Karrierestrategie 12.08.2015, 00:00 Uhr

Wie ich mir ein Netzwerk baue

Wer von einem anderen sagt, er kenne Gott und die Welt, macht ihm ein dickes Kompliment. Denn ein engmaschiges Netzwerk ist fürs Fortkommen unverzichtbar – ob nach oben in der Firmenhierarchie oder zu völlig neuen Ufern.

Aktiv netzwerken unterstützt die Karriere.

Aktiv netzwerken unterstützt die Karriere.

Foto: iStock / Thinkstock

Von Christoph Witte kann man sagen: Der Mann ist in der Computerwelt zu Hause. Er ist ein langjähriges Mitglied der IKT- und Online-Community und betreibt ein eigenes Blog. Er twittert und hat eine erkleckliche Zahl an Gefolgsleuten. Er war Chefredakteur der Computerwoche und arbeitet heute als Publizist, Sprecher des CIO-Verbandes Voice und Kommunikationsberater in München. Wenn es um IT-Kontakte geht: Anruf genügt. Der Mann ist bestens vernetzt.

Das ist auch nötig in einer Zeit, da kaum jemand absolut sicher weiß, wo und als was er im nächsten Jahr arbeiten wird. Ein starkes professionelles Netzwerk ist nicht nur eine Auffanghilfe, wenn man zwischen zwei Jobs steht – den einen kennt man, den anderen noch nicht – und grübelt, wie es beruflich weitergehen soll. Das Netzwerk hilft bei der Beschaffung von Informationen, Kontakten und Referenzen. Und es wird immer häufiger in Vorstellungsgesprächen angefragt: „Als wie tragfähig würden Sie Ihr berufliches Kontaktnetz bezeichnen? Wie gut sind Sie vernetzt?“

Ab Positionen im mittleren Management legen Personalberater darauf großen Wert. Sie bohren insbesondere bei Angehörigen solcher Berufe nach, bei denen man nicht automatisch die quirligsten Netzwerker, sondern eher introvertierte Vor-sich-hin-Denker vermutet. Steuerberater gehören dazu, Controller, Informatiker – und Ingenieure sowieso. Dem Vorurteil lässt sich zu Leibe rücken. Am besten fängt man damit schon an der Hochschule an. Doch dafür fehlt vielen die Zeit und die Lust. Und die Einsicht, wie wichtig ein Netzwerk ist, kommt ohnehin meist erst nach ein paar Jahren im Job. Spätestens dann aber heißt es: loslegen.

Als erstes kommen einem die sozialen Netzwerke wie Facebook, Xing und LinkedIn in den Sinn. In Minutenschnelle ist der Account angelegt. Dann kann man warten, bis man von den Kollegen entdeckt wird. Oder man macht es wie Christoph Witte, der rät: „In den sozialen Netzwerken sollte man auf die Communities zugehen, in denen sich andere aus dem gleichen Berufszweig tummeln. Hier spricht man die gleiche Sprache und arbeitet an denselben Themen, also findet man auch schnell Antworten auf seine Fragen.“ Wobei Facebook eher dem Privatleben vorbehalten ist. Xing und LinkedIn sind für angehende Spitzen-Netzwerker ein Muss. „Wer sich beruflich international orientiert, kommt mit LinkedIn weiter als mit Xing“, weiß Christoph Witte. Doch für beide Netzwerke gilt: Einmal im Monat vorbeizuschauen, ist zu wenig. Zumindest am Anfang sollte man sich regelmäßig einloggen und die eingegangene Post sichten.

Messen, Konferenzen und Tagungen sind bestens geeignet, um Menschen kennenzulernen, die sich die ganze Woche über mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen. Auch wenn man allein dorthin geht, ist der Draht zum Sitznachbarn im Konferenzsaal mit wenigen Worten hergestellt: ein gemurmelter Kommentar zum Vortrag (aber nicht über den Vortragenden!), eine kurze Frage, eine ergänzende Bemerkung. Aber was macht man in den Pausen? „Bloß nicht mit der Kaffeetasse in der Hand herumstehen oder nur mit Kollegen reden, die man schon kennt“, rät IT-Netzwerker Witte, „sondern aktiv auf die Leute zugehen. Das Networking ist ein persönliches Geschäft. Ein bisschen zwingen muss man sich schon. Aber passives Netzwerken gibt es nicht.“

Über Blogs verschafft man sich ein Forum für seine eigenen Gedanken und bekommt die Ansichten und Anregungen anderer Menschen zurückgespielt. Die darin investierte Zeit sei gut angelegt, meint der Münchner, gerade für junge Leute sei es hilfreich, ein eigenes Blog zu betreiben. „Darin stehen können Anregungen zum Fach und Hinweise auf Bücher oder jüngst erschienene Beiträge in Zeitschriften“, sagt Witte. Das Ziel eines Blogs sei es, seine berufliche Kompetenz unter Beweis zu stellen und zu belegen, dass man mit den neuesten Entwicklungen im Fach vertraut ist. Was Nullmitteilungen wie „Ich war gestern Kaffee trinken“ und überhaupt alle Hinweise auf Privates streng verbietet. Blogeinträge müssen weder lang sein noch täglich aktualisiert werden, aber ein Blog verlangt Pflege. „Um die Leser bei der Stange zu halten, sollte schon alle paar Tage etwas Neues darinstehen“, meint Witte, und weiß auch, wie man Leser für sein Blog gewinnt. „An die bekannten E-Mail-Adressen von Kollegen und Kooperanden eine Nachricht schicken: ,Hallo, ab sofort gibt es etwas Neues.‘ Und bei Xing und LinkedIn gibt es viele offene Gruppen, in denen man einen Hinweis auf sein Blog posten kann.“

Für viele Ingenieure endet die Vernetzung mit den Kollegen hinter der Tür zur Abteilung, in der sie arbeiten. Das sei schade, sagt Kommunikationsprofi Witte, denn vielen Menschen im Betrieb sei nicht so recht klar, was die Jungs und Mädels in Konstruktion und Entwicklung tagsüber trieben. Selbst denen nicht, die anschließend die Produkte auf den Markt bringen oder darüber zu berichten haben. Umgekehrt wüssten viele Ingenieure kaum, wie der Vertrieb zustande käme oder wie die Presseabteilung vorgehe. „Man kann, man sollte und als Netzwerker muss man es sogar: aus dem eigenen Beritt herausgehen und forschen. Was machen die im Vertrieb eigentlich mit den Produkten, die ich entwickle? Einfach mal anrufen oder vorbeigehen und darum bitten, dass jemand das erklärt. Oder fragen, ob man selbst die Kluft zwischen Produktion und Marketing verringern könne.“ In ingenieurgetriebenen Unternehmen hätten die Marketing- und Kommunikationsfachleute häufig ein großes Problem, genau zu verstehen, was die Technik macht. Das sei eine Riesenchance für Ingenieure, die Brücke zu den Kollegen aus den anderen Bereichen zu schlagen: „Auf die Leute zugehen und anbieten, die Produkte und deren Entstehung zu erklären. Die werden begeistert sein.“

Über eines muss man sich beim Aufbau eines Kontaktnetzes stets bewusst sein: Es ist nicht einfach vorhanden. „Ein Netzwerk muss wachsen“, erläutert Christoph Witte. „Wenn ich jemandem einen Gefallen tue, kann ich nicht erwarten, dass der sich postwendend revanchiert. Und wenn ich selbst jemanden um etwas bitte, kann das auch dauern.“ So gesehen, ist Geduld der wichtigste Faden im Netzwerk. Aber Geduld sagt man Ingenieuren bekanntermaßen nach.

Tipps für die Beziehungspflege

Ohne Interesse und Offenheit läuft nichts

Investieren Sie Zeit in den Aufbau Ihres Netzwerkes: Damit erst dann zu beginnen, wenn man dringend auf Kontakte angewiesen ist, ist zu spät und macht den Erfolg vom Zufall abhängig. Fangen Sie frühzeitig damit an. Ein starkes Netzwerk braucht gegenseitiges Vertrauen – und das wiederum Zeit.

Informieren Sie sich über die Menschen, die Sie treffen werden: Bei Fachvorträgen, im Seminarprogramm von Messen und auf Veranstaltungen treffen Sie Menschen, mit denen Sie ins Gespräch kommen können. Recherchieren Sie im Vorfeld einige Fakten über die Vortragenden. Wenn Sie wissen, wer früher in welcher Firma gearbeitet hat oder worum es im neuesten Buch des Tagungsleiters geht, haben Sie einen kreativen Aufhänger für den Gesprächsbeginn.

Stellen Sie Fragen und hören Sie aufmerksam zu: Treten Sie fremden Menschen mit Offenheit und Interesse entgegen. Mit Fragen erfahren Sie vieles über Ihren Gesprächspartner – auch Dinge, die Ihnen eventuell erst später nützen können. Stellen Sie dabei aber nicht sich selbst, sondern Ihr Gegenüber in den Mittelpunkt.

Seien Sie hilfsbereit – und nehmen Sie auch Hilfe an: Sammeln Sie Vertrauensvorschüsse, indem Sie von sich aus Informationen oder Kontakte weitergeben. Bauen Sie Brücken zu Menschen, die schneller, direkter oder umfassender als Sie selbst helfen können. Lösen Sie Ihre Vertrauensvorschüsse ein, wenn es erforderlich ist. Niemand bleibt gern einem anderen etwas schuldig.

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