Tipps fürs Konfliktmanagement 07.09.2012, 00:00 Uhr

Wie bei Ingenieuren aus harmlosen Bemerkungen Konflikte entstehen

Im Arbeitsalltag erleben Ingenieure häufig kleine Konflikte. Wie schnell eine harmlose Bemerkung bis zur Kündigung eskalieren kann, zeigt das Beispiel des Ingenieurs Jürgen und seiner Mitarbeiterin. Durch gutes Konfliktmanagement hätte diese Situation vermieden werden können.

Aus harmlosen Bemerkungen entstehen oft Konflikte.

Aus harmlosen Bemerkungen entstehen oft Konflikte.

Foto: iStock / Thinkstock

Nach einem anstrengenden und unerfreulichen Arbeitstag kommt Ingenieur Jürgen nach Hause. Er hat viele Konflikte erlebt, er ist müde und irgendwie traurig und hofft auf einen ruhigen Abend. Kaum zur Tür hereingekommen, wird er von seiner Frau mit dem Satz begrüßt: „Du, wir haben überhaupt kein Wasser mehr!“ Er hat genug über Kommunikation gelernt, um zu wissen, dass dies die Aufforderung ist, noch einmal loszufahren und Wasser zu holen, wozu er sich allerdings an diesem Tag nicht mehr in der Lage sieht.

Also berichtet er seiner Frau, dass sein Chef ihm wieder eine dieser spontanen Extraarbeiten übergeben hatte, weshalb es in seinem ohnehin vollen Terminkalender noch enger wurde, und sie solle sich bloß mal vorstellen, Frau Lehmann habe ihm tatsächlich ihre Unterstützung verwehrt, ihm darüber hinaus weder einen Kaffee noch etwas Essbares gebracht. „Deine Frau Lehmann? Was ist denn mit der los? Erzähl mal!“ Schon werden die Konflikte des Ingenieurs größer.

Aus harmlosen Bemerkungen entstehen oft Konflikte

Dankbar für das Verständnis seiner Frau, berichtet der Ingenieur über die morgendlichen Konflikte. Dabei vergisst er zu erwähnen, dass er seine Mitarbeiterin eine Woche zuvor nach ihrem Zahnarzttermin und dem darin begründeten später Arbeitsbeginn durch eine spontane, an sich witzig gemeinte Bemerkung offensichtlich gekränkt hat. „Wie undankbar von ihr nach allem, was du schon für sie getan hast! Das ist ja Arbeitsverweigerung!“, empört sich seine Frau. „Sie respektiert dich anscheinend nicht als ihren Vorgesetzten. Wenn sich das rumspricht, stehst du bald auf verlorenem Posten. Na komm, ich hol‘ das Wasser morgen. Iss du jetzt erst einmal was und komm‘ mal runter.“

Er hat die beste und klügste aller Frauen geheiratet, dessen ist er sich in diesem Moment bewusst, und er ist zutiefst beunruhigt über das, was sie sagte, er werde womöglich durch solche Konflikte auch den Respekt der anderen Mitarbeiter verlieren. Das muss er auf jeden Fall verhindern, gleich morgen wird er etwas unternehmen. Der nächste Morgen vergeht dann wie im Fluge, Frau Lehmann und er haben sich gegrüßt, sie hat ihm einige Dokumente zur Unterschrift auf den Schreibtisch gelegt, als er gerade telefonierte, und da das Telefon ohnehin nicht stillsteht, hat er keine Gelegenheit mit ihr ein ernstes Wörtchen zu reden.

Konflikte eskalieren zunächst im Kopf

Gegen Mittag steckt Frau Lehmann den Kopf zu seiner Tür hinein und sagt: „Ich wollte nur sagen, dass ich heute um 15 Uhr weg bin, ich habe noch einmal einen Termin wegen meiner Zahnbehandlung.“ In den Schläfen des Ingenieurs pocht es wegen solcher Konflikte. Das ist keine Frage an ihn, sondern sie informiert ihn schlicht über etwas, das sie eigenmächtig entschieden hat. Seine Frau hat recht: Seine Mitarbeiterin nimmt ihn überhaupt nicht mehr ernst! „So geht das aber nicht, meine Liebe! Ihre Zahnarzttermine können Sie auch außerhalb der Arbeitszeit legen, so wie andere Leute das auch machen!“

Er ist selbst von seinem ausgesprochen scharfen Ton überrascht, hat aber gleichzeitig den Eindruck, verlorengegangenes Terrain zurückzuerobern. Dieses Gefühl verstärkt sich dadurch, dass Frau Lehmann wortlos nickt und die Tür wieder schließt. Als er um 17.30 Uhr das Büro verlässt, sitzt sie immer noch an ihrem Schreibtisch. Dem Impuls, ihr zu sagen, sie solle doch nun auch Feierabend machen, folgt er nicht. Wenn sie wegen der Konflikte ein schlechtes Gewissen hat, will er es ihr nicht gleich wieder nehmen.

