Recht

Ausstiegs-Chance für Teilzeit-Bankchef

VDI nachrichten, Dortmund, 12. 3. 04 -Die Aussage eines ehemaligen Aufsichtsrates könnte den Wunsch von Ackermann unterlaufen, das Verfahren frühzeitig zu beenden.

Den Platz auf der Anklagebank im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess könnte Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, schon bald räumen: Für Ende dieses Monats ist ein Rechtsgespräch angekündigt, bei dem ein erstes Resümee über den Stand der Verhandlung gezogen werden soll.
Die Düsseldorfer Prozess-Vorsitzende, Richterin Brigitte Koppenhöfer, erklärte zwar, dieses Rechtsgespräch sei eine übliche Vorgehensweise in Verhandlungen und kein Indiz für ein vorzeitiges Ende. Doch neben dieser pflichtschuldig abgegebenen formaljuristischen Formulierung steigen die Chancen, dass Ackermann einen Strafbefehl akzeptiert und damit für ihn das Verfahren beendet ist.
Diese Erwartung wird auch durch das Geschehen rund um die Deutsche Bank genährt, wo Ackermann zwei Tage in der Woche prozessbedingt fehlt: Die Übernahme des Instituts durch einen ausländischen Investor ist inzwischen in den Bereich des Möglichen geraten – und der Vorstandsvorsitzende muss die Anklagebank zu einem Vorgang drücken, der mittlerweile vier Jahre zurück liegt. Der Deutsche-Bank-Chef räumte ein, dass „der Zusammenschluss seines Instituts mit einem internationalen Bankriesen prinzipiell möglich“ wäre.
Nur eine feindliche Übernahme wollte er ausschließen, weil ein solcher Versuch den Exodus von Führungskräften zur Folge hätte. Ackermanns Verteidiger hatten schon mehrfach betont, dass sie ihren Mandanten so schnell wie möglich wieder zu einem Vollzeit-Banker machen wollen.
Das Rechtsgespräch mit allen Verfahrensbeteiligten findet nach Anhörung des früheren Vodafone-Chefs Chris Gent statt, der am 25. März vernommen werden soll. Damit wären die wichtigsten Akteure der Übernahmeschlacht um Mannesmann zu Wort gekommen. Zuvor war Canning Fok, Chef des Mobilfunk-Riesen und damaligen Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa, per Videokonferenz zugeschaltet worden. Fok hatte erklärt, die Boni-Zahlungen an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser quasi aus Mitleid veranlasst zu haben: „Klaus is a wonderful human being“, sagte Fok.
Auch wenn die Anwälte der Beklagten sich optimistisch geben und betonen, dass die Anschuldigungen der „gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall“ im Prozess durch Zeugenaussagen widerlegt seien, erleben die Prozess-Beobachter in Düsseldorf immer wieder das Gegenteil. So geschehen in der vergangenen Woche, als Ex-Aufsichtsräte des Mannesmann-Konzerns als Zeugen aussagten. Der damalige Vertreter der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat, Dieter Sembach, widersprach dabei einer Aussage von Josef Ackermann. Der Bankchef habe die Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrates über die angedachte Prämienzahlung informiert und erklärt, der damalige Mannesmann-Großaktionär Hutchison Whampoa habe die Anerkennungsprämien von 20 Mio. Pfund erwirkt und Vodafone werde sie finanzieren.
Stimmt Sembachs Erinnerung, so hätte der Aufsichtsrat den Zahlungen unter falschen Voraussetzungen zugestimmt, die Argumentation der Verteidigung würde eine Schlappe erleiden. Auch die Zeugenaussagen zweier Sekretärinnen, die damals (und in einem Fall auch heute) für Klaus Esser arbeiteten, ließen aufgrund von Erinnerungslücken und Widersprüchen zu früheren Aussagen kein klares Licht auf die Ereignisse am 4. 2. 00 zu. Im Mittelpunkt der Zeugenbefragung sollte geklärt werden, warum das Aufsichtsratspräsidium an diesem Tag eine nicht vorhergesehene Prämie in Höhe von 4,5 Mio. € für Aufsichtsratschef Joachim Funk beschloss.
MARTIN ROTHENBERG

Von Martin Rothenberg

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