Fachliches Know-how reicht nicht 23.10.2017, 00:00 Uhr

Welche Soft Skills brauchen Ingenieure?

Empathie, Konfliktfähigkeit, unternehmerisches Denken: Immer mehr Betriebe erwarten neben fachlichem Know-how weitere Fähigkeiten, die Mitarbeiter für die Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt wappnen. Doch welche Soft Skills braucht ein Ingenieur?

Ob Spezialisten oder Führungskräfte, nahezu jeder arbeitet heute in Teams.

Ob Spezialisten oder Führungskräfte, nahezu jeder arbeitet heute in Teams.

Foto: imago/blickwinkel/McPhoto/Andresz

Die Digitalisierung der Arbeitswelt verändert nicht nur Prozesse in Unternehmen, sie generiert auch neue, zusätzliche Anforderungen an die Mitarbeiter. „Fachliches Know-how reicht nicht mehr aus“, sagt Thilo Weber, Bildungsexperte des VDMA in Frankfurt. Ingenieure müssten mehr und mehr in der Lage sein, ihr Know-how zu transferieren. Außerdem müssen sie lernen, kundenorientiert zu denken und in fachübergreifenden Teams zu arbeiten.

In der künftigen Informations- und Dienstleistungsgesellschaft entstehen neue Geschäftsmodelle, die vor allem auf einer guten Kommunikation zwischen Mitarbeitern, Partnern und Kunden basieren. „Es werden daher zunehmend Mitarbeiter gesucht, die neben der richtigen Ausbildung und einem guten Abschluss über sogenannte Soft Skills – weiche Persönlichkeitsmerkmale – verfügen“, so Weber.

Das heißt: Mitarbeiter müssen künftig nicht nur mit ihren Kollegen gut auskommen, sondern mit ihnen auch konstruktiv zusammenarbeiten, um möglichst schnell und beständig neue Produkte und Services auf den Markt bringen zu können. Denn in den Unternehmen geht es darum, die zwischenmenschliche Arbeit und den Kontakt zu Kunden und Stakeholdern so professionell und kompetent wie möglich zu gestalten.

Welche Soft Skills verlangen Arbeitgeber?

„Neben Fachwissen sind eine Reihe von persönlichen Eigenschaften, Einstellungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig“, erläutert Performance- und Persönlichkeitstrainer Klaus Kindler. Es gehe zum Beispiel um Konzepte wie positives Denken und Selbstreflexion, das Win-Win-Paradigma, Ethik und Moral für das Handeln. Viele Arbeitgeber erwarten heute, dass Bewerber diese „weichen“ Persönlichkeitseigenschaften bereits mitbringen, oder sich diese im Studium zumindest ansatzweise angeeignet haben. Doch vor allem in technischen Berufen sei die Zahl solcher Bewerber dünn gesät, sagt Kindler. Ingenieure seien eher introvertiert, auf Genauigkeit und Verlässlichkeit fokussiert. Sich Soft Skills anzueignen fällt ihnen oft schwerer als anderen Berufsgruppen. „Und auch wenn inzwischen immer mehr Hochschulen auch Seminare zum Erlernen von Kommunikationstechniken, zu Team- und Projektarbeit, Problemlösefähigkeit und Führungsverhalten anbieten, haben die jungen Leute während ihres Studiums noch zu wenig Gelegenheiten, diese Techniken auch in der Praxis zu üben“, sagt Kindler.

Betriebliche Trainings werden an Bedeutung gewinnen

Um sicher zu sein, dass ihre Mitarbeiter für die Anforderungen der aktuellen und zukünftigen Arbeitswelt gewappnet sind, müssen Unternehmen in Weiterbildung investieren. „Damit sind nicht nur fachliche Weiterbildungen gemeint, sondern auch in deutlich stärkerem Maße als bisher Trainings, die Soft Skills stärken“, sagt Kindler.

