Belastung liegt deutlich unter 4 %

In Baden-Württemberg wurde eine Öffnungsklausel für kränkelnde Firmen vereinbart, eine Lösung, die in NRW schon mit dem Beschäftigungssiche- rungs-Vertrag praktiziert wird.

Die IG Metall hat nach der Zustimmung fast aller Tarifbereiche ihr Ziel erstreikt, den Arbeitgebern einen Lohn- und Gehaltsabschluss mit einer Vier vor dem Komma abzuringen. Gerade in diesem Jahr kostet die Tarifeinigung die Betriebe aber deutlich unter 4 %.
Der Stuttgarter Abschluss macht es mit seinen verschiedenen Stufen der Entgeltanpassungen, der Laufzeit und schließlich der ERA-Komponenten schwierig, die Verteuerung der Personalkosten genau zu beziffern. Zur Erinnerung: Der Abschluss läuft über insgesamt 22 Monate – vom 1. März 2002 bis zum 31. Dezember 2003. Für März und April fällt eine Entgelterhöhung ganz aus, für den Mai werden pauschal 120 € gezahlt. Ab Juni gibt es eine Erhöhung um 4 %, ab Juni 2003 um 3,1 %. Während die IG Metall vor allem die 4 % herausstellt und insgesamt die Erhöhung auf 7,1 % beziffert, rechnet Südwestmetall-Chef Zwiebelhofer mit 3,46 % Erhöhung im laufenden und 3,1 % im kommenden Jahr.
Exakt nachgerechnet fällt die Erhöhung je Betrieb unterschiedlich aus. Die Einmalzahlung von 120 € für Mai macht beispielsweise bei einem Monatslohn von 3000 € 4 % aus. Verdienen im Betrieb die Beschäftigten im Durchschnitt mehr als 3000 €, so muss die Firma im Durchschnitt im Mai weniger als 4 % zusätzlich für sie aufwenden. Bilanziert ein Unternehmen seine Gehaltssumme über das gesamte Jahr 2002, so liegt die Entgelterhöhung im laufenden Jahr etwa bei 2,7 %. Damit haben die Tarifparteien wohl Rücksicht auf die noch schwache Konjunktur genommen.
Ähnlich „krumme“ Steigerungsraten bei den Personalkosten sind auch für das kommende Jahr zu erwarten. Besonders der Einstieg in ein gemeinsames Entlohnungssystem für Arbeiter und Angestellte – ERA, „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – sorgt für zusätzliche Differenzierungen in der Entgeltbelastung der Betriebe.
Dabei gilt die Faustformel: Je höher der bisherige Belegschaftsanteil der Arbeiter ist, desto teurer wird die Anpassung für das Unternehmen. Den Durchschnittsbetrieb dürfte der Ersatz von Lohn (für Arbeiter) und Gehalt (für Angestellte) durch ein nach gleichen Kriterien ermitteltes „Entgelt” 2,79 Lohnprozente kosten. Darin sind sich Arbeitgeber und IG Metall einig. Finanziert wird dies – das war eine Forderung der Arbeitgeber schon vor der ersten Verhandlungsrunde – kostenneutral für die Betriebe von den Arbeitnehmern selbst.
In der Praxis umgesetzt wird ERA, indem von der 4 %-Lohnerhöhung 0,9 %-Punkte als so genannte Strukturkomponente eingerechnet werden, von der 3,1 %-Erhöhung im kommenden Jahr 0,5 %-Punkte. Die Folge in der Praxis: Wer derzeit 100 % Lohn hat, bekommt ab 1. Juni dieses Jahres 104 % – also die volle vereinbarte Summe – ausgezahlt. Aber in die Lohntabelle gehen nur 103,1 % ein. Die Basis für die nächste Lohnerhöhung zum 1. Juni 2003 ist also 103,1 %, nicht 104 %. Diese Entwicklung setzt sich dann in den nächsten Lohnrunden fort, so dass nach Rechnung der IG Metall der jetzige Lohnabschluss für 22 Monate bereits die Hälfte der Kosten für den neuen Entgeltrahmen finanziert.
Der Forderung, den Flächentarif für kränkelnde Betriebe durchlässiger zu machen, kommt der Tarifabschluss der vergangenen Woche mit einer Öffnungsklausel entgegen.
Die Möglichkeit, Not leidende Betriebe zeitweise von Pflichten des Tarifvertrages (etwa die Übernahme von Lohnerhöhungen) auszunehmen, wurde für Baden-Württemberg erstmals vertraglich vereinbart.
In NRW ist dies allerdings bereits seit Jahren im Beschäftigungssicherungsvertrag niedergeschrieben. Danach können Betriebe mit Zustimmung des Betriebsrates und der Tarifparteien (Arbeitgeberverband und Gewerkschaft) Ausnahmeregelungen vom Flächentarif beantragen. Voraussetzung sind ein Sanierungskonzept und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. In 200 Fällen wurde diese Regelung an Rhein und Ruhr bereits angewendet – meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um eine zusätzliche Schädigung des Betriebes zu vermeiden. MARTIN ROTHENBERG

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