Recht

Aus der Uni in die Fertigung

An Hochschulen entwickeln Wissenschaftler laufend neue Ideen und Verfahren. Mittelständler könnten die Innovationen wirtschaftlich verwerten. Patentverwertungsagenturen sollen eine Brücke bauen.

Kleinen und mittelständischen Industrieunternehmen fehlen meist die Ressourcen für Forschung und Entwicklung. Nach der wohlklingenden Idee vom Technologietransfer sollen u. a. die Hochschulen in die Bresche springen und der Wirtschaft Forschungsergebnisse zur Verwertung liefern. Doch das klappt bisher nur in der Theorie. Das Akademikerlager bringt schlicht zu wenige Patente hervor: 1998 stammten nur 1,8 % der Inlandsanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) aus den Hochschulen, dass waren rund 850 Stück. Im Vergleich zur Wirtschaft – vor allem zu Großkonzernen – ist das sehr wenig. Allein Siemens reicht jedes Jahr gut drei Mal so viele Patente ein.
Das Bundesforschungsministerium versucht seit Mitte der 90er Jahre, Hochschulpatente anzuregen. Die jüngste Initiative ist die „Verwertungsoffensive“, in deren Rahmen einer der Schwachpunkte ausgemerzt werden soll. Hochschulerfinder zögern mit Patentanträgen, weil sie die Kosten scheuen oder einfach den potenziellen Markt nicht erkennen. Der Bund unterstützt deshalb seit einem Jahr den Aufbau von so genannten Patentverwertungsagenturen (PVA) in den Bundesländern. Inzwischen gibt es 19 Patentverwertungsagenturen mit Namen wie Brainshell in Potsdam für die Hochschulen in Brandenburg oder die PROvendis in Mühlheim/Ruhr für die Nordrhein-westfälischen.
Die PVAs sind Anlaufstellen für die Hochschulerfinder. Sie beraten, kümmern sich um die Patentanmeldung und suchen schon vor der Patenterteilung nach potenziellen Kunden. Für den Erfinder sind diese Dienstleistungen kostenlos. Sie erhalten – im Erfolgsfall eines verkauften Patents – 30 % der Bruttoerlöse. Die PVAs und die Hochschulen teilen sich den Rest. Hierfür übernehmen sie neben den Verwertungskosten alle Kosten der Patentierung – bei üblichen Summen zwischen 3000 “ und 50 000 “ kein Pappenstiel. „Die Erfinder sind mit dieser Regelung auf der goldenen Seite“, sagt Alfred Schillert, Geschäftsführer der PROvendis. „Erfinder in den Unternehmen bekommen lediglich Promille-Anteile“. In den nächsten Jahren finanziert sich PROvendis aus den Etats des NRW Wissenschaftsministeriums und des Bundesforschungsministeriums. Mittel- bis langfristig sollen alle PVA aber von der Patentverwertung leben.
Doch noch ist es zu früh, um von Einnahmen reden zu können. Seit Jahresbeginn wird die PROvendis aufgebaut, noch sind nicht alle der bis zu zehn Stellen für die wichtigen Innovationsmanager besetzt. Die Anforderungen sind groß: Zum einen müssen sie in der Lage sein, die technischen Seiten der Erfindungen zu verstehen – das setzt wissenschaftliche Vorbildung voraus. Zum anderen müssen sie den Markt dafür kennen und die Erfindung vermarkten können – dafür werden Industrie- und Marketingerfahrung gebraucht.
Für ihre erst kurze Existenz hat die PROvendis aber schon Aufmerksamkeit erzielt: Seit dem Frühjahr sind bei ihr mehr als 60 Erfindungsmeldungen eingereicht worden – „eine sehr schöne Zahl“, sagt Schillert. Hinter den meisten Anzeigen steckt aber bisher nicht mehr als eine Idee, selten liegen schon Prototypen oder Labormuster vor. Schillert erwartet, dass ein Viertel der angezeigten Erfindungen das Zeug zum vermarktungsfähigen Patent hat, und von diesen hofft er jedes Vierte an Firmen lizenzieren zu können. „Das wäre ein gutes Ergebnis“.
Das Potenzial allerdings ist viel größer. Allein in NRW forschen 15 000 bis 18 000 Hochschul-Wissenschaftler in den für die Industrie interessanten Bereichen. Von 1998 bis 2000 meldeten die Hochschulen des Landes gerade mal 27 Patente an, womit „nur ein Bruchteil möglicher Erlöse aus Hochschulerfindungen erschlossen wird“, sagt NRW-Bildungsministerin Behler. Die USA führte die professionelle Verwertung von Hochschulerfindungen vor 20 Jahren ein – mit durchschlagendem Erfolg: Die Zahl der US-Hochschulpatente stieg von 250 jährlich auf inzwischen mehr als 2000, die Einnahmen aus der Verwertung spülten 1998 rund 725 Mio. Dollar in die Hochschulkassen.
Ein Traum auch für deutsche Hochschulen, die sich von der Stimulierung der Patent-Lust ihrer Mitarbeiter künftig saftige Lizenzeinnahmen, mehr Drittmittel und Reputation versprechen können? Viele Hochschulen und deren Erfinder sind offenbar heiß darauf. „Die machen sehr aktiv mit“, sagt Schillert. Doch zahlreiche Erfinder sind noch zurückhaltend, offenbar aus bisherigen Erfahrungen. „Die haben schon so viele Initiativen erlebt, die letztlich nicht funktioniert haben. Die warten erst mal ab“. Hoffentlich nicht zu lange. THILO GROSSER

 

  • Thilo Großer

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