Und diese Einheiten richten sich keineswegs nur an „einfache“ Mitarbeiter. Besonders Führungskräfte müssten an ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeiten und lernen, den eigenen Horizont zu erweitern, sagt Thomas Altmann, Berater für Unternehmens- und Persönlichkeitsentwicklung. „Bereits Teamleiter – bei dem Schritt vom Experten zum Vorgesetzten – brauchen soziale Kompetenzen, damit sie Kollegen verstehen, auf diese eingehen und fördern können“, so Altmann. Wichtig sei hier die Schulung der Integrationskompetenz. Denn die Teams arbeiten nicht nur interdisziplinär, sondern häufig auch interkulturell und international zusammen. Das heißt, verschiedene Experten aus unterschiedlichen Bereichen, Sprachfeldern und Ländern müssen lernen, zusammenzuarbeiten. Da sei es für den Teamleiter wichtig zu erkennen, dass Mitarbeiter unterschiedliche Herangehensweisen an Problemlösungen haben, das zu akzeptieren und dies für die Arbeit zu nutzen, sagt Altmann.

Kann man Soft Skills und Sozialkompetenz lernen?

Doch kann man Sozialkompetenz oder Eigenschaften wie Empathie tatsächlich noch im Erwachsenenalter lernen? Sind das nicht Persönlichkeitsmerkmale, die man hat oder eben nicht? „Die Anlagen dazu hat jeder Mensch, unabhängig vom Alter“, sagt Persönlichkeitstrainer Kindler. Empathie etwa gehöre zu den Basics guter Kollaborationsfähigkeit im Team und sei erlern- und trainierbar.

In der Erwachsenenbildung wenden Trainer für das Erlernen von Soft Skills spezielle Methoden an. Während fachliches Know-how auch gut über webbasierte Trainings vermittelt werden kann, sind für das Erlernen oder Vertiefen sozialer Kompetenz und Kommunikationsfähigkeiten persönlicher Kontakt und intensives Üben notwendig. „Da müssen soziale Abläufe erfahrbar und erlebbar sein. Emotionale Erlebnisse müssen her“, erläutert der Trainer. Zudem müssten die Teilnehmer zunächst motiviert oder besser „mobilisiert“ werden, um der Thematik gegenüber wirklich aufgeschlossen zu sein. „Denn für nachhaltiges Lernen und eine konsequente Anwendung ist ein Abspeichern des Lerninhalts unter Einbeziehung des limbischen Systems unseres Gehirns erforderlich“, so Kindler. Dort finde das Emotionsprozessmanagement statt, das unser Handeln und Entscheiden stark beeinflusst und steuert.

Trainer müssen also in der Lage sein, die Teilnehmer für ungewohntes Terrain zu öffnen, Begeisterung zu wecken und Fähigkeiten nachhaltig zu trainieren. Das ist spezielles Trainer-Know-how und hier liegen auch die Differenzierungsmerkmale exzellenter und guter Trainings. In einem Soft-Skill-Training, sollte ein Seminarleiter intensives Feedback geben – offen im Plenum und auch persönlich. Nach dem Seminar beginnt der Transfer des Erlernten in die Praxis. 

Allerdings gebe es auch Menschen, räumt Kindler ein, – vor allem in Technik- und Finanzberufen –, die sehr introvertiert sind. Sie müssten so viel Kraft in das Erlernen von Social Skills stecken, dass dies zulasten ihrer sonstigen Leistungen gehen würde.  

Von Hans Schürmann, MBA for engineers

Top Stellenangebote

Landeshauptstadt München Ingenieur/in der Fachrichtung Bauingenieurwesen München
ABB AG-Firmenlogo
ABB AG Gruppenleiter (m/w) Engineering Paint Friedberg
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Entwicklungsingenieur (m/w) Pforzheim
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Messingenieur (m/w) für die Programmierung optischer Messmaschinen im Bereich Applikationen Pforzheim
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH-Firmenlogo
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH Gruppenleiter LED-Messtechnik (m/w) München
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH-Firmenlogo
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH Leiter Produktionsplanung (m/w) mit Arbeitsvorbereitung, Auftragsplanung und -steuerung München
HENSOLDT Service Ingenieur Sekundärradar (m/w) Taufkirchen
Max-Planck-Institut für Physik Werner-Heisenberg-Institut Ingenieur/-in Verfahrenstechnik München
VISHAY ELECTRONIC GmbH ESTA Capacitors Division Sales and Application Engineer (m/w) für den Bereich Leistungskondensatoren Landshut
Toho Tenax Europe GmbH-Firmenlogo
Toho Tenax Europe GmbH Prozessingenieur (m/w) TPUD Heinsberg-Oberbruch