Tipps für Bewerber

Wie Unternehmen Stellen besetzen

Bewerbungen in Unternehmen gleichen oftmals einem Hindernislauf. Ingenieure, die sich bewerben, müssen auf Kleinigkeiten achten. Wie präsentiert sich das Unternehmen? Und dann ist da noch das Frage- und Antwortspiel des Vorstellungsgesprächs, dass böse Fallen beinhalten kann.

Bei der Bewerbung sollte man darauf achten, wie das Unternehmen sich präsentiert.

Bei der Bewerbung sollte man darauf achten, wie das Unternehmen sich präsentiert.

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Ein aufgeräumtes Büro kann ein Vorbild sein, es kann aber mitunter ein „Gschmäckle“ haben. So spricht ein solches Büro für einen sehr ordnungsliebenden Menschen, es könnte jedoch zum Beispiel auch bedeuten, dass es in diesem Büro nichts mehr zu arbeiten gibt. Wo gehobelt wird da fallen eben Späne – und in der Tat, häufig zeigt sich, dass Unternehmen, die nach außen sehr ordentlich wirken, nicht gerade die wirtschaftlich stabilsten sind.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ehemaligen Vorzeigearbeitgeber in deutschen Landen, die Nixdorf Computer AG in Paderborn. Als nach vielen Jahren der Improvisation und des nahezu grenzenlosen Umsatz- und Ertragswachstums endlich das neue Produktionswerk mit allen infrastrukturellen, sozialen und sportlichen Einrichtungen nach den Vorstellungen des Unternehmensgründers Heinz Nixdorf aufgebaut war, stand das Unternehmen am Abgrund. Eher Ruhe als emsiges Treiben herrschte in den Hallen.

Auch Fußballvereine sind nur Unternehmen

Vielleicht ist dies ein „psychologischer“ Grund, weshalb sich auf meinem Schreibtisch zwar keine Papierberge stapeln, er jedoch nie ganz frei von Arbeit ist. Ich bewunderte immer einen Geschäftsführer im Unternehmen, der es täglich schaffte, sein Büro abends „blank“ zu verlassen. Wie dem auch sei, zu Jahresanfang einmal Ordnung auf dem Schreibtisch zu schaffen, kann nicht verkehrt sein und dabei fiel mir ein Medienbeitrag in die Finger, den ich tatsächlich vor genau einem Jahr irgendwo auf dem Tisch abgelegt hatte. Ich wollte ihn immer einmal verwenden, irgendwie geriet er in Vergessenheit. In dem Beitrag geht es um den neuen Trainer, der genau vor einem Jahr für den VFL Wolfsburg gesucht wurde. Im Zuge dieser Stellenbesetzung trafen der Arbeitgeber VFL Wolfsburg in Person des Managers Klaus Allofs und der Bewerber um die Trainerposition, Bernd Schuster, aufeinander.

Schuster sah sich bereits als der Auserwählte, bekam letztlich nicht den Zuschlag und äußerte seine Verbitterung in der Presse. So waren etwa seine Zitate in SPIEGEL ONLINE zu lesen: „Im Nachhinein muss ich sagen, dass im Unternehmen nicht mit offen Karten gespielt wurde.“ „Wenn man so nahe dran war und einem dann die Tür zugeschlagen wird, ist das schon extrem bitter.“ „Meine Koffer waren schon gepackt … als ich einen Anruf bekam und das Treffen abgeblasen wurde. Ohne Begründung.“ „Es hieß immer, ich sei der Top-Kandidat und es gebe keine zweite Option.“ Eine Begründung warum er nicht Trainer des VFL Wolfsburg wurde, erhielt Schuster nach einer Aussage nie. Klaus Allofs konterte: „Wir haben uns bei der Trainersuche korrekt verhalten. Es ist normal, dass ein Verein parallel mit mehreren Kandidaten spricht. Es war blauäugig von ihm anzunehmen, dass er der einzige Kandidat war.“

