Recht

„Auf einen legalen kommen bis zu 20 illegale Musikdownloads“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 5. 08, jdb – „Vor dem Hintergrund der Digitalisierung von Musikinhalten über das Internet steht der einzelne Künstler ungeschützter denn je vor der Tatsache, dass seine Werke ohne Gegenleistung genutzt werden können“, beschreibt Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der Gema, die Situation von Musikern. Die Gema setzt im Kampf gegen illegale Downloads vor allem auf Aufklärung.

Musik ist allgegenwärtig – zu Hause, am Arbeitsplatz, im Kaufhaus, beim Zahnarzt oder in der Konzerthalle. Musik entsteht nicht „einfach so“, sondern ist das Ergebnis eines arbeitsreichen, kreativen Prozesses. Musik ist geistiges Eigentum und hat ihren Wert.

Kein Komponist, Textdichter oder Verleger kann allerdings selbst in ausreichendem Maß überprüfen, wo, wann, wie oft und wie lange sein Titel gespielt wird. Zudem kann sich der Einzelne nicht darum kümmern, dass er die Entlohnung für seine Leistung auch tatsächlich erhält. Genau das ist in Deutschland die Aufgabe der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte).

Neben der Wahrnehmung der urheberrechtlichen Nutzungsrechte verfolgt die Gema noch ein zusätzliches Ziel: den Erhalt der Musikkultur und ihrer kreativen Vielfalt.

Im deutschen Urheberrecht haben die Urheber das Recht zu bestimmen, ob und wie ihre Werke zu veröffentlichen sind. Über 60 000 musikalische Urheber (Komponisten, Textdichter und Musikverleger) vertrauen mittlerweile der Gema die kollektive Verwertung ihrer Rechte an.

Insbesondere im heutigen Informationszeitalter werden das Urheberrecht und seine Wahrnehmung immer wichtiger. Denn vor dem Hintergrund der Digitalisierung, zunehmender Vermarktung und zumeist kostenfreier Verbreitung von Musikinhalten über das Internet steht der einzelne Künstler ungeschützter denn je vor der Tatsache, dass seine Werke ohne Gegenleistung genutzt werden können.

Der gesamte Musikmarkt ist von Umstrukturierungen und grundlegenden Veränderungen der Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Das gegenseitige Aufkaufen der großen Musikverlage und Tonträgerfirmen geht weiter und hat entsprechende Auswirkungen auch auf die Verwertungsgesellschaften. Die Gema sowie andere Verwertungsgesellschaften sind mit einem verstärkten Wettbewerb konfrontiert. Einige der internationalen Autorengesellschaften haben sich in bestimmten Bereichen zusammengeschlossen, um Verwaltungskosten zu senken oder sie lagern Bereiche aus.

Die ständige Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke, vor allen Dingen im Onlinebereich, stellt neue Anforderungen an die Verwertungsgesellschaften und ihre internationale Zusammenarbeit. Darauf hat sich die Gema eingestellt.

Ich möchte dazu nachfolgend einige Beispiele geben:

Deutschland war im Jahr 2007 der zweitgrößte Markt für Musikdown- loads in Europa. Ein Fünftel aller Titel wurde in Deutschland verkauft. Größte Konkurrenz der legalen Musikangebote im Netz sind und bleiben dabei die illegalen Tauschbörsen, denn auf einen legalen Musikdownload kommen zwischen zehn und 20 illegale Downloads.

Eine Empfehlung der Europäischen Kommission vom 18. Oktober 2005 zur grenzüberschreitenden Lizenzierung von Onlinerechten beschreibt Wege und Möglichkeiten, um die Lizenzierung der Urheberrechte und verwandte Schutzrechte für legale Online- Musikdienste auf EU-Ebene zu verbessern. Notwendig wurden diese Verbesserungen, weil aufgrund des Wegfalls bisher national definierter Verwaltungsgebiete in Europa für internetgestützte Dienste wie Streaming oder On-Demand Lizenzen benötigt werden, die in der gesamten EU gelten.

Die Gema hat sich in dieser neuen Wettbewerbssituation für Urheberrechte erfolgreich positioniert. Wir haben Modelle für Wettbewerbssituationen im Musiklizenzgeschäft vorbereitet und zielführend umgesetzt. Unsere Strategie ist ausgerichtet auf die Optimierung des heutigen Bestandsgeschäftes, auf eine Internationalisierung unserer Rechtewahrnehmung und auf Angebote neuer Dienstleistungen.

Die Gema hat in 2007 mit ihrer englischen Schwestergesellschaft das Gemeinschaftsunternehmen Celas zur europaweiten Lizenzierung des anglo-amerikanischen Online- und Mobile-Repertoires des Musikverlags EMI Music Publishing gegründet. So kann beispielsweise nun die Online-Karaoke-Plattform TalentRun ihren Kunden Songs von Amy Winehouse, Abba oder Luis Armstrong zum Karaoke anbieten, die sie über Celas von EMI lizenziert haben.

Gleiches gilt für den mobilen Musikdienst „MusicStation“. Die „Music- Station“ ist ein kostengünstiger, unbeschränkter, abonnementbasierter Musikdienst, der auf den Mobiltelefonen von Endverbrauchern vorinstalliert ist. Damit sind Anbieter und Endverbraucher auf der rechtlich sicheren (und legalen) Seite und eine angemessene Vergütung der Urheber ist ebenfalls garantiert.

Dieser Vertragsabschluss konnte in Cannes auf der Midem, der alljährlich stattfindenden weltgrößten Musikmesse, verbucht werden.

Damit lagen wir genau im Trend der dort geführten Diskussionen und Fachgespräche über legale und effektive Lizenzierungsmöglichkeiten im Online- und Mobile-Markt. Denn wie beim nach wie vor glänzend laufenden Klingeltongeschäft werden Handynutzer weltweit in naher Zukunft bereit sein, Milliarden von Euros auszugeben, um sich ihre Lieblingssongs und -alben auf die Mobiltelefone zu laden. Der Boom hat begonnen, und er entwickelt sich rasant.

Download- und Mobile-Umsätze haben 2007 bereits rund 15 % der weltweiten Musikverkäufe ausgemacht. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Digital Music Report 2008 der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) hervor. Danach stieg der Umsatz der nichtphysischen Formate um 40 % auf 2,9 Mrd. $.

Die rasante Änderung, insbesondere der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen darf jedoch nicht vergessen lassen, dass die Gema kein rein ökonomisch orientiertes Unternehmen ist. Sie ist keine Aktiengesellschaft, sondern ein Verein von Komponisten, Textdichtern und Musikverlegern, der sich der Verantwortung für seine Mitglieder bewusst ist. Wir möchten die Gema sicher in die Zukunft führen und müssen uns genau deshalb der Frage nach unseren Werten stellen.

Ausgehend vom Autor, der im Mittelpunkt steht, gibt es dazu zwei klare Antworten: Wir müssen die Solidarität in der Gemeinschaft der Urheber bewahren und wir müssen weiterhin und noch deutlicher als bisher den Gema-Beitrag zur sozialen und kulturpolitischen Entwicklung unseres Landes und unseres Musiklebens herausstellen.

Im Rahmen unserer mittelfristigen Unternehmensplanung werden die internen Strukturen der Gema ebenso erneuert wie die Form ihrer Außendarstellung und auch ihre Kommunikation mit dem Ziel, den Schutz des Urhebers und die Wahrnehmung seiner Rechte auch künftig verlässlich und erfolgreich behandeln zu können.

Ein neuer Schwerpunkt unserer Aktivitäten ist dabei die intensivierte Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Allein in Deutschland wurden 2006 fast 400 Mio. Musikdateien illegal aus dem Internet heruntergeladen. Weltweit ist fast jede dritte verkaufte CD eine Raubkopie. Piraterie ist ein globales, grenzüberschreitendes Phänomen.

Eine von Microsoft durchgeführte Studie zum Download-Verhalten US-amerikanischer Teenager brachte es auf den Punkt: Je mehr Jugendliche über das Urheberecht wissen, desto eher sind sie für eine strafrechtliche Verfolgung bei Verstößen und desto eher sind sie vor allem bereit, mit illegalem Downloaden aufzuhören.

Mehr Aufklärung schafft in diesem Sinne die bereits 2007 von uns gestartete bundesweite Kampagne Gema-Scouts zum Schutze des geistigen Eigentums und der kreativen Arbeit der Gema-Autoren. Künstler wie Yvonne Catterfeld oder Roger Cicero unterstützen das Projekt. Teenager aus ganz Deutschland werden dabei zu Gema-Scouts, die ihre Freunde und Altersgenossen über die Bedeutung der Urheberrechte informieren und auf diese Weise helfen, die Kreativität ihrer Idole zu schützen.

Die Gema zeigt Präsenz in ihrer Branche, beteiligt sich an Messen und Konferenzen, agiert erfolgreich für ihre Urheber und Rechteinhaber national und international auf dem gesamten Musikmarkt. In Deutschland engagiert sie sich intensiv für das Kulturgut Musik – dafür steht beispielhaft die Beteiligung der Gema mit einem beträchtlichen Betrag an dem Gemeinschaftsprojekt der Bundesregierung und der Musikbranche zur Stärkung der Musikwirtschaft in Deutschland – der Initiative Musik. HARALD HEKER

Von Harald Heker

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