Ingenieure sollte keine Gelegenheit versäumen, Konflikte zu beseitigen

„Und wie war es heute mit Frau Lehmann? Neue Konflikte?“, will seine Frau wissen. „Gut“, antwortet er wahrheitsgemäß, „ich habe ihr in einem Gespräch einmal ihre Grenzen aufgezeigt und sie hat es begriffen.“ Seine Frau küsst ihn, und er sieht, dass sie stolz auf ihn ist. Dabei vergisst der Ingenieur ganz, dass es sich bei seiner kurzen Tür-und-Angel-Attacke nicht wirklich um ein Gespräch handelte. Um 9.00 Uhr ist Frau Lehmann immer noch nicht im Büro, und er überlegt sich, dass er den Urlaubsschein, den sie ihm neulich reingereicht hat, nicht unterschreiben wird. Wann in seiner Abteilung wer Urlaub nimmt, das entscheidet immer noch er!

Um 9.15 Uhr ruft Herr Lehmann an und informiert ihn, dass seine Frau krank sei und gleich zum Arzt gehen wolle, irgendeine Magen-Darm-Geschichte, weiß er zu berichten. Jürgen ist hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen: Einerseits fühlt der Ingenieur sich wegen der Konflikte ein bisschen schuldig – womöglich ist seiner Mitarbeiterin seine grobe Art auf den Magen geschlagen?! Andererseits ist er jetzt richtig sauer. Sie weiß, was im Moment im Büro los ist und lässt ihn jetzt total im Stich wegen eines zu verschiebenden Zahnarzttermins! Hoffentlich ist sie morgen wieder da! Frau Lehmann ist am nächsten Tag nicht da, und außer immer neuen Krankmeldungen sieht er auch in den nächsten vier Wochen nichts von ihr.

Konflikte können für Ingenieure zu einer Einbahnstraße werden

„Was willst du mit einer so wenig motivierten Mitarbeiterin?“, fragt ihn seine Frau und rät ihm, Frau Lehmann nicht zuhause anzurufen, im Grunde müsse sie sich doch bei ihm entschuldigen. Jürgen ist sich da nicht so ganz sicher, aber ein solches Telefonat würde ihm schwerfallen – was sollte er sagen? Er wird warten, bis Frau Lehmann wieder im Büro ist und dann werden sie schon alle Konflikte wieder in Ordnung bringen, wenn sie sich kooperativ verhält, ansonsten wird er sie weiterhin spüren lassen, wer hier der Chef ist.

Der Ingenieur hat keine Gelegenheit mehr, diese Konflikte zu lösen, denn in der fünften Woche ihrer Abwesenheit erhält er einen Brief von Frau Lehmann mit dem folgenden Inhalt: „Sehr geehrter Herr S.! Hiermit kündige ich das seit acht Jahren bestehende Arbeitsverhältnis zum 31.10.2012. Die Gründe liegen nicht in der Arbeit, die ich bis zum letzten Tag gerne gemacht habe, sondern in Ihrer Art mit mir zu kommunizieren. Ich fühle mich nicht akzeptiert und nicht respektiert, und ich bin einen so schroffen Umgang nicht gewöhnt. Da ich gesundheitlich Schaden nehme, habe ich mich entschlossen, mich beruflich neu zu orientieren. Mit freundlichen Grüßen A. Lehmann“.

Konflikte von Ingenieuren können selbst nach einer Kündigung weiterlaufen

Jürgen verschwimmen die Buchstaben vor den Augen. Das hat er nicht gewollt. Sie haben doch so viele Jahre gut zusammengearbeitet und jetzt kündigt die Mitarbeiterin wegen einer Lappalie! Er ist traurig, sie verloren zu haben, und ein schlechtes Gewissen hat er irgendwie auch. Ganz tief im Innern spürt er, dass die ungelösten Konflikte Frau Lehmann zu ihrem Entschluss gedrängt haben. Im nächsten Moment fällt ihm ein, dass er diese Kündigung seinem Chef zeigen muss, der dann bestimmt ein paar ganz blöde Fragen stellen wird. Wut steigt in ihm auf, in welch unangenehme Situation Frau Lehmann ihn da gebracht hat. Gut, dass sie weg ist, sie war ohnehin nicht loyal!

Aus einer einzigen Bemerkung: „Mahlzeit! Da kommt die Spätschicht!“, sind Konflikte entstanden, die sehr schnell an Fahrt aufgenommen haben, weshalb die einzelnen Eskalationsstufen kaum noch zu identifizieren waren. Das einzig Gute daran ist, dass sie nicht mit der letzten Stufe, dem „Krieg“ beendet wurden, es sei denn, Frau Lehmann geht wegen vermeintlichen „Mobbings“ zum Anwalt oder Jürgen erzählt überall in der Stadt herum, Frau Lehmann sei eine unzuverlässige Kollegin gewesen, dann wären die Konflikte der Ingenieurs noch nicht zu Ende und gingen – wie in vielen Fällen – in die Endphase.

Ingenieure sollten vergangene Konflikte nutzen, um für die Zukunft zu lernen

Die Endphase der Konflikte hat die Vernichtung des Gegners um jeden Preis zum Ziel und bedeuten notfalls auch die eigene Selbstvernichtung. Jürgen hat inzwischen einen neuen Mitarbeiter. Er hat sich bewusst für einen Mann entschieden, da ist die Kommunikation einfach leichter. Allerdings kann Jürgen das noch nicht beurteilen, denn die beiden sprechen kaum miteinander. Komisch, ob der neue Ingenieur ihm was verheimlicht?

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