Unternehmen greifen schnell in die Trickkiste

Nun kennen wir ja nicht jedes Detail zu den Dialogen zwischen den beiden Profis. Man fühlt sich jedoch schnell an typische Bewerbungssituationen in Unternehmen erinnert. Kann es denn wirklich sein, dass Bernd Schuster Anfängerfehlern von Bewerbern aufsaß? Welcher Bewerber verlässt sich schon auf ein gesprochenes Wort. Die großen Vorbilder aus der Politik haben uns gezeigt, was das gesprochene Wort wert ist: „Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern“, ein Zitat, das rund 50 Jahre alt ist eröffnet da den Reigen. Etwas jünger ist die Aussage: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort …“ oder aber heute offensichtlich bei den Großen der Politik immer mehr in Mode kommend: Man kritisiert ein vermeintliches Fehlverhalten, um es im nächsten Moment selbst zu begehen.

Worte sind eben nicht mehr als Schall und Rauch. Was gestern die Ausnahme war, kann schnell zum Standard werden. Wenn beispielsweise in Stellenanzeigen „Perspektiven“ angesprochen werden, die nur der Marketingtrickkiste, keinesfalls der Realität entspringen. Wenn in Vorstellungsgesprächen in Unternehmen die Märchenstunde angebrochen ist und abschließend die Opiumpfeife ausgepackt wird. Wenn Kandidaten Interesse an Stellen heucheln, die sie überhaupt nie antreten wollen usw.

Manche Unternehmen setzen auf Massenbewerbungen

Ich kann mich da an mein allererstes Vorstellungsgespräch nach dem Studium bei einem seinerzeit namhaften Unternehmen für Büromaschinen in Nürnberg erinnern. Der Hauptabteilungsleiter der Logistik, ein wortgewaltiger Mensch, war mein Gesprächspartner. In aller Naivität der Jugend fragte ich abschließend, wie denn meine Chancen seien, den Job als Logistikberater zu bekommen. „Kein Problem meinte der Vielredner, Sie haben einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Sie sind mein Kandidat, es gibt keine weiteren Kandidaten. Sie werden in den nächsten Tagen von uns ein Vertragsangebot bekommen.“

Voller Stolz sehe ich mich noch im ICE von Nürnberg nach Kassel und zur Feststellung kommend: „Es ist doch komisch, dass es so viele Bewerbungsratgeber gibt. Ich habe keinen davon gelesen und doch alles richtig gemacht!“ Zu Hause wartete ich vergeblich auf ein Vertragsangebot, das niemals kommen sollte. Irgendwann rief ich den Hauptabteilungsleiter im Unternehmen an und fragte nach. Der konnte sich schon nicht mehr an meinen Namen und das Vorstellungsgespräch erinnern. Damals eine absolute Ausnahme – so fing es an, machte dann Schule und wurde irgendwann zur Normalität. Viele Kandidaten wissen heute über solche „korrekten“ oder ähnlichen Verhaltensweisen zu berichten

Unternehmen und Bewerber spielen gleichermaßen

Als Anfänger kommt man sich leicht verladen vor, Profis unter den Bewerbern spielen das Spiel mit und haben vielfach selbst gezinkte Karten auf der Hand. Heute werden „wertelose“ Wortbeiträge nicht nur von Kandidaten beklagt, gleiches berichten Unternehmen. Aufhalten oder gar wenden kann man den Trend der Zeit nicht, jedoch blauäugig irgendwelchen noch so vollmundigen mündlichen Versprechungen zu glauben, möglicherweise schon beim aktuellen Arbeitgeber kündigen und auf gepackten Koffern sitzen, das ist alles andere als professionell und sollte selbst dem grünsten Anfänger nicht passieren. Erst der von beiden Seiten unterschriebene Arbeitsvertrag kann als so etwas wie „verbindlich“ gewertet werden. Ketzerisch würde man anfügen: „… zumindest für die Probezeit!“

 

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