Tipps für die Karriereplanung 30.05.2003, 00:00 Uhr

Wie wichtig ist Branchenhaftung bei der Karriereplanung?

Ganz risikolos ist die Fixierung auf eine Branche bei der Karriereplanung nicht. Am besten ist der goldene Mittelweg: Flexibilität kombiniert mit einer gewissen Branchenhaftung. Der Stellenwechsler braucht bei jedem Unternehmenswechsel „nur“ darauf zu achten, dass er in wesensverwandten Branchen die Karriere fortsetzt.

Bei der Karriereplanung zählt der Mittelweg. Foto: panthermedia.net/keport

Bei der Karriereplanung zählt der Mittelweg.

Foto: panthermedia.net/keport

Nach einigen Jahren Berufspraxis stellt sich mancher Ingenieur beim Blick in die eigene Karriereplanung die Frage nach dem „Roten Faden“. Oftmals wird nach dem Opportunitätsprinzip von einer Stelle zur nächsten gewechselt, weil ein bestimmter finanzieller Vorteil winkt, der Job interessanter erscheint, der Standort des potenziellen Arbeitgebers besser passt usw.

Eine klare Karriereplanung bleibt beim „Stolpern von Fall zu Fall“ auf der Strecke. In der Vergangenheit war das wenig anrüchig. Der „Patchwork“ Lebenslauf genoss in Zeiten eines hervorragenden Arbeitsmarktes das Prädikat „wertvoll“. Durch die verschiedenartigen Erkenntnisse des Branchenwechslers versprach man sich das Durchbrechen interner Denkmuster. In konjunkturell schwierigen Zeiten sind wieder Spezialisten gefragt und Branchentreue spielt eine große Rolle.

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Bei der Karriereplanung zählt der Mittelweg

Doch so ganz risikolos ist die Fixierung auf eine Branche bei der Karriereplanung nicht.Wer ausschließlich auf ein Pferd setzt, bekommt Probleme, wenn sein Favorit ins Straucheln gerät. Der „fliegende Wechsel“ im laufenden Rennen gestaltet sich schwierig und ist kaum zu bewerkstelligen, was seit langem die vielen Bauexperten und seit kurzem die IT-Spezialisten erfahren. Wie so oft im Leben scheint der „goldene Mittelweg“ der beste zu sein. Er wird dem Denken in Kategorien des Arbeitsmarktes in starken und schwachen Zeiten am ehesten gerecht.

Die Erkenntnis für die Karriereplanung lautet: Flexibilität kombinieren mit einer gewissen Branchenhaftung! Stellt sich die Frage, wie man diese Erkenntnis in die Realität umsetzt. Der Stellenwechsler braucht bei jedem Unternehmenswechsel „nur“ darauf zu achten, dass er in wesensverwandten Branchen die Karriere fortsetzt. Wechselt ein Ingenieur aus dem Maschinenbau in die chemische Industrie, darf ein hoher Branchenzusammenhang bezweifelt werden. Bisher hat der Ingenieur möglicherweise mit Produkten und Arbeitsabläufen der Kleinserien- oder Einzelfertigung zu tun gehabt. In der neuen Branche wird dagegen kontinuierlich, d.h. in stetigen Prozessen, gefertigt. Es wird somit für den Außenstehenden schwierig, hier eine verwandte oder ähnliche Branche auszumachen.

Branchenübergreifende Karriereplanung

Anders sieht die Karriereplanung beim Ingenieur aus, der heute in der Lebensmittelbranche arbeitet und in die Kosmetikindustrie wechselt. In beiden Fällen handelt es sich um Branchen mit stetiger Fertigung. Unterscheidet man innerhalb der „Prozessindustrie“ die Wirtschaftszweige etwa noch in „saubere“ und „sonstige“, so gehört sowohl die Lebensmittel- als auch Kosmetikbranche zu den „sauberen“. Der Ingenieur kann also in Vorstellungsgesprächen oder Bewerbungen einen gewissen Branchenkontext dokumentieren und sich mehr oder weniger als Brancheninsider geben. In wirtschaftlich besseren Zeiten wird es ihm aber sicherlich auch leicht gelingen, sich beim Stellenwechsel auf signifikante Unterschiede der Branchen zu berufen und damit seine hohe Flexibilität zu betonen.

Der dargestellte Zusammenhang ist nicht nur für Ingenieure wichtig, die produktionsnah arbeiten. Da in den Unternehmen immer stärker interdisziplinär und funktionsübergreifend gearbeitet wird, sind vom Vertrieb über die Entwicklung bis zum Einkauf nahezu alle Ingenieurpositionen betroffen. Wer diese Erkenntnisse bei der Karriereplanung berücksichtigt, läuft am wenigsten Gefahr, die Branchenhaftung zu verlieren und damit die Rückkehr in ein bekanntes Territorium zu verhindern. Andererseits kann er sich allen negativen Klischees entziehen, die dem Branchenspezialisten angedichtet werden und sich für andere Wirtschaftszweige attraktiv halten.

Karriereplanung: Nähe zum Unternehmen betonen

Ingenieure, die ihre Karriereplanung neu überdenken, sollten bei Bewerbungen in Lebenslauf und Anschreiben überprüfen, ob der Branchenzusammenhang zum umworbenen Arbeitgeber hinreichend betont wird. Ein Ingenieur kann sich etwa als Bauphysiker, Produktmanager in der Betonindustrie und Beteiligungsmanager in der Venture Capital Szene ausgeben. Der „Rote Faden“ ist für ein Unternehmen der Prozessindustrie schwer erkennbar.

Er kann aber auch im Lebenslauf seine Studienschwerpunkte Verfahrens- und Silikattechnik betonen, sich Produktmanager in der verfahrenstechnischen Industrie nennen und als Experte der Verfahrens- und Materialtechnik bei Mikro- und Nanotechnologie-Unternehmen auftreten. Hier schält sich dann zumindest der Experte für Unternehmen der Verfahrenstechnik, d.h. der Prozessindustrie heraus.

 

Ein Beitrag von:

  • Bernd Andersch

    Bernd Andersch ist Karriere-Coach, Sachbuchautor und Spezialist für Bewerbungsstrategien.

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