Karriereplanung

Weiterbildung als Königsweg zum Erfolg?

Reichen die Qualifikationen für die Karriere aus? Diese Frage stellen sich Ingenieure immer häufiger. Muss es ein zusätzlicher MBA oder Doktorgrad sein? Macht eine Weiterbildung Sinn? Und falls ja, welche? Waren früher Absolventen überzeugt, mit einem Top-Abschluss und hervorragenden Qualifikationen in den Job zu starten, zweifeln heute viele, ob der Abschluss genügt.

Neben akademischer Bildung sind vor allem auch softskills gefragt!

Neben akademischer Bildung sind vor allem auch softskills gefragt!

Foto: panthermedia.net/pressmaster

Sie haben das Gefühl, dass das Studium kein ausreichendes Rüstzeug für eine Karriere mehr darstellt. Also muss eine Promotion, ein Aufbau- oder Zweitstudium, ein MBA oder eine umfassende Weiterbildung her. Wie sehr gilt die Karriereformel „Wissen ist Macht“ heute noch? Machen die Mehrfach- und Langzeitqualifizierten die große Karriere und erstürmen im Eiltempo die Karrierestufen?

Weiterbildung: Lohnende Investition für die Karriere?

Dass ein überdurchschnittliches Maß an akademischer Bildung mehr oder minder automatisch zum Berufserfolg führt, darf bezweifelt werden. So dürfte kaum der Nachweis gelingen, dass sich ein im Job nachgelegter MBA, eine Promotion oder sonstigen Formen einer umfassenden Weiterbildung signifikant positiv auf die Karriere der Kandidaten ausgewirkt haben und sich die Investition lohnte.

Industriekarrieren, auch von Ingenieuren, fördern häufig ein anderes Bild zu Tage. Haben die Hochqualifizierten zu Beginn der Laufbahn Vorteile, verbleiben später viele von ihnen auf mittleren Ebenen in den Unternehmen: Gehobene Sachbearbeiterpositionen, Projektmanager, Gruppen- oder Teamleiter sind nicht selten Endstationen. Das hat seine Gründe. Ist die Umwerbung zum Berufseinstieg beendet und der Hochqualifizierte auf Kurs gebracht, zählt für viele Unternehmen zunächst die Frage, wie er mit praktischen Problemen fertig wird – jenseits der Frage, welche Form der Weiterbildung sie bereits in Anspruch genommen haben ode rnoch in Anspruch nehmen werden.

Umfangreiche Weiterbildung für Karriereleiter weniger wichtig

Schafft der Hochqualifizierte es, eine Beziehung zu Key-Playern im Unternehmen aufzubauen und sich in das Umfeld zu integrieren? Ist er kompromiss- und konfliktfähig? Wie ist sein persönliches Durchhaltevermögen? Wie verhält er sich, wenn andere schneller befördert werden? Fachlich wird der Hochqualifizierte gut zu recht kommen. Vielleicht sieht er aber aufgrund seines Wissens mehr Probleme und braucht länger, um Projekte auf die Beine zu stellen, Entscheidungen zu treffen usw. Karriere hängt mehr vom persönlichen Format, sozialer und politischer Kompetenz, Selbstorganisation und -vermarktung ab. Diese Fähigkeiten erlernt man selten im Hörsaal oder im Rahmen einer Weiterbildung.

Ein Blick nach Großbritannien zeigt, dass viele der Geschäftsführer auf der Insel keinen akademischen Top-Abschluss besitzen und ihn auch nicht nachholen, wenn sie in Führungspositionen sitzen. Management muss in der Praxis gelernt werden. Sich im Hörsaal oder einer anderen Form der Weiterbildung zusätzlich zu qualifizieren schadet nicht, aber zuviel Qualifikation sollte es nicht sein. Anthony Hesketh von der University of Wales etwa bricht eine Lanze für Naturwissenschaftler: „In fact, a number of employers have indicated that science graduates make good managers.“

Weiterbildung: Gezielt in Seminare investieren

Fazit: Theoretisches Wissen kann nicht schaden. Tatsächlich zählt aber für die Praxis mehr die Fähigkeit, sich rasch in neue Sachverhalte einarbeiten zu können. Der Trend in unserer schnelllebigen Zeit heißt „Lebenslanges Lernen“, statt am Anfang viel zu tun und später stark nachzulassen. Im Zweifel lohnt es sich mehr, bei erkannten Defiziten gezielt in Seminare statt in eine umfangreiche, teure Weiterbildung mit hohen Streuverlusten zu investieren.

 

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