Arbeitsrecht

Alternative zu prekären Jobs  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 6. 06, has – Flache Hierarchien, Teamarbeit und Kommunikation sind das Erfolgsrezept der Auto 5000 GmbH, einer VW-Tocher, in Wolfsburg. Die Belegschaft sei weder angepasst noch pflegeleicht, so eine Untersuchung.

Zukunftsweisend für die industrielle Produktion in Deutschland“ ist für den Industriesoziologen Michael Schumann vom Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) in Göttingen die Automobilmontage bei der VW-Tochter Auto 5000 GmbH. Dort fertigen rund 3800 Beschäftigte, von denen 90 % zuvor arbeitslos waren, den Minivan Touran unter neuen tariflichen und organisatorischen Bedingungen. Die Forscher vom SOFI haben die Umsetzung des Projektes Auto 5000 wissenschaftlich begleitet.

Die Idee von Auto 5000 geht zurück auf den früheren VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz und ist der Versuch, Arbeitsplätze in einem Land wie Deutschland mit hohen Löhnen in der Industrie zu sichern.

Beschäftigte in der Produktion bekommen einen festen Lohn von 2300 € im Monat, der durch Prämien auf knapp 2600 € steigt. Hinzu kommt am Jahresende eine erfolgsabhängige individuelle Tantieme. Bei den Mitarbeitern habe der Fixlohn an Akzeptanz gewonnen, der Wunsch nach Lohndifferenzierung bestehe nicht, so Hans-Joachim Sperling vom SOFI.

Die Arbeitszeit ist flexibel und wird der Auftragslage angepasst. Im Durchschnitt beträgt sie 35 Stunden in der Woche. Von montags bis freitags werden drei Schichten gefahren, samstags bei Bedarf zwei, der Samstag ist Regelarbeitstag.

Umstritten war zwischen Gewerkschaft und Unternehmensleitung anfangs die so genannte Programmerfüllung: Die Beschäftigten werden verpflichtet, eine bestimmte Zahl von Automobilen fehlerfrei zu montieren. Lassen sich Produktionsfehler auf die Beschäftigten zurückführen, muss ohne Bezahlung nachgearbeitet werden. Gehen Fehler zu Lasten des Unternehmens, wird die Nacharbeit bezahlt. Die Befürchtung der IG Metall, dass mit der Programmerfüllung das Risiko den Mitarbeitern aufgebürdet werde, habe sich nicht erfüllt, meint Sperling. Mittlerweile wird in 90 % der Fälle die Nacharbeit bezahlt.

Geburtshelfer für Auto 5000 war der japanische Konkurrent Toyota mit seiner hohen Produktivität. Volkswagen will eine höhere Effizienz durch eine Arbeits- und Betriebsorganisation erreichen, die den Beschäftigten mehr Kompetenzen gibt. Durch selbst organisierte Gruppenarbeit und die ständige Verbesserung von Arbeitsprozessen werden die Beschäftigten stärker in die Verantwortung für das Produkt einbezogen. Bei Auto 5000 gibt es nur drei Hierarchieebenen: Produktionsarbeiter, Betriebsingenieure, die dem Meister vergleichbar sind, und die Geschäftsführung. Die Umsatzrendite 2005 betrug 8 %.

Eine wichtige Rolle nimmt die Lernfabrik ein. Drei Stunden pro Woche muss jeder für Qualifizierung aufbringen, von denen die Hälfte bezahlt wird. Drei Stunden insgesamt werden von den Beschäftigten aber als zu hoch angesehen. Sie trennen zwischen der Zeit für Kommunikation und für Weiterbildung. Kommunikationszeit wird als wichtig eingeschätzt, z. B für die die Übergabe bei Schichtwechsel.

Aber auch bei Auto 5000 bleibt die Arbeit überwiegend repetitiv. Die Taktzeiten am Band liegen zwischen einer und zwei Minuten, Die Schichten am Samstag seien „verhasst“, so IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. Wichtig sei aber das Umfeld, in dem bei Auto 5000 gearbeitet wird, das Kooperation erlaube, aber auch notwendig mache, wie der Automobilexperte Ulrich Jürgens vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin betont.

Anders als bei anderen VW-Werken, arbeiten bei Auto 5000 Konstruktion und Vertrieb enger zusammen, berichtet Michael Schumann. Allerdings schütze das nicht davor, Fehler zu wiederholen. So werden beim Touran, wie auch beim Golf, die Nähte lasergeschweißt, was zu häufiger Nacharbeit führe, wie ein Insider erklärt.

Für Horst Neumann, Personalvorstand von VW, sind Tarifwerk und Arbeitsorganisation bei Auto 5000 zwar keine Blaupause für die anderen Werke, aber VW insgesamt könne von Auto 5000 lernen – auch wenn es darum geht, die „Tariflandschaft wieder übersichtlicher zu machen“, was Neumann sich zum Ziel gesetzt hat. Bei VW gibt es eine Vielzahl von Tarifverträgen, z. B. den alten Haustarifvertrag, den abgespeckten Haustarifvertrag II und Tarifwerke für Tochtergesellschaften wie AutoVision oder Auto 5000.

Auch innerhalb der Auto 5000 gelten zwei Tarifsysteme: für Mitarbeiter, die eigens für dieses Werk eingestellt wurden und für jene, die nach dem Ende ihrer Ausbildung aus anderen Werken zu Auto 5000 wechselten. Sie werden nach dem höheren Haustarif II bezahlt und fallen unter die Beschäftigungssicherung bis 2011.

Die Belegschaft, so Schumann, sei „keineswegs angepasst oder gar pflegeleicht“. Die Produktionsarbeiter seien „moderne Arbeitnehmer“, die eine aktive Rolle im Betrieb spielten, aber nicht ihre „traditionellen Lohnarbeiterinteressen“ zurückstecken würden. Die tiefste Kränkung sei der Hinweis darauf, dass sie vorher arbeitslos gewesen seien. HARTMUT STEIGER

Volkswagen kann von Auto 5000 lernen

Der Belegschaft sind drei Stunden Qualifizierung pro Woche zu viel

Von Hartmut Steiger

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