zeitnah ermitteln und dokumentieren können.

Diese Änderung ist vor allem für innovative Unternehmen wichtig, die viel forschen und entwickeln, wie etwa die chemische oder pharmazeutische Industrie oder die Automobilindustrie sowie für kleine Firmen und Start-ups. Dank der Vorschrift können die Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis ausbauen und damit leichter und kostengünstiger weiteres Kapital beschaffen.

Das BilMoG will zum einen Unternehmen von vermeidbarem Bilanzierungsaufwand entlasten, und sich zum anderen der internationalen Rechnungslegung IFRS (International Financial Reporting Standards) nähern. Diese wenden Großkonzerne aufgrund ihrer internationalen Aktivitäten bereits seit längerem an.

Den Wirtschaftsprüfern kommt dies entgegen. „Die Modernisierung des HGB durch Annäherung an die internationalen Rechnungslegungsnormen stärkt die Aussagekraft handelsrechtlicher Abschlüsse“, meint der Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW), Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann.

Nach Ansicht des IDW könnte Deutschland damit Vorbild werden für eine europäische Alternative zu dem wegen seiner Komplexität umstrittenen IFRS. Zu den wesentlichen Punkten des BilMoG gehören die teilweise Abschaffung der Buchführungspflicht für Kleinfirmen, erleichterte Informationspflichten, die Aktivierung selbstgeschaffener immaterielle Vermögensgegenstände, neue Berechnungen für Rückstellungen sowie die Bewertung der zu Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumente, wie etwa Aktien, zum Zeitwert.

So sind mittelständische Einzelkaufleute und Personenhandelsgesellschaften (oHG, KG), die jährlich nicht mehr als 500 000 € umsetzen und weniger als 50 000 € Gewinn erzielen, künftig von der handelsrechtlichen Buchführungs- und Bilanzierungspflicht befreit.

Aber auch für Kapitalgesellschaften (AG, GmbH) wird es einfacher: Sie sollen nicht mehr gezwungen werden, einen HGB- und einen IFRS-Jahresabschluss aufzustellen. Stattdessen dürfen sie sich auf den IFRS-Abschluss beschränken, wenn sie im Anhang eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlust- rechnung nach HGB-Bilanzrecht ausweisen. Letztere werden für die Gewinnausschüttung und die Besteuerung benötigt.

Der Gesetzgeber rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft so allein bei der Buchführung, der Aufstellung des Abschlusses, der Prüfung und Offenlegung des selben ungefähr 1,3 Mrd. € einsparen wird.

Zudem werden die Informationspflichten gelockert, weil die Schwellenwerte für Bilanzsumme und Umsatzerlöse, ab denen ein Unternehmen seine Ertragssituation offen legen muss, um 20 % erhöht werden. Dadurch werden nach Angaben des Bundesjustizministeriums aus rund 1 600 „großen“ Kapitalgesellschaften „mittelgroße“ und aus 7 400 „mittelgroßen“ Kapitalgesellschaften „kleine“.

Lediglich zwei Bereiche werden voraussichtlich mehr Aufwand verursachen als bisher: die Bewertung von Rückstellungen sowie Zweckgesellschaften. So müssen die Unternehmen ihre künftige Verpflichtungen in Form der Rückstellung bald realistischer bewerten. Das betrifft besonders die Pensionsrückstellungen, also einen Teil der betrieblichen Altersversorgung.

Hier rechnen die Unternehmen bislang mit einem Rechnungszins von 6 %. Da dieser Zins viel zu hoch angesetzt ist, haben die Unternehmen in der Regel zu geringe Rückstellungen für ihre künftigen Pensionäre gebildet. Künftig muss mit einem von der Bundesbank veröffentlichten, marktgerechteren Zins von aktuell 4 % bis höchstens 5 % gerechnet werden. Dann müssen die Arbeitgeber ihre Pensionsrückstellungen kräftig aufstocken, wofür der Gesetzgeber allerdings mehrere Jahre einräumt.

Zudem müssen die Unternehmen künftig ausführlicher über Zweckgesellschaften informieren. Diese sind bisher regelmäßig so gestaltet, dass sie nicht in den Konzernabschluss einbezogen werden müssen. Oftmals werden so Vermögensgegenstände oder Schulden aus der Bilanz ausgelagert – was ihre Aussagekraft über die Leistungsfähigkeit oder die Risiken des Unternehmens schwächt.

Dies will der Gesetzgeber nun dadurch ändern, dass Zweckgesellschaften künftig schon dann in den Konzernabschluss einbezogen werden, wenn sie unter der einheitlichen Leitung eines Mutterunternehmens stehen. Bisher war hier eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung vonnöten. Geschäfte, die nicht in der Bilanz erscheinen, aber dennoch für die Finanzlage wichtig sind, müssen künftig im Anhang erläutert werden. MONIKA LIER

Von Monika Lier

Top Stellenangebote

Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Vertriebsingenieur Außendienst Fabrikautomation (w/m/d) Norddeutschland
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG-Firmenlogo
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG Software Ingenieur (m/w/d) Lüdenscheid
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Techniker im Vertriebsinnendienst (w/m/d) Münster
BERGER BAU SE-Firmenlogo
BERGER BAU SE Bauleiter (m/w/d) Passau
Hays AG-Firmenlogo
Hays AG Junior Softwareentwickler / Softwareingenieur (m/w/d) verschiedene Standorte
BERGER ROHSTOFFE GMBH-Firmenlogo
BERGER ROHSTOFFE GMBH Werkleiter (m/w/d) Altenau, Paschwitz
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Functional Safety Engineer / Manager (m/w/d) Lüneburg
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen Ingenieur / Staatlich geprüfter Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Versorgungstechnik (HKLS) Gebäudemanagement Wiesbaden

Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsrecht